Montag, 08.06.2020

Virtuell aus dem Escape Room flüchten - das neue Angebot im Test

Leserbrief

Das Jahr 1932: Der Fall um den Mafiaboss Don Vito bereitet dem FBI Kopfzerbrechen. Seit Joe Petrosino und sein Team die Ermittlungen übernommen haben, scheint sich das Blatt jedoch zu wenden: Die Agenten sind an Beweise gelangt, die den Gangster endlich zur Strecke bringen könnten.

Der weiß jedoch mittlerweile ebenfalls, dass das FBI belastendes Material über ihn besitzt. Seine Männer sind bereits auf dem Weg, um die Dokumente aus Petrosinos Büro zu stehlen. „Agenten, ihr müsst mir helfen“, tönt plötzlich eine Stimme aus den Lautsprechern. Moment, Lautsprecher? War es nicht 1932? Stimmt, wir befinden uns in den 30ern des vergangenen Jahrhunderts – zumindest virtuell für die nächsten 60 Minuten. Wir, das sind GZ-Volontärin Corinna Knoke und Praktikantinnen Lea Dämgen und Holly Hildebrand – für die nächste Stunde sind wir allerdings Agenten und Teil von Joe Petrosinos Team. „Der Fall Don Vito“ ist ein Escape Game. Das Spielprinzip ist einfach: Eine Gruppe wird in einen Raum gesperrt und hat im Anschluss eine vorgegebene Zeit, zu entkommen.

Rätsel lösen, Schlösser knacken, flüchten: Dazu haben die Spieler in einem Escape Raum 60 Minuten Zeit. Die Exit Games gibt es mittlerweile auch online. Fotos: Harz Escape

Die Stimme aus den Lautsprechern wiederum gehört unserer Spielleiterin von „Harz Escape“ aus Wernigerode. „Der Fall Don Vito“ ist kein gewöhnlicher Escape Room: Für die Junge Szene werden wir die Online-Version des Spiels testen – bequem vom heimischen Sofa aus. Ganz ohne Vorbereitung geht jedoch auch das nicht. Gespielt wird per Videoanruf, über Zoom. Das Programm muss daher vor dem Spiel heruntergeladen werden. Ein Konto braucht ihr allerdings nicht. Es reicht, zur gebuchten Zeit dem Link in der Bestätigungsmail zu folgen. Praxistipp am Rande: Mail an alle Mitspieler weiterleiten nicht vergessen.

Die Stimme aus dem Off

Während die Spieler bei den bekannten Escape Rooms, vor Betreten des Raums zunächst eine Einführung (zu Schlössern oder der Story) erhalten, haben wir diesmal auch das Szenario aus der Nachricht vor Spielbeginn erfahren: Don Vitos Männer sind auf dem Weg zur Zentrale. Die Agenten, also wir, sind ausgerechnet heute im Archiv beschäftigt und daher nicht vor Ort.

Zum Glück ist zumindest die Sekretärin unseres Chefs Petrosino in dessen Büro. Alleine kann sie die Unterlagen unmöglich finden – Hilfe suchend ruft sie uns im Archiv an: „Könnt ihr mich hören? „Ja, wir hören dich“, antworten ihr drei skeptische Agenten. „Ihr müsst mir helfen, ich weiß nicht, wo Joe die Dokumente versteckt hat“, bittet die Stimme aus dem Off. Dann öffnet sich eine Tür, und wir stehen mitten im Büro unseres Chefs Petrosino.

Ein unvermittelter Einstieg, zumindest im Vergleich zum Escape Game, das man live erlebt. Dementsprechend sind wir erst einmal konfus. Der erste Hinweis ist zum Glück jedoch schnell entdeckt. Während wir uns von Rätsel zu Rätsel hangeln, löst sich auch die anfängliche Verwirrung. Wir beginnen, uns auf das Szenario einzulassen und den Raum mithilfe unserer Figur, der Sekretärin, zu erkunden. Gewöhnen müssen wir uns zunächst daran, der Spielleiterin, die diese Rolle innehat, Anweisungen zu geben.

Verglichen mit der Live-Version ist das Tempo online außerdem langsamer. Mehr als einmal hört man daher die Ungeduld in unseren Stimmen: nicht selber greifen, blättern und nachschauen zu können, ist ungewohnt frustrierend. Spätestens, nachdem das erste Schloss offen ist, verfliegt dieses Gefühl jedoch. Jetzt sind wir alle drei im Rätselfieber. Obwohl wir nichts anfassen und das Spiel nur über die Kamera erleben, fühlen wir uns, als seien wir mit im Raum. Ein Grund hierfür ist der, verglichen mit Live-Escape-Spielen, deutlich flüssigere Verlauf der Mission. Man verliert den Fokus viel weniger. Das liegt zu einem großen Teil am Spielleiter: Dank seiner aktiven Rolle kann dieser die Gruppe lenken und subtil Hinweise geben. So gerät das Team selten ins Stocken. Und bleibt nachher trotzdem mit dem Gefühl zurück, es ganz alleine geschafft zu haben.

Im Gegensatz zu einem klassischen Escape Room ist ein eigener Block zum Mitschreiben empfohlen. Die Notizen helfen, den Überblick nicht zu verlieren. Sich kurz um- oder eben etwas nachschauen ist online nur eingeschränkt möglich. Die Spielfigur hin und her zu schicken, kostet zudem wertvolle Zeit.

Virtuelles Fluchtspiel

Die eine Stunde ist für uns beim Spielen wie im Flug vergangen. Nach 55 Minuten lösen wir das Rätsel, das uns schließlich zum Versteck der begehrten Dokumente führt. Nach Spielende macht unsere Sekretärin, die übrigens Julia heißt, noch ein Erinnerungsfoto.

Gelohnt hat sich die neue Escape-Room-Version definitiv. In unserem Test hatten wir am Spielerlebnis nichts auszusetzen. Gemerkt haben wir, dass es bei der Online-Version stark vom Spielleiter abhängt, wie gut die Erfahrung ist. Das virtuelle Fluchtspiel erfordert jedoch kaum Organisation – und kostet weniger als die Live-Variante.

Von Holly Hildebrand









Weitere Topthemen aus der Region:
  • Langelsheim
    Käufer stehen Schlange fürs Stadtfeld III
    Mehr
  • Region
    Gute Verbindungen ins Mittelgebirge
    Mehr
  • Region
    Umwelthilfe Goslar zieht mit einem Buch Bilanz
    Mehr
  • Lokal-Sport
    Boxer Jan Camp erfüllt sich einen Kindheitstraum
    Mehr
  • Region
    CDU-Jubelfeier: Amt prüft möglichen Corona-Verstoß bei Wahlparty
    Mehr