Freitag, 13.04.2018

Standing Ovations und Buh-Rufe

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Was war das denn am Donnerstagabend? Mit seiner Ansage gegen Farid Bang und Kollegah polarisierte der „Toten Hosen“-Frontmann Campino bei der Echo-Verleihung. Damit äußerte er sich auf der Berliner Veranstaltung als einziger Künstler zu den Antisemitismus-Vorwürfen der Skandal-Rapper.

Als Campino auf die Bühne ging, um den Echo für seine Band entgegen zu nehmen, kramte er Notizzettel aus seiner Hosentasche. Statt eine Dankesrede zu halten, trug er mit zitternder Hand seine Zeilen vor: „Im Prinzip halte ich Provokation für gut und richtig.“ Für ihn sei aber eine Grenze überschritten, wenn Texte frauenfeindlich oder diskriminierend gegenüber religiösen oder ethnischen Gruppen seien.

Seine Kritik bezog sich auf den Song „0815“, in dem Farid Bang rappt, sein Körper sei „definierter als von Auschwitzinsassen“. Der Ethikrat des Echo-Awards wurde sogar eingeschaltet, hat letztlich aber entschieden, dass die Rapper trotz Antisemitismus-Vorwürfen nominiert bleiben dürfen. Auf die Fragen „Wie weit dürfen Kunst und Meinungsfreiheit gehen und wann ist die moralische Schmerzgrenze erreicht?“ erntete der Sänger Standing Ovations vom Publikum.

Da zu einer Diskussion zwei Seiten gehören, durften sich die Rapper gleich dazu äußern. Ungewohnt diplomatisch verwies Kollegah auf die After-Show-Party, weil er hier keine politische Debatte führen wolle. Man sollte meinen, damit wäre die Diskussion gegessen – nein, denn die Rapper haben tatsächlich einen Echo gewonnen.

Als sie den Preis entgegennahmen, äffte Kollegah Campino zitternderweise nach und wetterte gegen ihn. Er präsentierte sogar eine Campino-Karikatur mit Heiligenschein. Dazu sagte er, dass sich der Frontsänger als moralische Instanz aufgespielt habe und dass das einem so großen Musiker nicht gebühre.

Für seine Worte erntete der Rapper Buh-Rufe und Pfiffe vom Publikum. Da die Menge mit Campino mitfühlte und viele seine Ansicht teilten, wäre es wünschenswert gewesen, wenn sie sich auch dazu geäußert und Stellung bezogen hätten.

Dieser Eklat der beiden Fronten hüllte einen negativen Schatten über die 27. Echo-Verleihung und ließ die Musik, die eigentlich im Vordergrund stehen sollte, und die anderen Künstler nebensächlich wirken. So war es auch egal, dass Mark Forster endlich seinen ersten Echo gewonnen hat, Helene Fischer bereits ihren 17. und Wincent Weiss als bester Newcomer ausgezeichnet wurde. Eure Corinna







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