Donnerstag, 09.05.2019

Rasenmäher adé: Mehr Platz für Blüten im grünen Einerlei

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Wer mich kennt, der weiß, dass ich eine Arbeit im Garten überhaupt nicht mag: das Rasenmähen. Der Kauf eines Mähroboters kommt jedoch nicht in Frage, obwohl das natürlich ein Weg wäre, sich die Arbeit zu erleichter. Aber das Gerät zerhäckselt alles, was ihm in den Weg kommt, auch kleine Spitzmäuse, Hummeln und anderes Getier.

Also habe ich mir überlegt, wie die ungeliebte Arbeit zu vermeiden wäre. Ich lasse in diesem Jahr einfach große Teile der Rasenfläche ungemäht, damit sich der Rasen langsam zu einer Wiese entwickeln kann.

Man muss nämlich, um eine Blumenwiese zu erhalten, nicht aufwendig die Rasensoden abheben und neue, magere Erde aufbringen, um dann eine Wildblumenwiese zu säen. Das beschreibt ein Artikel in der Zeitschrift „Kraut & Rüben“. Und ich habe es ansatzweise im vorigen Jahr selbst gesehen, als ich wegen der anhaltenden Trockenheit auf verdorrte Gräser blickte, zwischen denen zahlreiche Wildkräuter wuchsen, denen das fehlende Nass offensichtlich überhaupt nichts ausmachte.

Man kann das Entstehen einer Blumenwiese fördern, indem man den Rasen nur zweimal im Jahr mäht – das erste Mal im Juni bis Anfang Juli und das zweite Mal im August/September (siehe auch im Kasten „Garten-Irrtümer“). Denn dann finden sich schon im ersten Jahr viele Insekten ein. In meinem Rasen wachsen jetzt schon unter anderem die Gemeine Braunelle, Ehrenpreis, Kriechender Günsel, Gänseblümchen, Habichtskraut, Lichtnelken, Breitwegerich, Margeriten und natürlich Löwenzahn.

Damit sich noch weitere Wildblumen ansiedeln, wird es allerdings wohl einiger Jahre Mäh-Diät erfordern. Denn der Boden, auf dem mein Rasen wächst, ist ziemlich nährstoffreich und stark verdichtet.

Wer nun denkt, dass eine grüne Rasenfläche als Spiel- oder Sitzfläche unentbehrlich sei, kann ja klein anfangen: Dort, wo gespielt, sich gesonnt oder mit Freunden gefeiert wird, wird der Rasen kurz gehalten. Und damit die Beete besser zugänglich sind, kann man Wege in den Rasen mähen. Die restlichen Flächen lässt man einfach mal wachsen. Einen Versuch wäre es wert, und die Insekten und andere kleine Tiere würden es sicher danken.

Und wem es mit der Wiese durch Mäh-Diät nicht schnell genug geht, der kann auf kleinen Flächen Blumeninseln anlegen. Dann muss er allerdings die Grasnarbe abstechen, die Delle mit magerem Boden füllen und heimische Wiesenpflanzen aussäen. Saatmischungen für unterschiedliche Standorte bietet der Fachhandel in Hülle und Fülle.

Eine weitere Möglichkeit, Insekten Nahrung und Schlupfwinkel abseits eines Insektenhotels zu bieten, ist es, die Ränder des Rasens nicht mehr zu trimmen. Denn gerade dort halten sich nützliche Insekten wie Marienkäffer auf, die Hobbygärtnern als Läuse-Jäger hochwillkommen sind. Grasbüschel rund um Bäume, unterm Zaun oder am Rand des Hochbeetes bieten zudem unter anderem Grashüpfern eine Kinderstube.

Überhaupt: Einen Garten, der bisher konventionell bewirtschaftet wurde, in einen naturnahen Garten zu verwandeln, ist nicht etwa mit mehr, sondern gerade mit weniger Arbeit verbunden. Es geht oft darum, bestimmte Dinge nicht zu tun und die Natur machen zu lassen. Auf meinem Grundstück werden beispielsweise auch die Fugen zwischen den Betonsteinen in der Auffahrt nicht ständig vom Grün befreit. Dort wächst Moos und an den Rändern der Auffahrt auch die pfirsichblättrige Glockenblume. Warum sollte ich so schöne Blüten beseitigen? Wo oft gegangen wird, bleibt der Weg ohnehin frei von Bewuchs. Und an den Rändern darf ruhig das Leben toben, finde ich.

Dennoch: Auf die faule Haut legen, das geht nicht. Ab und zu muss der Gärtner schon eingreifen: Es sollte gar nicht erst so weit kommen, dass etwa Lieblingsstauden von der Ackerwinde „erwürgt“ zu werden drohen oder der Beinwell aus dem für ihn vorgesehenen Beet auswandern will. Das setzt genaues Beobachten voraus. Welche Pflanzen wachsen wo am besten, welche wandern durch den Garten und will man das zulassen oder nicht? Welche Tiere leben im Garten, welche gehen lieber wieder und warum?

Haben Sie Fragen, Anregungen oder Kritik? Dann zögern Sie nicht und schreiben Sie der Autorin eine E-Mail: christina.borchers(at)goslarsche-zeitung.de.