Samstag, 25.05.2019

Quedlinburg: Eine Stadt verlebt ein Jahr im Party-Modus

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Man muss die Feste feiern, wie sie fallen – auch dann, wenn sie wie in diesem Jahr in Quedlinburg derart purzeln, dass sie sich zu einem großen Berg türmen. Mit rund 10.000 Beteiligten und einem Vielfachen an Besuchern rechnen die Organisatoren dabei zum 22. Sachsen-Anhalt-Tag, der von Freitag, 31. Mai, bis Sonntag, 2.Juni, in Quedlinburg gefeiert wird. 

Das Motto des Landesfestes lautet nicht von ungefähr „Welterbe, weltoffen, willkommen“. Denn die Welterbestadt feiert in diesem Jahr mit einer imposanten Veranstaltungsserie gleich drei bedeutende Jubiläen:

  • Zum 1100. Mal jährt sich die Wiederkehr der Königskrönung Heinrichs I.
  • Seit 25 Jahren ist Quedlinburg mit über 80 Hektar historischer Innenstadt mit Stiftsberg, Münzenberg und Wiperti UNESCO-Welterbe.
  • Zum 30. Mal jährt sich die Friedliche Revolution in der ehemaligen DDR.

1100 Jahre ist es her, dass Heinrich I. „plötzlich König“ war. Der erste Sachse auf dem Thron, der – beerdigt in der Stiftskirche – über den Tod hinaus eine enge Beziehung zu Quedlinburg hatte. Foto: Gereke
„919 – plötzlich König“ ist eine Ausstellung überschrieben, die bis zum 2. Februar 2020 im Schlossmuseum zu sehen ist, parallel zu einer zweiten Präsentation „Am Anfang war das Grab“ in der benachbarten Stiftskirche, in der der König ebenso wie seine Frau Mathilde beigesetzt ist. Mit der Wahl Heinrichs I. zum König lenkte erstmals ein Sachse die Geschicke des in einer dramatischen Krise befindlichen Ostfrankenreichs.

Die große Geschichte Quedlinburgs spiegelt sich in der Stadtbaugeschichte wider. Die Stiftskirche St. Servatius mit ihrem berühmten Domschatz, die tausendjährige Wipertikirche und die Reste des Marienklosters auf dem Münzenberg erinnern bis heute unübersehbar und beeindruckend daran, welche Bedeutung Quedlinburg für die ottonischen Herrscher des 10. Jahrhunderts besaß.

Ein Umstand, den auch die Unesco nicht übersah. Vor 25. Jahren, am 17. Dezember 1994, wurde Quedlinburg als eines der größten Flächendenkmale in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Allein im Welterbegebiet prägen etwa 2100 Fachwerkhäuser aus sieben Jahrhunderten noch heute das Bild der Stadt.

Drei Jahrzehnte zurück reicht der Blick beim dritten großen Quedlinburger Jubiläum dieses Jahres. Wenn vom Fall der Mauer gesprochen wird, haben die meisten Menschen zwar die Bilder von der Öffnung der Berliner Mauer vor Augen. Doch auch in der Harzregion hat sich dieses einschneidende Ereignis deutscher Geschichte tief eingeprägt. Es war die einzige friedliche „Ablösung“ einer Diktatur in der deutschen Geschichte, erzwungen durch die mutigen Proteste der Bürger der ehemaligen DDR. Quedlinburg, so heißt es auf der Website der Stadt, spielte dabei in Mitteldeutschland eine herausragende Rolle: In kaum einer anderen Stadt gingen, gemessen an der Einwohnerzahl, so viele Menschen auf die Straße.

Viele gute Feiergründe, an denen auch das Land Sachsen-Anhalt nicht vorbei gehen konnte und wollte. Und so ist die Welterbestadt Quedlinburg am kommenden Wochenende Gastgeberin des Landesfestes. Und dieses Fest wartet von Freitag, 31.Mai, bis Sonntag, 2. Juni, mit einem faszinierenden und unglaublich umfangreichen Programm auf – was sich nicht zuletzt in einem 70-seitigen Programmheft widerspiegelt (Download als pdf). In der gesamten Innenstadt geht auf zahllosen Bühnen die Post ab. Musikalisch die Glanzlichter setzen dabei ohne Frage die Fernseh- und Radiosender des Landes, die mit einer ganzen Star-Riege aufwarten. Mit von der Partie scheint tatsächlich aber das komplette Bundesland zu sein. In Regionaldörfern stellen sich die einzelnen Regionen Sachsen-Anhalts mit ihren typischen Besonderheiten vor.

Wo sich Kaiser und Könige wohlfühlten, dürfen die "Queen Kings" auf der Bühne beim Landesfest in Quedlinburg nicht fehlen.
Landesregierung, Landtag und Landeszentrale für politische Bildung sind in der Themenstraße „Weltoffenes Sachsen-Anhalt“ präsent. Erstmals wird es mit Blick auf eines der Jubiläen und zum Welterbetag auf dem Festgelände ein „Welterbedorf“ geben. Zentral auf dem Kornmarkt gelegen, werden sich Welterbestätten aus Deutschland sowie mehrere regionale Akteure unter anderem aus der Denkmalpflege präsentieren. Eines der Glanzlichter des Sachsen-Anhalt-Tages, zu dem an den drei Tagen mehrere hunderttausend Besucher in Quedlinburg erwartet werden, wird der Festumzug am Sonntag, 2. Juni, sein, der um 11 Uhr durch die Innenstadt startet und bei dem insgesamt rund 4000 Teilnehmer erwartet werden.








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