Dienstag, 19.06.2018

Planwirtschaft in der Buchhandlung

Wer ein Buch kauft und glaubt, er habe lediglich einen schnöden Bedarfsartikel erworben, irrt sich gewaltig. Das deutsche Buch ist nämlich per Gesetz zum „Kulturgut“ geadelt und mittels einer exklusiven Preisbindung geschützt. Mit den Niederungen wettbewerbsorientierter Kalkulation muss sich die Buchbranche deshalb auch weniger intensiv beschäftigen als beispielsweise ein Zahnpasta- oder Streichholzfabrikant.

Die Buchpreisbindung gilt deutschlandweit – ganz gleich, ob der Kunde seinen Lesestoff im Internet oder in der Bahnhofsbuchhandlung erwirbt. Rabatte, Preisnachlässe, Sonderangebote? Fehlanzeige! Die staatlich verordnete Preispolitik ist allerdings nicht unumstritten. Unlängst empfahl die Monopolkommission – ein unabhängiges Beratergremium aus Juristen und Ökonomen – der Bundesregierung in einem Sondergutachten, die Buchpreisbindung ersatzlos zu streichen. Die Europäische Union fordert das übrigens schon lange.

Der Börsenverein des deutschen Buchhandels reagiert auf derartige Forderungen gewohnt schmallippig und wiederholt bekannte Argumente: Dank Preisbindung sei der deutsche Buchmarkt „ein Vorbild für Qualität und Vielfalt“. Das „filigrane Netz an Buchhandlungen“, die das „Kulturgut Buch für eine breite Öffentlichkeit zugänglich“ mache, sei ein Garant wichtiger „Kulturstationen vor Ort“. Angesichts teurer Werbekampagnen für obskure Bestseller, austauschbarer Stapelware in den Auslagen und mancherorts ernüchternd schlechter Beratung, kommen dem Literaturfreund durchaus Zweifel an dieser Argumentation.

Auch der Blick ins europäische Ausland erweckt Argwohn. Sind Belgier, Finnen, Schweden oder Schweizer kulturlose Banausen, nur weil es bei ihnen kein Preisdiktat für Bücher gibt? Eins steht fest: Nicht jeder Krimi ist eine intellektuelle Bereicherung, und nicht in jeder Buchhandlung weht der Geist großer Dichter und Denker. Vielleicht würden Bücher durch den Wegfall der Preisbindung einfach nur eins – billiger.Elke Brummer