Freitag, 19.07.2019

Über den Tellerrand hinausschauen

Leserbrief

Seesen. Wie ist der Pflegeberuf in anderen Ländern? Was kann man gegenseitig im Vergleich von den Gesundheitssystemen lernen? Zwei Auszubildende des Asklepios Bildungszentrums Seesen hatten jetzt die Möglichkeit, über den Tellerrand ihrer dreijährigen Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger hinauszublicken.

Sie arbeiteten im Rahmen eines Stipendiums für jeweils sechs Wochen in Kliniken in Wien beziehungsweise London – und konnten so wertvolle Erfahrungen für ihre weitere Ausbildung und den späteren beruflichen Lebensweg sammeln.

EU-Programm hilft

Melissa Schmidt (20) aus Seesen arbeitete im Allgemeinen Krankenhaus der Stadt Wien. Die 23-jährige Charlotta Siefert aus Hamm absolvierte ihr Praktikum im renommierten Londoner St. Thomas’ Hospital. Beide Azubis aus Seesen hatten sich über das „Erasmus + Mobilitäts-Programm“ der Medizinischen Hochschule Hannover direkt bei den Kliniken für die Auslandspraktika beworben und schließlich den Zuschlag bekommen. Das Programm finanzierte die Praktika.

Wenige Computer

Melissa konnte auf dem Klinik-Campusgelände wohnen. Sie hatte zwei Schichten, in der Regel zu je zwölf Stunden. „Dort gab es noch nicht so viele Computer, vieles wurde handschriftlich in Akten notiert“, sagt sie. In Deutschland hingegen gibt es in Kliniken drei Acht-Stunden-Schichten. „Die Krankenschwestern dürfen mehr Tätigkeiten ausführen als bei uns, das ist interessant“, sagt die 20-Jährige. „Mir wurde viel zugetraut, und ich wurde sehr gut und individuell betreut“. Aber sie stellt auch eine Sache fest: „Die Auszubildenden verdienen dort deutlich weniger als bei uns.“

Auch Charlotta wurde sehr gut in der Londoner Klinik empfangen. „Die ersten beiden Wochen war ich im allgemein- und gefäßchirurgischen OP-Bereich, dann zwei Wochen in der Gynäkologie und zuletzt in der plastischen Chirurgie. Mein Tag begann immer um 8 Uhr und endete, je nachdem, in welchem Dienst ich eingeteilt war, zwischen 16 und 20 Uhr. Mir wurde viel beigebracht und erklärt, ich konnte viel selbstständig machen.“

Sie war bei 10-Minuten-Operationen, aber auch bei Acht-Stunden-Eingriffen dabei. Und das alles in englischer Sprache. Gab es dadurch Probleme mit der Verständigung? „Ich hatte nach dem Abi zwei Jahre in Großbritannien gelebt und gejobbt, das half mir sehr“, sagt sie. „Die Kollegen haben mich auch sehr unterstützt.“ Sie hatte eine WG im Stadtteil Hackney gefunden, von dort waren es 30 Minuten mit der U-Bahn zur Arbeit.

Enge Arbeit im Team

Das Fazit der Azubis: „Das Ansehen, die Wertschätzung von Pflegekräften in der Gesellschaft und das Wissen in der Bevölkerung über die Arbeit der Krankenschwestern ist dort viel ausgeprägter als bei uns.“ Und: „Ärzte und Pflegekräfte arbeiten dort viel enger als Teams zusammen.“ Charlotta Siefert ergänzt: „In der kurzen Zeit in London konnte ich unfassbar viele Eindrücke, Erfahrungen und Kontakte sammeln. Ein Auslandspraktikum würde ich jederzeit wiederholen wollen.“

Melissa sagt abschließend: „Ich bin überglücklich und dankbar, dass ich dieses Auslandspraktikum in dieser schönen Stadt Wien, in dem beeindruckenden Krankenhaus und auf dieser großartigen Station machen durfte. Ich habe in dieser Zeit viel neues fachliches und wertvolles medizinisch-pflegerisches Wissen gewonnen und mich weiterentwickelt. Ich kann eine solche Erfahrung nur jedem ans Herz legen und bin mir sicher, dort nicht das letzte Mal gewesen zu sein.“ red







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