Freitag, 19.06.2020

Sängerin Lea im Interview: „Diese Liebe war sehr toxisch“

Leserbrief

Lea, mit vollem Namen Lea-Marie Becker, ist 27 Jahre alt und hat in den vergangenen Jahren eine erstaunliche Entwicklung hingelegt. 2016 veröffentlichte sie ihr Debütalbum „Vakuum“, das zwei Jahre später erschienene „Zwischen meinen Zeilen“ (mit dem Hit „Leiser“ drauf) steht immer noch in den deutschen Charts. Nun macht Lea auf dem dritten Album „Treppenhaus“ mit dem weiter, was sie auszeichnet: mit melancholischen und aufrichtigen Geschichten, verpackt in unaufdringliche wie einnehmende Popsongs. Junge-Szene-Autor Steffen Rüth hat mit ihr gesprochen.

Lea, „Wo ist die Liebe hin?“ hieß dein allererstes Lied. Du hast dich also auch als Teenager schon mit Beziehungsfragen beschäftigt.

Lea: Ja. Das Zwischenmenschliche in seinen ganzen Schattierungen war für mich immer das spannendste überhaupt. Auch nach Millionen von Liedern über die Liebe und über Beziehungen gehen einem die Themen nicht aus, weil man immer wieder einen neuen Blickwinkel findet. Songs zu schreiben hilft mir, mich mit den Fragen, die ich mir im Leben stelle, auseinanderzusetzen, und dazu gehören halt auch oft Beziehungsfragen. Würde ich keine Musik machen, hätte ich sicher ein Tagebuch.

Man sieht dich in der TV-Show „Sing meinen Song“, die aktuell läuft und bei der du dabei bist, nicht weinen. Viele andere heulen ständig.

Das stimmt. Ich habe nicht geweint. Es gab aber ganz krass emotionale Momente, in denen ich sehr ergriffen war. Wir waren eine supertolle Truppe, da hätte wirklich keiner fehlen dürfen. Wir sind uns alle sehr nah und sehr eng verbunden gewesen.

Auch im Song „Treppenhaus“ geht es um eine enge Verbindung, aber eine, aus der du dich lösen möchtest, es aber nicht schaffst. Inspiriert von wahren Begebenheiten?

Ja. Logisch. Die Beziehung ist schon eine Weile her und hat mir auch vorher schon Stoff für den einen oder anderen Song geliefert. Diese Liebe war sehr toxisch und hat mir nicht gutgetan.

Wie beendet man eine solche Beziehung, die nicht gut für einen ist, von der man aber nicht loskommt?

Alles braucht seine Zeit. Das Schwierige ist diese Phase, in der man sich nicht eingestehen will, dass es vorbei ist. Am Ende hilft mir, radikal zu sein, alle Chats, alle Fotos zu löschen. Damit schütze ich mich und versuche, mich vom Negativen abzugrenzen.

Okay“ ist ein Lied über die Selbstliebe. Wie lässt sich das Verhältnis zu sich selbst verbessern?

Indem ich versuche, ehrlich zu mir zu sein und vor Gefühlen nicht wegrenne, sondern mich ihnen stelle. Was für mich sehr wichtig ist, sind Social-Media-Pausen. Das Internet kann ein krasser Stressfaktor sein, der mich von mir selbst wegbringt. Weil ich oft das Gefühl habe, ein Bild von mir aufrechterhalten zu müssen, dem ich nicht immer gerecht werden kann. Ich versuche, da eine gute Balance zu finden. Ich poste zum Beispiel nur Sachen, die mit meiner Musik zu tun haben und versuche, das Privatleben zu schützen.

Bist du froh, kein Teenager mehr zu sein?

Ja, ich würde absolut nicht mit denen tauschen wollen. Die Kids gehen davon aus, dass man alles teilen muss und alles zeigt. Jeder ist ständig online und beurteilt die anderen permanent, steckt sie in Schubladen. Man hat schnell das Gefühl, man kennt die Leute, aber das ist einfach nicht der Fall. Ich habe jedenfalls größten Respekt vor den Eltern, die heute Kinder erz

„Elefant“ ist ein Lied über deine Eltern, „Sylt 98“ thematisiert die Beziehung zu deiner Schwester. Wie wichtig ist dir eigentlich das Verhältnis zu deiner Familie?

Wahnsinnig wichtig. Meine Eltern waren immer für mich da und haben mir sehr vieles von dem beigebracht, was ich für mein Leben brauche. Und meine Schwester und ich, wir sind gegenseitig unsere wichtigsten Menschen im Leben. Sie ist anderthalb Jahre älter, wir standen uns immer sehr nah und egal, um was es ging, sie war immer mein großes Vorbild. Ich habe immer geschaut „Wie macht meine Schwester das“, und dann habe ich es ähnlich gemacht.

Du singst „Immer, wenn du bei mir bist, ist es so wie Sylt 98“. Was ist dort passiert?

Gar nichts, das ist ja das Schöne. Wir hatten eine federleichte, wunderschöne Kindheit. Im Sommer sind wir immer Zelten gegangen, in Kroatien, Italien und auf den deutschen Inseln. 1998 auf Sylt war ich 6 und sie 7 oder 8. Es war einfach herrlich.

Du selbst bist vor zwei Jahren von Hannover nach Berlin gezogen. Wie lautet denn dein Zwischenfazit?

Ich habe es nicht bereut. Ich finde Berlin total toll, weil hier so viele Kulturen miteinander leben. Ich bin bewusst nach Neukölln gezogen, weil es wohl kaum ein Viertel gibt, in dem die Menschen unterschiedlicher sind als hier. Diese Vielfalt. ist für mich eine große Bereicherung. Jeden Tag entdecke ich etwas Neues.

Für den Miner‘s Rock kommt Lea nächstes Jahr auch nach Goslar! Am 13. August 2021 tspielt sie im Weltkulturerbe Rammelsberg ein Open-Air-Konzert. Tickets könnt ihr online unter www.regiolights.de kaufen.









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