Freitag, 08.05.2020

Pubertät im Pausenmodus

Leserbrief

Bellissima – wie die meisten Präparate klang auch der Name meiner Antibabypille blumig und irgendwie elegant. Nicht, dass ich sie mir deshalb mit 14 von meiner Frauenärztin verschreiben ließ: keine Akne, Freiheit und ein Stück erwachsen werden – überzeugende Gründe zu diesem Zeitpunkt. Namen interessierten mich weniger.

Dennoch weiß ich ihn noch, diesen Namen: obwohl es mittlerweile über fünf Jahre her ist, das ich die letzte Tablette aus dem rosafarbenen Monatsblister gedrückt habe. Hier sei erwähnt: Ich hatte das Glück, in den acht Jahren hormoneller Verhütung nur eine einzige Pille ausprobieren zu müssen. Einfach Bellissima eben! Abgesehen von diesem Namen fühlt sich der Gedanke an die Zeit auf Pille heute eher unwirklich an:

Der obligatorische Wecker, der tagsüber oder abends klingelt, gerne in unpassenden Momenten – und einen erinnert, die nicht einmal fingernagelgroße Tablette zu schlucken. Hauptsache nicht schwanger! Und ja, die längste Zeit auf Pille hätte ich nicht von Nebenwirkungen berichten können.

Die immer wieder kehrenden Diskussionen mit Freundinnen, ob es jetzt natürlich oder nicht, womöglich schädlich oder am Ende irrelevant sei, Blister um Blister durchzunehmen. Auf die lästige Periode – oder was wir dafür hielten – hätten wir alle verzichten können.

Hier setzten die Zweifel dann schließlich an: als ich herausfand, dass Periode nicht gleich Periode ist. „Entzugsblutung“ – kein schönes Wort. Eher eins, das zum Nachdenken anregt. Wobei das wiederum zum Entschluss geführt hat, mal was Neues auszuprobieren. So ganz ohne Wecker und monatliche Diskussionen mit der Frauenärztin („Das Rezept bekommen Sie nur, wenn Sie zur Untersuchung kommen“) – mein Hauptargument kontra Pille und pro Spirale war also eigentlich: Bequemlichkeit. Erst danach habe ich realisiert, dass ich meine ganze Pubertät im Standby verbracht habe.

Dennoch: Als Teenager hätte ich weder die Schmerzen, die das Einsetzen der Spirale nun mal mitbringt, noch die Unsicherheit, allein mit Kondom zu verhüten gewollt – und so war die Pille das Richtige.








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