Freitag, 31.05.2019

Okkultes Wissen bei Harry Potter?

Leserbrief

Goslar. „Als ich es noch nicht gelesen hatte, habe ich es für Schundliteratur gehalten“, gesteht Rolf Speckner aus Hamburg zu Beginn seines Vortrags im Kloster Frankenberg. Thema des Abends ist „Westlicher Okkultismus und Harry Potter“.

Um den Zauberlehrling war es lange Zeit recht ruhig. Die Fanbasis aber bleibt stabil, das Merchandise verkauft sich nach wie vor gut. Die Filme werden regelmäßig zur Prime-Time im Fernsehen gezeigt. Die Spin-Off Kino-Reihe um Newt Scamander und Dumbledores Erzrivalen Grindelwald wird eher verhalten aufgenommen. Theaterstücke, sowohl professionell als auch laienhaft, gibt es gefühlt zahllose und einige Kirchen veranstalten schon Harry-Potter-Gottesdienste (die GZ berichtete). Sicher ruft Harry Potter schon seit Längerem die Kirchen und christliche Gemeinschaften weltweit auf den Plan. Da gibt es in den USA klerikale Gruppen, die Joanne K. Rowlings Romane als Teufelswerk verbrannt haben. Und auch der Vatikan warnt vor der überwunden geglaubten Magie. Die evangelische Kirche bleibt gelassen und sieht hier lediglich eine „Geschichte über Freundschaft“.

Magier und Muggel real?

Psychologen und Sozialwissenschaftler analysieren Inhalt und Wirkung der Romanreihe – und kommen zu erstaunlichen Ergebnissen: Anscheinend fördert das Lesen von Harry Potter Empathie und Unvoreingenommenheit gegenüber Minderheiten. Und ja, auch die Anthroposophie scheint sich jetzt mit Harry Potter zu beschäftigen. Bei der Anthroposophie handelt es sich um eine auf den Publizisten und Redner Rudolf Steiner zurückgehende spirituelle und esoterische Weltanschauung, die sich, grob zusammengefasst, unter anderem auch mit magischen Praktiken beschäftigt. Auf Einladung der Anthroposophischen Gesellschaft Goslar geht Speckner in seinem Vortrag auf J.K. Rowlings Werke und Motive ein.

„In den Romanen ist erstaunliches okkultes Wissen drin. Die Autorin muss von etwas inspiriert worden sein – hat sich die Geschichte also nicht ausgedacht, sondern über eine innere Begegnung erfahren“, vermutet Speckner. Auch bei der verdeckten Welt der Zauberer, in der Harry und Co. ihre Abenteuer erleben, fragt er: „Können wir sicher sein, dass Hogwarts nicht existiert?“ In jedem Fall könne man viel über den westlichen Okkultismus in J.K. Rowlings Büchern lernen. Allerdings sei Speckner noch nicht entschieden, was die Autorin damit bezwecken wolle, da nach anthroposophischer Lesart die Fantasy-Literatur als Nachfolgerin des Spiritismus vom tatsächlichen Okkultismus ablenken oder ihn ersetzen wolle.








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