Donnerstag, 06.12.2018

Orchideen kommen bei feuchter Luft in Hochform

Elegant und kapriziös wirken Orchideen. Vielleicht sind sie deshalb mittlerweile beliebter als der Weihnachtsstern. Dieser war einst die Topfpflanze Nummer eins in Deutschland. Aber das ist lange her. Ich bin seit drei Jahren Besitzerin einer schneeweißen Phalaenopsis, so der botanische Name der Gattung. 

Ihre deutschen Namen lauten „Schmetterlingsorchidee“, „Nachtfalter-Orchidee“ oder „Malaienblume“.

Damit die Pflanze alle Jahre wieder blüht, braucht sie gute Lebensbedingungen. Daher musste ich mich mit den Wünschen dieser Exotin befassen, denn sie unterscheiden sich durchaus in einigen Punkten von denen anderer Zimmerpflanzen. Ein grüner Daumen allein reicht da nicht.

Die meisten Orchideen gehen ein, weil sie zuviel gegossen werden. Sie stammen zwar aus regenreichen Regionen der Erde, aber sie leben auf Bäumen, weshalb ihre Wurzeln nach jedem Guss auch schnell wieder abtrocknen. Meiner Erfahrung nach funktioniert das Gießen schlecht, wenn man sie wie andere Pflanzen einfach von oben in den Topf gießt. Dann besteht die Gefahr, dass Wasser im Übertopf stehen bleibt, und das mag die Orchidee nun überhaupt nicht. Deshalb wird meine einmal wöchentlich getaucht: Ich fülle den Topf und den Übertopf bis zum Rand mit Wasser. Wenn das Substrat nach einer Weile vollgesogen ist, gieße ich das überschüssige Wasser ab. So erleidet sie keine Staunässe, trocknet aber auch nie vollständig ab. Gelegentlich bekommt sie noch eine kleine Dusche aus der Sprühflasche.

Das Substrat muss für Orchideen auch anders beschaffen sein, als für „normale“ Zimmerpflanzen. Die Wurzeln brauchen Luft und Licht. Deshalb sind durchsichtige Töpfe angebracht, denn mit den Wurzeln gewinnen Orchideen ebenso Energie aus Sonnenlicht mit ihren Blättern. Luft kommt an die Wurzeln, wenn sie in Substrat aus Rindenstücken, Kokosfasern und/oder Blähton stecken. (Es gibt aber auch Orchideen, die in Erde wachsen. Dazu gehört etwa der Frauenschuh.)

Umgetopft wird erst, wenn das Gefäß zu klein wird oder die Erde verbraucht und schmierig oder moosig ist. Das war bei meiner Orchidee nach zwei Jahren der Fall, manche halten auch drei Jahre lang im selben Topf durch. Der beste Termin liegt zwischen Frühling und Sommer, die Blüten sollten aber vollständig verblüht sein.

Viele Orchideenbesitzer schwören darauf, nach der Blüte den Stiel abzuschneiden. Das soll Blühfaulheit vorbeugen. Doch eigentlich sollte man ihn erst abschneiden, wenn er vergilbt und vertrocknet ist. Viele Stängel wachsen auch nach der Blüte weiter und verzweigen sich, und es kommen noch mehr Blüten.

Manchmal quellen die Wurzeln aus dem Topf. Dann sollte man sie nicht abschneiden, sondern vielmehr die Pflanze in einen größeren Topf setzen und dabei die Wurzeln so wenig wie möglich kappen. Meist kann man sie vorsichtig in den neuen Topf stecken.

Braucht sie viel Licht oder Schatten? Die meisten fühlen sich im Halbschatten wohl. Vor allem die heiße Mittagssonne bekommt ihnen nicht. Ganz dunkel sollte es aber auch nicht sein. Ein Platz im Ost- oder Westfenster wäre ideal. Nordfenster sollten sehr hell und unverbaut sein. Am Südfenster brauchen sie unbedingt eine Beschattung. Warme, trockene Heizungsluft sollte übrigens nicht über ihre Blätter streifen.

Manchmal hilft auch die beste Pflege nicht, dann stellen sich Läuse ein. Die erkennt man an klebrigen Blättern und Blüten. Mit ölhaltigen Mitteln lässt sich der Befall eindämmen. Wenn sich noch nicht zu viele Tierchen in den Blattachseln, auf dem Blättern und Blüten(stielen) tummeln, kann man sie einzeln mit einem Wattestäbchen abnehmen. Auch Stress verursacht klebrige Blätter: Beispielsweise sondern sie Tropfen an den Blättern ab, wenn die Tag- und Nachttemperaturen zu weit auseinander liegen. Mehr als 3 bis 6 Grad Celsius Differenz sollten es nicht sein.

Trotz liebevoller Zuwendung hören manche Orchideen auf, zu blühen. Dann kann man einen kleinen Trick anwenden: Die Pflanze wird frühestens drei Wochen nach der letzten Blüte – so viel Erholung muss schon sein – sechs Wochen lang nachts bei 16 Grad Celsius, tagsüber etwas wärmer. Das animiert die Orchidee, neue Blüten anzusetzen.

Abzuraten ist von einer Sommerfrische draußen auf der Terrasse oder dem Balkon. Temperaturschwankungen halten tropische Orchideen nicht gut aus, und die sind trotz sommerlicher Wärme tagsüber bei uns in Mitteleuropa in den Nächten doch ziemlich groß. Außerdem habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Pflanzen die höhere Lichtintensität draußen nicht gut vertragen. Sie lieben das Halbdunkel der Regenwälder, und das bieten ihnen unsere Wohnungen zur Genüge.

Haben Sie Fragen, Kritik oder Anregungen? Schreiben Sie eine E-Mail an: christina.borchers(at)goslarsche-zeitung.de.