Freitag, 15.05.2020

TikTok: Vom Kinderzimmer in die Welt

Leserbrief

Lisa und Lena sind zurück! Zweieinhalb Millionen Follower, fünf Millionen Likes für ihren Comeback-Clip zu „Guess who‘s back“ von Eminem – in nur 24 Stunden. TikTok hat die Zwillinge nicht vergessen. Moment! Lisa und Lena? An wem die Namen der Schwestern bis dato vorbeigegangen sind: willkommen zum Einmaleins der sozialen Medien.

Wobei der Begriff der App TikTok nicht gerecht wird. Eine Funktion für private Nachrichten existiert zwar, Hauptaugenmerk der Plattform liegt jedoch auf dem veröffentlichen von Videos. Genauer: 15 bis 30 Sekunden lange Clips, in denen die Nutzer meist singen (beziehungsweise lipsyncen, also nur „mitsprechen“) oder tanzen. Das ganze wird mit Musik unterlegt und geteilt. Wie auch bei Facebook oder Instagram können andere die Beiträge danach liken, teilen oder kommentieren. TikToks Besonderheit dabei: All das passiert global. Zwar gibt es die Möglichkeit, einzelnen Kanälen zu folgen: Freundeslisten, auf die sich die Posts beschränken ließen, existieren allerdings nicht.

Riesige Reichweite

Die App ist die bekannteste Plattform der sonst hauptsächlich in Asien aktiven, chinesischen Firma ByteDance. 2018 wurde TikTok der offizielle Nachfolger des ähnlich aufgebauten Portals musica.ly. Auf diesem begann auch die Karriere der Zwillinge Lisa und Lena. Die beiden begannen (zunächst noch auf getrennten Profilen) bereits 2015, Clips hochzuladen. Zu dem Zeitpunkt waren die beiden gerade13 Jahre alt. Zwischen 2017 und 2019 war lisaandlena der Account mit den meisten Followern – weltweit. Zwischenzeitlich waren es rund 32 Millionen: eine Reichweite, von der Profile deutscher Prominenter nur träumen können.

Statista zufolge waren bei TikTok 2019 mehr als 800 Millionen Nutzer weltweit registriert – in Deutschland waren in der App im vergangenen Jahr fünfeinhalb Millionen Menschen täglich aktiv. Im Februar diesen Jahres wurde sie rund 110 Millionen mal heruntergeladen – nur Zoom, eine Plattform, die ähnlich wie Skype Videokonferenzen ermöglicht, war noch gefragter. Der größte Teil der Nutzer ist dabei jünger als 20 Jahre.

Die sehr junge Zielgruppe ist einer der zahlreichen Bedenken, die sowohl Elternverbände, als auch Datenschützer zu TikTok äußern. Als Antwort auf die Kritik passten die Entwickler zu Beginn des Jahres einige Funktionen an: Nun muss man etwa mindestens 16 sein, um Direktnachrichten nutzen zu können. Lisa und Lena begründen auch mit dieser Reaktion auf Kritik ihre Rückkehr zur App. Wie bei anderen sozialen Medien auch verhallen die Bedenken besorgter Eltern, Lehrer oder Datenschützern auf Dauer ohnehin meist.

Jugendliche brauchen schlichtweg Räume, in denen sie unter sich sein können – Platz für Jugendkultur eben. In der Krise bietet TikTok zudem einen direkteren Zugang zur Welt, als jedes andere Medium– auch für Lisa und Lena, die weltbekannten schwäbischen Zwillinge.








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