Freitag, 10.05.2019

Warum Malvolio gelbe Strümpfe trägt

Leserbrief

Goslar. „Wenn die Musik der Liebe Nahrung ist, Spielt weiter!“ schmachtet Herzog Orsino in „Was ihr wollt“. Das ist zugleich das Motto, dass sich die jungen Schauspieler zwar nicht auf die Fahnen, dafür aber auf die Kulisse und ins Herz geschrieben haben. Steph Bullock aus Birmingham und Ben Steele aus Dover sind für das Phoenix Theatre für zwei Tage in die BBS Baßgeige gekommen. Hier haben sie am Donnerstag einen Workshop mit der Theater-AG der BBS durchgeführt und am Freitag besagte Verwechslungs-Komödie von William Shakespeare aufgeführt.

Theater verbindet

Mit organisiert hat das Ganze der Bufdi (Bundesfreiwilligendienstleistende) Julius Engelhardt, dem Theater und darstellendes Spiel am Herzen liegen. „Das hat schon früh angefangen. Mein Vater hat mich, als ich sechs Jahre alt, zu den Proben von einem Stück mitgenommen. Seitdem bin ich dabei“, erzählt Engelhardt. Während der Schul- und Bufdizeit ging es weiter. Demnächst beginnt er mit dem Studium. Da will er, wenn es die Vorlesungen zulassen, natürlich am Ball bleiben. Auch Rut Sadura ist beim Theater-Workshop mit dabei. Die 19-Jährige ist ebenfalls seit Längerem in der Theater-AG aktiv und will ihre Erfahrungen später im Beruf einbringen: Lehramt möchte die Abiturientin bald studieren.

Insgesamt neun Schüler aus unterschiedlichen Ausbildungs-Sparten nehmen an dem Workshop teil. Der Spaß an und Neugier auf Theater bringt sie zusammen.

Malvolio wird übel mitgespielt.

Die Schauspieler, Steph und Ben, haben sich natürlich einen Plan für den kleinen Kursus gemacht. Klar stehen verschiedene Schauspiel-Techniken und Stimm-Übungen fürs Theater und Musicals auf dem Programm. Doch bevor sie loslegen, möchten sie von den Teilnehmern wissen, welche Erwartungen sie haben, was sie gerne lernen möchten. Sie sind gut vorbereitet und werden nicht enttäuscht: Die Schüler möchten zum Beispiel mehr über William Shakespeare wissen, oder wie man die Stimm-Bildung im Alltag einsetzen kann. Zum Aufwärmen werden verschiedene Kontakt- und Bewegungsspiele gespielt, nach einer Pause geht es dann ans „schauspielerische Eingemachte“.

Am nächsten Tag sind bei der Aufführung der beiden 25-jährigen Briten wesentlich mehr Schüler dabei. Was einigen auffällt, ist, dass zwei Schauspieler für ein Drama aus Shakespeares Feder eindeutig zu wenig sind. Die meisten verschwenden allerdings keinen weiteren Gedanken daran. Deshalb geht auch ein schockiertes Raunen durchs Publikum, als Steph fröhlich bekannt gibt, dass für die ausstehen Rollen Zuschauer zwangsrekrutiert werden. Schnell hat man eine Olivia und eine Maria gefunden und leicht kostümiert.

Was ihr wollt, oder nicht?

Die weiteren Besetzungen gehen rasch über die sprichwörtliche Bühne, ebenso die weiteren Ausstattungen mit Requisiten – eindeutig zur Freude derjenigen, die noch mal davon gekommen sind.

Da die frischgebackenen Schauspieler den Text nicht auswendig kennen, kriegen sie ihn von ihren professionellen Kollegen souffliert. Nach anfänglichem Zögern gehen alle in den ihnen zugewiesenen Rollen auf. Angefeuert von ihren Mitschülern spielen sie die tragikomischen Szenen, das Publikum wird ebenfalls mit einbezogen.

Der Schiffbruch Violas zu Beginn der Geschichte wird so zum Beispiel mit den nötigen Hintergrundgeräuschen versehen und auch das nächtliche Gegröle von Tobias von Rülps, Andreas von Bleichenwang, Maria und Feste erhält so genügend Atmosphäre, um den spaßbefreiten Malvolio zu reizen.







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