Freitag, 10.11.2017

Sichtschutz aus duftenden Blättern statt Gardine

Freunde der mediterranen Küche haben oftmals im Sommer Basilikum, Rosmarin und Co. auf der Terrasse oder dem Balkon in Töpfen und Kübeln stehen, um stets mit frischen Blättern für die Küche versorgt zu sein. Doch was, wenn der Winter naht? Wegwerfen und im Frühjahr neu kaufen? Oder doch lieber versuchen, die Pflanzen im Haus zu überwintern?

Relativ einfach ist es, die duftenden Lieblinge durch den Winter zu bringen, wenn ein Gewächshaus oder ein Wintergarten zur Verfügung steht. Beide sind hell und kühl genug. Im beheizten Wohnzimmer oder in der Küche aber ist das unvergleichlich schwieriger. In der Wärme fangen die Pflanzen schnell an zu darben, Läuse und andere Schädlinge haben dann einfaches Spiel. Und selbst ein nach Süden zeigendes Fenster ist meist zu dunkel für die Pflanzen, weil die Sonne bei uns im Winter zu tief steht. Ich habe deshalb die Gardinen, die im Sommer die Sonne abhielten, abgenommen, damit der Basilikum das wenige Licht optimal nutzen kann. Denn die Pflanzen, die ich im vergangenen Jahr schon gekauft hatte und die den Sommer im Gewächshausbeet verbracht haben, hatten sich zuletzt so prächtig entwickelt, dass ich sie ausgegraben, wieder in Töpfe mit neuer Erde gesetzt und in den Küchenfenstern verteilt habe. Jetzt habe ich statt einer Stoffgardine einen Sichtschutz aus grünen Blättern am Esstisch.

Eigentlich sterben ja gerade die einjährigen Basilikumpflanzen ab, wenn sie geblüht haben, weshalb sich überall im Internet der Rat findet, diese Pflanzen nicht zu überwintern. Es lohne einfach nicht. Wenn man aber darauf achtet, die Knospen immer gleich auszubrechen, entwickelt sich auch einjähriger Basilikum (das ist der, den man überall im Kräuterregal in den Supermärkten findet), zu kräftigen, verholzenden Sträuchern. Einjähriger Basilikum ist am empfindlichsten, wenn es kalt wird. Strauchbasilikum ist mehrjährig und kann den Winter über (um etwa die Hälfte zurückgeschnitten) bei 0bis 5 Grad Celsius überstehen. Er kann auch relativ dunkel stehen.

Rosmarin ist selbst im Beet nur bedingt frostfest, auch wenn einige neue Sorten als kältetolerant angeboten werden. Das wohlriechende Küchenkraut sollte sicherheitshalber vor dem ersten Frost in ein Gefäß gepflanzt und hell und frostfrei aufgestellt werden. Das geht auch im unbeheizten Treppenhaus oder im kühlen Schlafzimmer.

Mit dem Gießen sollte man im Winter bei allen Kübelpflanzen sparsam sein, denn durch die kühlen Temperaturen und vor allem wegen der Dunkelheit wachsen sie kaum noch.

Die Zitronenverbene ist, wenn sie aus Stecklingen gezogen wurde, ziemlich robust und verträgt kurzfristig bis zu -10 Grad Frost. Sicherheitshalber sollte man sie aber stark zurückschneiden und lieber drinnen aufstellen. Dabei kann sie gut und gerne sogar auf dem dunklen Speicher oder im Keller stehen. Sie treibt im Frühling wieder aus. Die beim Schnitt anfallenden Blätter lassen sich unkompliziert trocknen und geben Kräutertees eine frische Note. Auch meine im Topf stehende Weinraute habe ich bereits etwa handbreit über dem Erdballen abgeschnitten und ins Gewächshaus gestellt. Würde sie im Beet wachsen, müsste ich sie nicht schneiden, sondern nur mit Mulch und Vlies schützen. Aber im Gewächshaus ist wenig Platz, und da sie den Rückschnitt nicht übel nimmt, muss sie jedes Jahr im Herbst „dran glauben“. Übrigens heißt die Weinraute auch Amarettokraut, denn wenn man einige Blätter mit heißem Kaffee übergießt, bekommt dieser eine deutliche Amarettonote.

Im Sommer hatte ich auf dem Goslarer Wochenmarkt erstmals einen kleinen Topf mit Currykraut erstanden. Das pflanzte ich dann ins Hochbeet, wo es so sonnig und warm stand, wie es diesen Sommer möglich war. Doch jetzt habe ich es ausgegraben und in einen Topf mit frischer Erde gesetzt, der bei den anderen Kübelpflanzen im Gewächshaus seinen Platz gefunden hat. Denn das Kraut ist nur mäßig winterhart. Wer es draußen auf dem Beet überwintern möchte, sollte den Strauch gut schützen, etwa mit Jutesäcken, einer doppelten Lage Vlies, Laub, Reisig oder Stroh.

Um Salbei, Majoran, Thymian und Oregano sowie auch um Heiligenkraut oder Ysop muss man sich, wenn sie im Beet stehen, keine Sorgen machen. Auch wenn diese Kräuter aus dem Mittelmeerraum stammen, sind sie winterhart. Aber wenn sie im Topf oder Kübel stehen, ist spätestens bei 0 Grad Celsius auch für sie Schluss mit lustig. Packen Sie also die Gefäße am besten warm ein mit Kokosmatten oder Noppenfolie und Jutesäcken. Falls Sie genügend trockenes Laub im Garten haben, können Sie den Kräutertopf in einen größeren Topf oder Korb stellen und den Zwischenraum mit Laub auffüllen. Das schützt gegen Kälte und verhindert große Temperaturschwankungen zwischen sonnigen Tagen und frostigen Nächten. Stellen Sie die Gefäße auf Holzklötze oder eine Styropor- oder Kokosmatte. Das hält Frost von unten fern.

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