Donnerstag, 18.04.2019

Tim will lieber Lehrer als Erzieher werden

Leserbrief

Lengde. Vom FSJ-ler im Kindergarten zum Lehramtsstudenten: Das Beispiel von Tim Schwarzbach zeigt, dass es sich bei einem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) nicht um verschenkte Zeit handelt. Der 22-Jährige aus Lengde konnte sich in dieser Zeit orientieren, herausfinden, was ihm Spaß macht und so einen passenden Studiengang finden.

Aber von vorn: Warum hat sich Tim vor vier Jahren dazu entschieden, ein FSJ in einem Kindergarten zu absolvieren? „Natürlich um der Gesellschaft zu dienen“, sagt er ironisch. Vielmehr wusste er aber nicht genau, wo die Reise nach dem Abitur für ihn hingehen soll. Eigentlich wollte er bei der Polizei studieren. Der Test habe aber nicht so gut geklappt, also hatte er zunächst keine andere Option – bis er in einem Supermarkt auf eine FSJ-Stelle in einem Kindergarten aufmerksam wurde.

Ins kalte Wasser geworfen

Wie er erzählt, hatte er auf dem Gebiet vorher keine Erfahrungen, hat weder als Babysitter gearbeitet, noch auf jüngere Geschwister aufgepasst. Also wurde Tim direkt ins kalte Wasser geworfen, worauf er sich aber auch freute. „Am Anfang war es noch ziemlich entspannt, die im Kindergarten mussten auch erst einmal gucken, wen die sich da ins Haus geholt haben“, erzählt der 22-Jährige. Außerdem wäre er nicht als Erzieherersatz eingestellt worden, sondern als zusätzliche Hilfskraft.

Am Anfang habe er in der Krippe, wo sein Hauptarbeitsplatz war, vor allem kleinere Aufgaben übernommen. „Die Kinder waren zwischen einem halben und drei Jahre alt. Ich habe beispielsweise beim Zähneputzen oder beim Essenverteilen geholfen“, sagt Tim. Nach sechs Monaten – einer Zeit, in der er sich beweisen konnte – habe er aber mehr Verantwortung anvertraut bekommen. „Man kann fast sagen, dass ich alles gemacht habe wie die anderen Erzieher.“ Dazu gehörte beispielsweise auch die Eingewöhnung neuer Kinder.

Viel Verantwortung

Im Nachhinein ist Tim gespaltener Ansicht darüber, dass er als FSJ-ler so viel Verantwortung übernehmen konnte. „Bei mir hat es gut funktioniert. Ich war nie überfordert oder von der Verantwortung erschlagen. Ich habe alles unter Aufsicht von anderen Erziehern gemacht“, erklärt er. Auch wenn er sich nicht selbst loben will, weiß er allerdings nicht, ob diese Methode bei anderen FSJ-lern auch so gut klappt.

Und wie hat er sich gefühlt als Mann in einem Kindergarten? Es gibt männliche Erzieher, die von dem Vorwurf berichten, dass sie den Kontakt zu den Kindern angeblich nur ausnutzen würden. „Von solchen Vorurteilen habe ich nichts gemerkt“, sagt er. Tim wurde nicht anders behandelt als seine Kolleginnen. In dem Kindergarten waren aber auch noch andere Männer angestellt. So sei es nichts Besonderes gewesen. „Es wäre vielleicht anders gewesen, wenn ich als einziger Mann da gearbeitet hätte“, überlegt Tim.

Während seines Freiwilligen Sozialen Jahres hat er immer wieder über seine Zukunft nachgedacht. Weil er viel Spaß bei der Arbeit mit den Kindern hatte, kam ihm natürlich in den Sinn, Erzieher zu werden. Doch diesen Gedanken hat er verworfen. „Ich habe mein Abi gemacht“, sagt der Lengder. Deswegen wollte er auch die Chance ergreifen, zu studieren.

Geringes Gehalt

Hinzu käme das geringe Gehalt. Tim findet es schade, dass die sozialen Berufe unter der schlechten Bezahlung leiden. „Das Interesse bei den Leuten ist zwar da. Aber sie wollen ja auch, dass finanziell etwas rumkommt. Und dann überlegen sie, ob sie diesen Weg einschlagen“, erklärt Tim eine mögliche Ursache des Erziehermangels. Oft werde noch nicht einmal die Ausbildung vergütet. „Das steht einfach in keinem Verhältnis.“ In der Einrichtung, an der er sein FSJ absolviert hat, habe er vom Erziehermangel nicht so viel mitbekommen, „aber in den Medien und an der Uni hört man viel darüber“, sagt er. Nachdem Tim sein FSJ beendet hatte und er noch einige Zeit als Krankenvertretung in der Einrichtung gearbeitet hatte, hat es ihn dann doch an die Universität gezogen. Er entschied sich dazu, Grundschullehramt mit der Fächerkombination Deutsch und Religion zu studieren. Mit älteren Kindern hatte er nämlich auch während seines FSJ zu tun. Morgens betreute er die Kleinen aus der Krippe und mittags kamen größere Kinder zum Hort. Denen half er unter anderem beim Hausaufgabenmachen, erzählt er.

Die ersten Semester studierte er in Flensburg, aber weil er näher bei seiner Familie und seiner Freundin sein möchte, nahm er im vergangenen Jahr das Studium an der Braunschweiger Universität auf. So muss er auch in seiner beruflichen Zukunft nicht auf die Arbeit mit Kindern verzichten.








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