Freitag, 07.08.2020

Tomatensaatgut, selbst gewonnen

Der August ist der Monat, in dem im Gemüse- und Obstgarten die Ernte auf Hochtouren läuft. Auch des deutschen Hobby-Gärtners liebstes Kind, die Tomate, bringt jetzt die meisten Früchte hervor. Allerdings war es in diesem Sommer für die Wärme liebende Pflanze zunächst schwierig. Kalte Nächte bis weit in den launischen Juli hinein, ein Hagelsturm im Juni, immer wieder Regentage – dieses Wetter hat mancher Pflanze sogar den Garaus gemacht.

Bei dem Unwetter im Juni hat es zwei meiner Tomatenpflanzen besonders hart getroffen, weil sie zwar an einer Wand, aber genau in Windrichtung standen. Zwar handelt es sich um die Sorte „Balkonzauber“, die ohnehin nicht besonders hoch, sondern eher breit und buschig wächst. Dennoch waren die Blätter so zerzaust, manche Stiele abgeknickt und gerade angesetzte Früchte von den drei Zentimeter dicken Hagelkörnern abgeschlagen worden, dass es Wochen dauerte, bis sich die Pflanzen davon erholt hatten.

Inzwischen habe ich aber die ersten Tomaten schon lange geerntet und daraus auch gleich Samen fürs nächste Jahr entnommen. Bei samenfesten Sorten kann man das jedes Jahr aufs Neue tun, denn die daraus entstehenden Pflanzen bringen garantiert wieder schmackhafte, saftige Früchte hervor. Dazu entnehme ich die Samen übrigens immer aus den Tomaten, die als erste rot werden (oder im Fall der OSU blue oben dunkelblau und unten orangefarben).

Gut im Auge behalten

Das ist einfacher, als man denkt. Es gibt zwar die Methode, die Samen aus der Tomate zu nehmen, in ein Glas mit Wasser und einer Prise Zucker zu geben und alles mit Folie abzudecken, damit keine Fruchtfliegen oder Staub hineinfallen. Diese Methode ist mir aber zu aufwendig, zumal mir auf diese Weise auch schon etliche Gläser verschimmelt sind, wenn ich sie nicht dauernd im Auge behalten habe, um die Samen nach maximal drei Tagen abzuspülen, auf Küchenpapier zu legen, zu trocknen und dann mit Sortennamen und Datum zu beschriften.

Es geht auch ohne Glas

Jetzt mache ich es mir einfach: Die Sache mit dem Glas lasse ich weg. Die mit einem spitzen Küchenmesser aus den in Vierteln geschnittenen Tomaten entnommenen Samen wandern direkt auf ein Stück Küchenpapier zum Trocknen. Im kommenden Jahr werde ich dann die Samen wiederum mit einem spitzen Messer vom Küchenpapier abnehmen und sie aussäen. So beginnt dann der Kreislauf bis zur Ernte von vorne.

Wie erkennt man nun samenfeste Sorten? Mit einem Blick auf die Samentüte. Ist dort kein Hinweis auf Hybridsorten zu finden (auf die Abkürzungen F1, F2 und F3 achten), kann man davon ausgehen, eine samenfeste Sorte zu kaufen. Samen von Hybriden bringen Pflanzen mit anderen Eigenschaften hervor als die Hybride selbst. Denn sie sind das Produkt aus der Kreuzung von zwei auf Perfektion gezüchteten Elternlinien. Ihre Eigenschaften verlieren sich bereits in der nächsten Generation wieder.

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