Donnerstag, 21.06.2018

Starke Schweden mit Stinkefisch

Nach dem versemmelten Auftakt gegen Mexiko geht es nun gegen Schweden. Die Spielstatistik bringt mich da nicht weiter. Bisher gab es 38 Partien, 15 gewann Deutschland, 15 Schweden, der Rest endete unentschieden. Das letzte Duell, ein Sieg für Deutschland, liegt allerdings schon fünf Jahre zurück. Also keine Hilfe für mich. Ich muss mich bei meiner Prognose wieder auf den Geschmack verlassen.

Schweden, ein schönes aber kulinarisch doch etwas merkwürdiges Land. Als Normaldeutscher wird man mit der schwedischen Küche - oder das, was man dafür hält, ja hauptsächlich über ein großes Möbelhaus vertraut gemacht. Die Würstchen mit den diversen Toppings sind dort recht lecker, die Köttbullar, diese komischen Klopse, eher Geschmacksache und definitiv nicht mein Geschmack.

Die Kündigung droht

Aber wer mag schon Surströmming, den seltsamen Stinkefisch, den die Schweden so lieben? Da der in Salzlake eingelegte Fisch zu gären anfängt, ist allein das Öffnen der Konservendose schon lebensgefährlich. Das modernde Zeug steht unter mächtigem Druck und kann einem tatsächlich um die Ohren fliegen. Die Beschreibung und diverse Filmberichte haben mir gereicht. Diese landestypische Spezialität möchte ich nicht wirklich probieren. Surströmming (Saurer Hering) kann einem in Deutschland sogar eine fristlose Kündigung der Wohnung einbringen. Zu Weihnachten 1981 verspritzte eine Mieterin absichtlich im Treppenhaus Surströmming-Brühe. Ihr Mietvertrag wurde fristlos gekündigt. Das Landgericht Köln bestätigte die Kündigung, nachdem in der mündlichen Verhandlung eine Dose Surströmming sozusagen fürs Geruchsprotokoll geöffnet worden war, lässt sich in den Akten nachlesen.

Wegen der Explosionsgefahr soll der Transport von Surströmming-Dosen auf Flügen von British Airways ausdrücklich verboten sein. Kenner des Fischgerichtes geben noch folgende Verzehrtipps: Das Öffnen der Dose und der Verzehr des Surströmmings sollten draußen im Garten stattfinden. Gummihandschuhe sind hilfreich. Um das Chaos in Grenzen zu halten, kann die Dose alternativ in einem Eimer voll mit Wasser, also unter Wasser geöffnet werden. Nicht zu viel auf einmal davon essen, sonst muss man sich übergeben. Na, wenn ich so etwas lese – wohl bekomm’s. Was sagt uns das über die schwedischen Fußballer: Die müssen hart im Nehmen sein, was den Magen angeht. Sie scheuen keine Gefahr, zumindest nicht beim Dosenöffnen.

Ohne Nervensäge

Schweden ist ein unbequemer Gegner, nie ungefährlich und immer für eine Überraschung gut. Immerhin haben die Schweden in den WM-Play-offs Italien ausgeschaltet. Vorteil für uns, Schwedens Stürmerstar und Dauernervensäge Zlatan Ibrahimovic spielt, trotz aller möglicher Orakelei vor der WM, nicht mit. Da müsste es doch zu machen sein, dass wir die bisher ausgeglichene Bilanz zu unseren Gunsten verschönern. Außerdem – es bleibt uns gar nichts anderes übrig. Sonst können wir nach Hause fahren.