Montag, 04.12.2017

Sprache kann Menschen unsichtbar machen

Leserbrief
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Britta Schweigel, Clausthal-Zellerfeld, zum Artikel „Kritik an der GZ: Sprache benachteiligt Frauen“ (GZ vom 21. November 2017/Eingang: 28. November 2017)

Sprache ist vom Denken geprägt und Sprache prägt das Denken. Zugleich ist Sprache die Grundlage jeglicher gesellschaftlichen Interaktion. Sie prägt gleichermaßen die psychische Struktur des Menschen und die (Selbst-)Definition des Individuums wie auch der Gesellschaft. Damit sind die Sprache und ihr Gebrauch ein entscheidender Faktor für die Realisierung von Gleichstellungsbemühungen, wobei insbesondere der Personenreferenz inklusive des großen Bereichs der Amts- und Berufsbezeichnungen zentrale Bedeutung zukommt. Die Erkenntnis der Wichtigkeit von Sprachfragen für die Gleichstellung findet ihren Niederschlag in Gesetzen und Verordnungen - beispielgebend ist das Nds. Gesetz zur Förderung der Gleichstellung der Frau in der Rechts- und Verwaltungssprache (Nds. GV. 1989, S. 50)

Sprache kann Menschen oder Gruppen von Menschen sichtbar oder unsichtbar machen. Die explizite Erwähnung von männlichen und weiblichen Personen ermöglicht es uns, im Gedächtnis Informationen zu aktivieren, die auf die jeweilige Personengruppe bezogen sind. Wenn wir von „Ärzten und Ärztinnen“ sprechen, sehen wir mental also tatsächlich Männer und Frauen in weißen Kitteln.

Welches Bild haben Sie aber im Kopf, wenn Sie den Satz hören: „Die Arbeitsbelastung von Chirurgen ist hoch.“ Sind die Personen männlich oder weiblich?

Die Selbstverständlichkeit, mit der männliche Dominanz in der Sprache hingenommen und die Vehemenz, mit der sie verteidigt wird, irritieren mich, weil mir Gerechtigkeit eben auch in der Sprache ein Anliegen ist. Die Debatte ist jedenfalls angestoßen – nun muss die Praxis folgen. Wahrscheinlich jedoch, wie die Linguistin Luise F. Pusch sehr richtig bemerkt: „Alles zu seiner Zeit. Nicht zu ihrer.“








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