Mittwoch, 26.09.2018

Schocktherapie für leichtsinnige Schüler

Leserbrief

Goslar. Die Fakten sind alarmierend: Unter den Autofahrern sind die18- bis 24-Jährigen am stärksten unfallgefährdet. Jeder fünfte Verletzte oder Getötete gehörte 2016 zu dieser Altersgruppe. Die Zahl der Unfälle unter dem Einfluss berauschender Mittel stieg zudem um etwa zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr an.

Am Präventionstag „Stay alive“ beschäftigten sich rund 100 Schülerinnen und Schüler aus dem Landkreis mit der Frage: „Was passiert, wenn man unter Alkohol- und Drogeneinfluss in einen schweren Verkehrsunfall gerät?“ Experten können meist noch so spannende Vorträge halten, aber um die Jugendlichen wirklich emotional zu erreichen, müssen sie zu Betroffenen werden.

Und das wurden die Schüler in den Asklepios-Harzkliniken in Goslar: Um einen realistischen Verkehrsunfall zu simulieren, schlüpften ein paar Jugendliche in die Rolle der Schwerverletzten. Sie wurden sogar professionell geschminkt.

Als Unfallopfer geschminkt

Luca Warnecke war einer von ihnen. Innerhalb von zehn Minuten wurde der 15-Jährige mit etwas Wachs und Kunstblut in ein Unfallopfer verwandelt, wie man es sonst meist nur aus dem Fernsehen kennt. Er saß auf dem Beifahrersitz und war mit zwei Freunden unterwegs, mit denen er zuvor Drogen und Alkohol konsumiert hatte. Die zuschauenden Jugendlichen sollten sich vorstellen, dass sich das Auto fünfmal überschlagen hätte, bis es endlich zum Stehen kam. Von da an waren sie mitten ins Unfallgeschehen involviert. Sie mussten Erste Hilfe leisten und das Opfer versorgen, bis die Rettungssanitäter eintrafen. Doch der Krankenwagen war nur der erste Teil der Rettungskette.

Während des Projekttages bekamen die Schüler ebenfalls einen Einblick in den Schockraum, das „Herz der Notaufnahme“, wie der Chefarzt Thomas Peterson ihn nannte. Der Unfallchirurg erklärte den Jugendlichen an einem weiteren lebenden Objekt, wie die Ärzte alles versuchen, das Leben ihrer Patienten zu retten.

Kompakter Erste-Hilfe-Kurs

Wie jeder selbst zum Retter werden kann, erfuhren die Schüler in einem kompakten Erste-Hilfe-Kurs. Trotz Unsicherheiten und mit wenig Vorkenntnissen kann jeder als Ersthelfer einspringen. Man könne nur etwas falsch machen, wenn man nicht eingreift, sagten die Experten.

Den Schülern wurde aber auch vor Augen geführt, dass für Unfallopfer manchmal jede Hilfe zu spät kommt. Dann bleibt den Hinterbliebenen nur noch die Möglichkeit, sich von einem geliebten Menschen zu verabschieden. Die Teilnehmer bekamen eine Führung durch den Andachtsraum im Goslarer Krankenhaus.

Dieser Besuch hinterließ bei vielen Jugendlichen ein mulmiges Gefühl (siehe Bericht unten). Schließlich will sich niemand seine Eltern vorstellen, wie sie von dem eigenen Kind Abschied nehmen müssen, weil es eine berauschte Fahrt nicht überlebt hat. Der Präventionstag hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen.








Weitere Topthemen aus der Region:
  • Junge Szene
    Melodische Metal-Klänge im Jugendzentrum
    Mehr
  • Junge Szene
    YouTube-Kanal eröffnen
    Mehr
  • Bad Harzburg
    Mit warmen Füßen in die kalte Zeit
    Mehr
  • Bad Harzburg
    Emanzipierte Gottesanbeter und hessische Welthits
    Mehr
  • Goslar
    Über den Wolken und in bunten Wäldern
    Mehr