Freitag, 02.08.2019

Von Liebe, Nixen und Begegnungen

Leserbrief

Einmal nicht bei der Haltestelle an der Schule aus dem Zug aussteigen, sondern einfach bis zur Endstation „Ametsukigahara“ fahren – eine Idee der verträumten Schülerin Akari, die für die weitere Zukunft noch keinen Schimmer hat, was sie machen will. 

An dem Geländer auf dem Schuldach balancieren hält sie aber für eine gute Idee. Nach dem Bruch mit ihrer besten Freundin und einem unerwarteten Wiedersehen eines gemeinsamen Bekannten entspinnt sich eine Episode, die für Akaris weiteren Lebensweg entscheidende Weichen stellt.

Prägende Begegnungen

„Ametsukigahara“ ist die erste von drei Geschichten in Kaori Ozakis Manga „Mermaid Prince“ der im Juli im Carlsen-Verlag erschienen ist. Das Thema Begegnungen kann in diesem „One-Shot“-Band als verbindendes Element der unabhängig voneinander stehenden Erzählungen gesehen werden. Denn eine besondere Begegnung mit einem ungewöhnlichen Obdachlosen und seinem Sohn hat auch eine junge Bibliothekarin an einem Winter-Abend in der zweiten Geschichte. Sie liest dem Jungen ein Kinderbuch vor und zeigt ihm einen Platz vor dem Bibliotheksfenster, wo im Frühling besondere Kräuter wachsen werden. Zwei scheinbar unzusammenhängende Ereignisse am Tag darauf und im folgenden Frühjahr lassen jedoch Zweifel an der tatsächlichen Identität der Beiden aufkommen.


In der dritten Geschichte ist der Junge Mugi mit seiner Schwester von Toyko zu deren Verlobten Kotaro nach Okinawa gezogen. Mugi hat Probleme, sich auf der Insel einzuleben, wird von seinen Mitschülern gemobbt und leidet unter Asthma. Einzig das Mädchen Matori scheint sich wirklich für ihn zu interessieren. Beide freunden sich an. Mugi seinerseits ist interessiert an Nixen und hört fasziniert zu, wenn ihm die Einheimischen von den Meerjungfrauen erzählen. Angeblich erfüllen sie sogar Wünsche. Der Verlobte seiner Schwester behauptet gar, einer Nixe beim Tauchen begegnet zu sein. Davon ermutigt, übt Mugi ab sofort, die Luft anzuhalten, damit er auch tauchen gehen kann. Als Kotaro beim Versuch, einen Schwimmer zu retten auf See verschwindet, ist für Mugi ganz klar, was zu tun ist.

Mystery-Elemente

In den Geschichten schafft es die Mangaka Ozaki, die Gedanken und Probleme junger Erwachsener einfühlsam und nachvollziehbar zu erzählen, ohne jedoch übermäßig dramatisch zu sein. Sie arbeitet dabei auch mit lustigen Szenen, verzichtet aber darauf, zu albern oder abgedreht zu werden. Ihr liegen sowohl Storylines ohne als auch mit Mystery- Elementen, wobei sie Letztere in der zweiten Geschichte nur andeutet, während sie in der dritten Geschichte ein wichtiger Teil des Plots sind. Einen Gänsehaut- und Spannungsfaktor haben alle Geschichten. Der Zeichenstil Ozakis ist klar und aufgeräumt, hat aber immer genug Platz für kleine Details. Die Geschichten sind Schwarz/Weiß gedruckt, das Cover und die beiden ersten Seiten sind aber in an Aquarell erinnernder Technik coloriert. Der Einband hat zudem eine besondere Wirkung, da er geprägt ist, was die abgebildete Unterwasserszene unterstreicht.

„Mermaid Prince“ von Kaori Ozaki 226 Seiten, ab 13 Jahren, Carlsen Verlag, 8 Euro








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