Sonntag, 07.04.2019

Sichtschutz im Garten: Welcher ist der Richtige?

Wenn demnächst die Freilandsaison im Garten beginnt, sind Sitz- und Ruheplätze zwischen blühenden Pflanzen wieder sehr beliebt.

Beim abendlichen Grillen oder dem sonntäglichen Kaffeetrinken möchte man sich allerdings nicht gerne vom Nachbarn „auf den Teller gucken“ lassen, auch wenn das Verhältnis noch so gut ist. Ein Sichtschutz muss also her.

Und da gibt es unübersehbar viele Möglichkeiten – von schnellen und preiswerten Lösungen bis zu dauerhaften Bauwerken, die größere Investitionen erfordern. Ich persönlich habe einfach Schilfmatten gekauft und diese mit verzinktem Draht am vorhandenen Maschendrahtzaun befestigt. Diese Lösung ist halbtransparent und an einem Nachmittag fertig. Die Matten schützen nicht nur mich vor unerwünschten Blicken, sondern auch die Pflanzen vor kalten Nordwinden. Auf dem Beet vor den Matten wachsen einige Gehölze und an Rankhilfen ein Geißblatt und eine Clematis viticella. Nachteil der Schilfmatten: Sie sind nach einigen Jahren von Wind und Wetter zerbröselt, so dass ich sie erneuern muss.

Eine andere Möglichkeit, Sichtschutz zu schaffen, sind Spaliere und Rankhilfen für Kletterrosen und die schon erwähnten Rankpflanzen. Davon gibt es welche, die in jedem Jahr neu austreiben, aber auch welche, die nur einen Sommer leben. Zu diesen Einjährigen zählen etwa die Himmelblaue Prunkwinde (Ipomoea tricolor), die Schönranke (Eccremocarpus scaber) aus Chile, die Schwarzäugige Susanne (Thunbergia alata) aus Südostafrika und das Kletternde Löwenmaul (Maurandya scandens) sowie die Glockenrebe (Cobaea scandens) aus Mexiko. Eigentlich sind alle mehrjährige Pflanzen, sie sind aber nicht frosthart und werden deshalb bei uns nur einjährig kultiviert. Eine echte Einjährige ist dagegen die Duftwicke (Lathyrus oderatus). Sie stirbt zum Ende der Vegetationsperiode ab. Die Einjährigen sind besonders für Gärten geeignet, die neu angelegt werden. Sie füllen zuverlässig Lücken, die später von dauerhaften hohen Stauden oder Gräsern oder von Hecken eingenommen werden sollen. Die Einjährigen kann man schon ab März im Haus aus Samen vorziehen, die meisten gibt es aber als Pflanzen auch im Fachhandel zu kaufen.

Wer eine beständige Lösung sucht, der sollte sich Gedanken darüber machen, ob es eine Pergola über dem Sitzplatz (berankt mit wildem Wein oder Weinreben, Blauregen oder Efeu), ein hoher Zaun an der Grundstücksgrenze oder ein ummauerter Sitzplatz sein soll. Wer Mauern oder Zäune bauen oder Hecken an der Grundstücksgrenze pflanzen möchte, muss das niedersächsische Bau- und das Nachbarschaftsrecht beachten. Zäune und Mauern an der Grundstücksgrenze dürfen nicht höher als 1,80 Meter sein. Das gilt übrigens auch für Matten aus Schilf oder Weide sowie für textile Zaunbespannungen. Auch Hecken dürfen nicht höher sein und müssen zudem in mindestens 50 Zentimeter Abstand von der Grenze aus gesetzt werden.

Die zulässige Höhe wird vom „gewachsenen Grund“ aus berechnet. Das bedeutet: Liegt der Boden des Nachbargrundstückes tiefer als der des eigenen, muss vom Nachbargrundstück aus gemessen werden. Das kann dazu führen, dass Zaun, Mauer oder Hecke bei einem Maß von unter 1,80 Metern landen – vom eigenen Grundstück aus gesehen. Mauern dürfen nicht das ganze Grundstück umfassen, wenn das nicht „ortsüblich“ ist. Was in den meisten Fällen gilt. Natürlich kann man sich mit den Nachbarn auch auf andere Maße und Bebauungen einigen. Wenn dann aber das Nachbargrundstück verkauft wird, gelten wieder die gesetzlichen Bestimmungen, falls der neue Nachbar das wünscht.

Besonders gut überlegen sollte man sich, ob man schnell wachsende Kletterer wie Knöterich, oder mit den Jahren sehr schwer werdende Gewächse wie Blauregen, Wein oder Efeu setzen möchte. All diese Pflanzen sollten regelmäßig beschnitten werden. Zudem breiten sich Efeu und Knöterich auch durch Wurzelausläufer mächtig aus.

Eine weitere Alternative sind hoch wachsende Gräser, von denen es zahlreiche horstig wachsende Arten gibt, die auch in einem kleinen Garten eine gute Figur machen. Beliebt sind etwa die Chinaschilfsorten (Miscanthus sinensis) oder Säulen-Rutenhirse (Panicum virgatum). Auch der Federmohn (Macleaya cordata) ist ein schöner Blickfang und zugleich ein guter Schutz gegen unerwünschte Zuschauer.

Wer viel Geduld hat, kann auf langsam wachsende Pflanzen als Sichtschutz zurückgreifen. Immergrüne Schnitthecken aus Liguster (Ligustrum vulgarum) oder Eibe (Taxus baccata) wachsen langsam und dicht. Buchsbaum (Buxus sempervirens) wäre auch geeignet, wird aber seit einigen Jahren vom Buchsbaumzünsler heimgesucht und binnen kürzester Zeit vernichtet. Wer also nicht ständig mit der Chemiespritze hantieren will, sollte besser auf Eibe, Ilex (Ilex aquifolium) oder japanische Heckenmyrte zurückgreifen.

Von den Laub abwerfenden Hecken ist besonders die Hainbuche (Carpinus betulus) beliebt, auch weil im Winter das rotbraune Laub zum Teil an den Zweigen haften bleibt. Allerdings ist die Hainbuche ein Birkengewächs. Wer also allergisch auf Birkenpollen reagiert, sollte sich für eine andere Pflanze entscheiden. Geeignet sind unter anderem Feldahorn (Acer campestre) und Rotbuche (Fagus sylvatica) und die rotblättrige Blutbuche (Fagus sylvatica var. purpurea).

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