Dienstag, 07.07.2020

Rosmarin „trinkt“ Morgentau, Lauch will es frisch

Auch wenn ich schon seit 2002 einen Garten mein eigen nennen kann und inzwischen viel gelernt habe über die Bedürfnisse von Pflanzen, so komme ich doch nie ohne das eine oder andere Problem(chen) durch das Jahr. Derzeit hat mein Rosmarin – ich habe zwei ansehnliche Sträucher in großen Terracotta-Töpfen – deutlich erkennbar gelbe Nadeln.

Die Feigenblätter sind seit dem Unwetter ziemlich zerrupft.
Normalerweise kenne ich gelbe Blätter an Pflanzen als Zeichen von Nährstoff- und/oder Wassermangel. Geregnet hat es in den vergangenen Wochen ja zumindest für mediterrane Pflanzen wie den Rosmarin genug, dachte ich. Aber gut, kriegten die beiden Büsche eben einen Extra-Schluck, wenn ich das Gemüse mit dem Gartenschlauch wässerte.

Das allerdings war verkehrt. Die gelben Nadeln wurden immer zahlreicher. Okay, dann also mal das weltweite Netz befragt. Tante Google weiß schließlich alles. Und richtig: Schon der erste Treffer, die Seite einer großen Gartenzeitschrift, brachte es an den Tag. Der Rosmarin hatte nicht zu wenig, sondern zu viel Wasser erhalten.

Gelbe Nadeln, was tun?

Das Würz- und Heilkraut wächst in seiner Heimat an sonnigen und trockenen Felshängen. Und an solchen Standorten ist das Wasser eben doch deutlich knapper als am Nordrand des Harzes. Der Rosmarin deckt seinen Wasserbedarf aus der Luft. Selbst an trockenen Felshängen schafft er das, denn er „trinkt“ sozusagen den Morgentau. Und weit verzweigte, tief reichende Wurzeln sorgen ebenfalls dafür, dass die Pflanze nicht verdurstet. Also musste ich das Gießen vorerst einstellen, damit die Nadeln wieder grün wurden. Ins Beet ausgepflanzter Rosmarin kommt sogar ganz ohne zusätzliche Wassergaben aus der Kanne aus, war da im Internet an mehreren Stellen zu lesen.

Dass Rosmarin im Topf Durst hat, kommt eigentlich nur in extremen Hitzeperioden vor. Wassergaben sind immer dann nötig, wenn die Pflanze die Nadeln regelrecht hängen lässt.

Ein weiteres Problem hat mir das Unwetter bereitet, das am 13. Juni über den Nordharz fegte. Fast alle Pflanzen und fast alle Früchte und Gemüse sind beschädigt worden. Meine so schön ausgedachten Saattermine für das satzweise Aussäen von Salaten, Radieschen und anderen schnell wachsenden Gartenfrüchten waren damit Makulatur. Ich habe sie zwar eingehalten, muss aber zurzeit dann doch wieder Salat auf dem Markt kaufen, weil der im Hochbeet sich immer noch erholen und neue Blätter schieben muss. Na ja, ein Gutes hat es: Die Händler auf dem Markt verdienen ein bisschen was.

Wie die Ernte von Äpfeln mit Löchern und Sauerkirschen mit Dellen sind gestalten wird, bleibt abzuwarten. Feigen gibt’s dieses Jahr keine, die hat der bis zu drei Zentimeter große Hagel alle abgeschlagen.

Und dann war da noch das Problem mit dem Knoblauch: Ein Leser aus Goslar schickte mir Bilder von gezogenen Knollen, die alle ziemlich kränklich aussahen. Er vermutete einen Pilzbefall und lag damit völlig richtig. Zur Behebung dieses Ärgernisses war es auch unerheblich, um welchen Pilz es sich handelt, Fusarium oder irgendwelche anderen Übeltäter, die sich auf Knoblauch oder überhaupt auf Lauch spezialisiert haben.

Anbaupause einhalten

Ursache sind meist feucht-warmes Wetter und ein Anbau auf immer der gleichen Stelle. Fusarium überwintert auf der Pflanze, also in diesem Fall auch auf der Knolle (im Boden bleibt der Pilz nicht). Deshalb sollte man Knoblauch in solchen Fällen lieber im Frühling stecken und dann auch mit neuem Material. Auch wenn der Pilz nicht im Boden verbleibt, sollte auf die so genannte Fruchtfolge geachtet werden. Eine vier- bis fünfjährige Anbaupause ist einzuhalten, heißt: Man braucht mindestens fünf verschiedene Stellen im Garten, wo Knoblauch wachsen kann, die man reihum immer wechselt. Und dann sollte Knoblauch möglichst weit entfernt von Zwiebeln und anderen Laucharten stehen, denn alle werden gerne von der Lauchminiermotte heimgesucht. Mit diesen Regeln sollte es im nächsten Jahr wieder klappen mit der Ernte.

Haben Sie auch Fragen oder Anregungen zum Thema Garten, Balkon oder Zimmerpflanzen? Dann schicken Sie eine E-Mail an christina.borchers(at)goslarsche-zeitung.de.