Freitag, 04.09.2020

Trotz Corona lächelnd in die Schule

Leserbrief

Goslar. Es sind angespannte, von Misstrauen und Unsicherheit gezeichnete Gesichter, die man an diesen Tagen an weiterführenden Schulen erwartet. Dort herrscht seit Schulstart der eingeschränkte Regelbetrieb, sofern man sich politisch ausdrücken will. In Alltagssprache übersetzt bedeutet das: Schüler und Lehrer sollen plötzlich wieder an einem Ort zusammenfinden, an dem täglich hunderte Menschen ein und aus gehen. So auch am Christian-von-Dohm-Gymnasium in Goslar.

Ein Blick in den Biologieleistungskurs von Lehrerin Gabi Klein am Dienstagvormittag. Äußerst zufrieden steht sie vor ihrem Kurs, wie nicht nur ihre Augen, sondern auch das fröhliche Lächeln auf ihren Lippen verrät. Ein Grinsen schenken die Schüler ihrer Lehrerin selbstverständlich zurück. Das klappt sehr gut, denn keine Maske versperrt auch nur ein einziges Gesicht. Ein wenig befremdlich für diese Zeit. Dennoch, oder vielleicht gerade deshalb, ist die Stimmung ausgelassen. Vor lauter ungewohnter Normalität verschwindet die Pandemie langsam aber stetig in den Hintergrund. Zumindest, bis Klein ihre knallige, orangefarbene Maske aufsetzt und sich vorsichtig durch die Reihen ihrer Schülern wagt, um Arbeitsblätter zu verteilen. Da ist er wieder, der Spaßverderber Covid-19. Mit dem werden die Schüler aber ganz gut fertig – sie schicken den Hauch Pandemie mit dem Durchzug geradewegs aus dem Unterrichtsraum hinaus.

Semiha Zahitovic (von links), Donjeta Krasnici und Noemi Awel aus der 9.1 zu Anfang der Pause.

In der Pause verfliegt die anfängliche Sorglosigkeit aber ebenso schnell. Von Sekunde zu Sekunde füllen sich die Gänge mit Schülern, die sich ihren Weg aufs Außengelände bahnen. Was zumindest ein wenig beruhigt, sind die Masken, die alle tragen.

„Es ist komisch, dass in der Pandemie wieder so viele Menschen auf einem Fleck sind“, sagt Donjeta Krasnici aus der 9.1. Sie verbringt die Pause mit ihren Freundinnen Semiha Zahitovic und Noemi Awel. Die Ballung der vielen Schüler ist auch Rektor Martin Ehrenberg ein Dorn im Auge. „Abstand halten gelingt in der Pause nicht zu 100 Prozent“, gesteht er. Lange hätte sich das Kollegium den Kopf darüber zerbrochen, wie Schutzmaßnahmen und Schulbetrieb miteinander zu vereinbaren seien. Maßnahmen werden überall ergriffen, wo es möglich ist, erklärt Ehrenberg. Oberste Priorität hätten jetzt die Masken, die Desinfektion und die Dokumentation aller Sitzplätze und Toilettengänge. Andere Vorkehrungen wiederum sind „fürs Bauchgefühl“, wie Ehrenbergs Stellvertreter Holger Ritzke erzählt. Dazu gehöre beispielsweise das „Einbahnstraßensystem“ inklusive Schilder und Bodenmarkierungen, das seit Anfang der Corona-Krise unkontrollierbare Ansammlungen von Schülern verhindern soll.

Endlich wieder vereint

Wie wichtig es in dieser Zeit ist, sich und andere zu schützen, müssen die Lehrer ihren Schülern aber längst nicht mehr predigen, versichern Ehrenberg und Ritzke.

Das bestätigt auch das Gespräch mit den drei Mädchen aus der 9.1. „Die Situation ist etwas ganz Neues. Sie ist gewöhnungsbedürftig“, beschreibt Semiha Zahitovic in der Pause. Die Masken seien zwar nervig, aber unverzichtbar. Ihre Freundin Noemi Awel stimmt nickend zu. In ihr siegt jedoch eindeutig die Freude, ihre Schulfreunde wiederzusehen, über die Sorge, sich mit dem Virus zu infizieren. „Ich habe es vermisst, viele Leute um mich herum zu haben.“

So geht es auch Leonie Leipelt, Jordy Konjo und Johannes Marks von der Schülervertretung. Sie freuen sich vor allem darüber, endlich wieder durchgehend vor Ort unterrichtet zu werden. Es sei leichter, Fragen zu klären, schön, wieder einen strukturierten Alltag zu haben und außerdem lasse es sich in der Klassengemeinschaft einfach besser lernen. Von Sorgen, zumindest an diesem Tag, noch keine Spur. „Angesichts der geringen Ansteckungsfälle im Landkreis sind wir relativ entspannt“, erklärt Jordy – nicht ahnend, welche ernüchternde Nachricht das Gymnasium Ende der Woche ereilen würde: Ein Ansteckungsfall steht fest, eine sechste Klasse steht jetzt unter Quarantäne. Für den Rest geht es weiter wie gehabt.

„Es ist keine Normalsituation. Aber wir versuchen, so viel Normalität herzustellen wie möglich“, betont Ritzke noch am Dienstag, der zu diesem Zeitpunkt schon eine böse Vorahnung hat: Die Frage, ob er all seine Schüler am nächsten Tag auch wiedersehen würde, sei für ihn stets im Hinterkopf präsent.

Ähnlich geht es Biologielehrerin Gabi Klein. Am Dienstag ist sie heilfroh, ihre Schüler wiederzuhaben. „Aber mal schauen, wie lange das noch so sein wird“, sagt die Lehrerin.









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