Donnerstag, 02.08.2018

Wellpappe und Leimringe gegen zwei „Würmer“

Der Apfelwickler schaut in Bilderbüchern für Kinder immer so niedlich aus, wie er mit lachendem Gesicht aus einem Loch im Apfel herausschaut. Im wahren Leben bekommt er jedoch bei seiner Entdeckung eher Ausrufe des Ekels zu hören.

In diesem Jahr sind die Lebens- und Entwicklungsbedingungen der zu den Nachtfaltern gehörenden Apfelwickler wegen der lang anhaltenden Wärme besonders gut. Sie sitzen tagsüber ruhig und durch ihre unscheinbare Färbung in grau und braun schwer zu entdecken am Baum. Abends fliegen sie bei Temperaturen ab 15 Grad Celsius umher und legen ihre Eier ab.

Ein Befall mit dem Obstschädling, der auch Birnen, Quitten und manchmal auch Pfirsiche und sogar Walnüsse liebt, ist leicht zu erkennen. Die Raupen bohren sich in die Früchte und schieben ihre Exkremente in Form kleiner, schwarzer Krümelchen durch das Loch nach draußen. Das Innere der Frucht ist von Fraßgängen durchzogen, die bis ins Kerngehäuse reichen.

Meist fallen solche „angestochenen“ Früchte schon vor der Reife vom Baum. Die Raupen suchen sich dann Verstecke für das Stadium der Verpuppung. Auch deshalb sollte Fallobst so schnell wie möglich aufgesammelt und entsorgt werden. Und zwar nicht auf dem Komposthaufen, denn dieser wäre sozusagen ein Fünf-Sterne-Hotel für die Tierchen... Die Raupe des Apfelwicklers ist anfangs gelblich-weiß und hat einen dunklen Kopf. Später wird sie rosa mit dunklen Warzen und dunklem Kopf. Sie wird bis zu zwei Zentimeter lang. Die erste Generation des Apfelwicklers (Cydia pomonella) schlüpft je nach Witterung schon Anfang Mai. Nach drei bis fünf Wochen ist die Entwicklung der Raupe im Apfel abgeschlossen. Die Tiere verlassen die Frucht und suchen sich zur Verpuppung ein Versteck unter Borkenschuppen, in Stammritzen und ähnlichen Verstecken.

Aus den Puppen schlüpfen noch im Sommer (Ende Juli bis Anfang September) Falter, die die zweite Generation des Apfelwicklers bilden. Die Larven dieser Generation bohren sich dann in die schon reifen Früchte, und der Kreislauf beginnt von Neuem. Denn die Larven verpuppen sich dann in den schon genannten Verstecken und überdauern dort den Winter.

Jetzt ist noch Zeit, gegen den Apfelwickler vorzugehen, falls noch spät reifende Äpfel im Garten sind. Einfachste Methode: Wellpappe-Streifen um den Fuß des Baumstamms (und bei jüngeren oder Spalier-Bäumen um alle dem Stamm nahen Spalier- und Anbindehölzer) legen und diese wöchentlich kontrollieren. Wenn sie zu voll werden, auswechseln und die alten Fallen im Hausmüll entsorgen. Wer jetzt Gegenmaßnahmen ergreift, kann zumindest den Befall abschwächen.

Auch ich muss mich jetzt darum kümmern, denn von meiner in diesem Jahr ausgesprochen reichen Ernte sind rund die Hälfte der Früchte angebohrt. Ich hatte angenommen, dass Leimringe das Mittel der ersten Wahl sind, aber die helfen vor allem gegen einen anderen Schädling: den Frostspanner. Denn im Gegensatz zum Apfelwickler können die Weibchen des Frostspanners nicht fliegen. Sie kriechen am Stamm und an dem Stamm nahe stehenden Hölzern (Stützen und Ähnlichem) bis in die Krone hinauf, wo sie ihre Eier ablegen, die dann dort den Winter überdauern. Leimringe, die von Zeit zu Zeit erneuert werden sollten, fangen die Weibchen ab. Auch mit Bacillus-thuringiensis-Präparaten können die Raupen bekämpft werden.

Besonders ältere Obstbäume bieten mit ihrer rauen Rinde prima Verstecke für Schädlinge. Deshalb sollten die Stämme und auch dickere Äste kräftig abgebürstet werden, um lose Rindenstücke zu beseitigen. Diese Arbeit bietet sich besonders nach der Ernte oder vor Beginn des Winters an.

Neben Wellpappe gegen Apfelwickler kann man von Mai bis August zusätzlich Pheromon-Fallen in die Bäume hängen. Diese ziehen die Männchen an. Diese Fallen eignen sich aber nicht zur wirksamen Dezimierung des Schädlings, sondern eher zur Kontrolle der Befallsstärke und des Flughöhepunkts der Falter. So lassen sich die Eiablage und das Auftauchen der Raupen abschätzen. Dies ist nötig, wenn man Granuloseviren gegen den Apfelwickler spritzen will. Denn das Präparat, das auch im Öko-Landbau genutzt wird, muss in einem relativ kurzen Zeitraum eingesetzt werden: Die Raupen nehmen es auf ihrem Weg vom Ei zur Frucht direkt auf. Das Mittel muss mehrfach in kurzen Abständen gespritzt werden.

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