Donnerstag, 05.04.2018

Rosen brauchen die Schere des Gärtners

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In Gartenbüchern steht, man solle Rosen ab Mitte März schneiden, damit sie im Sommer reich und prächtig blühen. Wer dies beherzigt hat, hat vielleicht schon einige Tage später eine böse Überraschung erlebt, denn der Winter kehrte am dritten Märzwochenende mit Macht zurück. Besser als der Blick auf den Kalender ist für Gärtner immer der Blick auf die Natur oder genauer, die Pflanzen. Denn die Zeit zum Rosenschnitt beginnt immer dann, wenn die Forsythien (auch Goldflieder oder Goldglöckchen genannt) blühen. Denn dann sind die strengen Fröste vorbei. Der regelmäßige Rückschnitt ist aber in der Tat unverzichtbar für Gartenrosen, denn sonst blühen sie nicht so üppig, wie der Gärtner es gern hat. Zwar wird allgemein davon abgeraten, erst im April die Schere hervorzuholen, aber in klimatisch rauen Regionen ist es manchmal erst Anfang April möglich, die Rosen zu schneiden.

Dabei muss nicht nur auf scharfes und vor allem sauberes Werkzeug geachtet werden, sondern auch auf die richtige Schnitttechnik. Eine saubere und scharfe Schere ist nötig, weil sonst Krankheitskeime leichtes Spiel haben. Sie dringen über faserige oder gequetschte Schnittstellen ein und verursachen Schäden.

Der Schnitt soll leicht oberhalb einer Knospe schräg ansteigend verlaufen. Der Abstand zur Knospe sollte etwa einen halben Zentimeter betragen. So kann kein Regenwasser auf der Schnittstelle stehen bleiben oder in den Markkanal des Zweiges einsickern, was zu Fäulnis führen kann. Wenn die Schere zu hoch über der Knospe angesetzt wird, könnten Krankheitserreger in den Stummel eindringen. Wird der Schnitt zu nah an der Knospe gesetzt, vertrocknet diese vielleicht. Die Schnittfläche sollte so klein wie möglich sein. Das erreicht man, indem man eher etwas zu gerade als zu schräg schneidet. Die Schere sollte außerdem so angesetzt werden, dass die oberste Knospe nach außen zeigt.

Allgemein gilt für alle Rosen, dass man beim Schnitt zunächst alle erfrorenen Triebe bis ins gesunde Holz zurückschneidet. Erfrorene Triebe sind leicht zu erkennen: Sie sind dunkelbraun, fast schwarz. Nach starken Frösten, wie wir sie noch im März hatten, sind auch alte, kräftige Triebe möglicherweise erfroren. In milden Wintern sind meist nur die Triebspitzen und schwache Triebe geschädigt.

Gesunde, starke Triebe schneidet man nur wenig zurück, von schwachen Trieben bleiben nur kurze Stummel mit drei bis vier Augen stehen. Insgesamt sollte der Blick auf die Form des Rosenbusches gerichtet sein: Er sollte gut verteilte Triebe haben, die nicht zu eng stehen, denn zu dichte Sträucher sind krankheitsanfällig. Am einfachsten ist der Schnitt bei heimischen Wildrosen: Sie sind weniger empfindlich und können daher schon früh im Jahr geschnitten werden. Zudem müssen sie allenfalls etwas ausgelichtet werden.

Es ist wichtig zu wissen, zu welcher Rosenklasse die Pflanzen im Garten gehören. Nur so kann der Gärtner oder die Gärtnerin durch Schnittmaßnahmen den Wuchs und die Blühfreudigkeit fördern.

Beetrosen und Edelrosen

Beetrosen sollen viele Blütentriebe mit zahlreichen Blüten ausbilden. Sie dürfen nicht zu lange Triebe haben, denn sonst fallen die Pflanzen auseinander. Drei (bei schwach wachsenden Rosen) bis fünf Triebe (bei stark wachsenden Exemplaren) lässt man stehen. Sie sollten zwischen drei und fünf Augen haben. Edelrosen sollten auf etwa ein Drittel ihrer Wuchshöhe eingekürzt werden.

Strauchrosen

Öfter blühende Strauchrosen werden auf etwa die Hälfte ihrer vorherigen Wuchshöhe zurückgeschnitten. Dichtes und abgestorbenes Holz sowie alte, vergreiste Triebe werden dicht über dem Boden gekappt. So verjüngt sich die Pflanze quasi von selbst.

Kleinstrauchrosen

Wer solche Rosen, auch Bodendeckerrosen genannt, im Garten hat, braucht nicht jedes Frühjahr zur Schere zu greifen. Sie sind außerdem meist so robust, dass eine Heckenschere eingesetzt werden kann.

Kletterrosen

Öfterblühende Sorten werden nur moderat zurück geschnitten, einmal blühende erst im Sommer gleich nach der Blüte. Ein Schnitt jetzt würde die Blüten dieses Jahres kosten.

Hochstamm- und Trauerrosen

Hochstammrosen werden wie Edel- oder Beetrosen behandelt, denn es sind ja solche Pflanzentypen, nur dass sie auf Stämmchen veredelt wurden. Meist braucht man sie nur auslichten, denn sie verbringen den Winter warm eingepackt in Reisig oder Stroh mit einer Vlieshaube drüber. Trauerrosen sind auf Stamm veredelte Kletterrosen und werden daher wie diese behandelt.

Wildrosen

Sie werden wie normale Ziersträucher nur ausgelichtet. Drei bis fünf alte Triebe werden an der Basis weggeschnitten, schwaches Holz herausgenommen. Stutzen schadet der Form des Gewächses, denn es würde einen besenartigen Wuchs hervorbringen. Falls sich die Rose über Ausläufer ausbreitet, kann man ihr mit dem Spaten besser Einhalt gebieten als mit der Schere.

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