Freitag, 22.02.2019

Öko-Shopping find' ich gut

Na, haben Sie auch schon mal einen Kühlschrank bestellt – aber wussten gar nichts davon? Jedenfalls landete bei mir diese Woche ein nettes Schreiben des Deutschen Inkasso-Diensts (DID) im Briefkasten. Quasi per Otto-Versand aus Hamburg. Denn dieser Inkassodienst gehört zur EOS-Gruppe, die wiederum eine Tochter von Otto ist. Der Versandhändler aus der Hansestadt bringt ja neuerdings keinen greifbaren Katalog mehr heraus, der uns von Unterhosen bis zum Computer die schöne Warenwelt auf Papier präsentiert. Vielmehr konzentriert er sich ganz aufs Geschäft via Computer oder Smartphone. Und wenn mal ein Kunde nicht bezahlt, dann kommt die Otto-Tochter mit einer teuren Quittung zum Zuge. Satte 800 Millionen Euro Umsatz schlugen für Ottos „Finanzdienstleister“ im Geschäftsjahr 2017/2018 zu Buche. Und dabei gehen die Forderungsmanager auch selbst gern shoppen, um etwa bei Mercedes-Benz oder anderen Unternehmen offene Rechnungen einzukaufen. Wahre Wertpapiere sind das, denn mit dem Inkasso ereilen die Kunden satte Gebührenaufschläge.

Statt 390 Euro soll die ganze Chose nunmehr 485 Euro kosten, und wenn ich nicht alsbald bezahle, dann droht zusätzlich noch das Kleingedruckte: Dort steht der sympathische Hinweis, dass säumige Zahler mit Einträgen bei Wirtschaftsauskunfteien rechnen müssen. Und im Handumdrehen können solche stigmatisierten Verbraucher nicht mal mehr einen Handy-Vertrag abschließen. Blöd nur, dass ich die Ware vom Otto-Versand nie geordert und erhalten habe. Um genauer zu sein: Ich habe noch niemals in meinem Leben auch nur eine Unterhose bei Otto bestellt. Also habe ich sofort schriftlich Widerspruch eingelegt und werde Anzeige gegen Unbekannt erstatten.

Irgendjemand muss Datenmissbrauch getrieben haben, was in Zeiten von Shopping-Queen 4.0 offenbar immer häufiger vorkommt. Wie mir gestern ein hochrangiger Mitarbeiter in Diensten der Stadt Goslar berichtete, traf ihn dieses Schicksal im vergangenen Jahr sogar gleich dreimal. Neben einem geprellten Mobilfunkanbieter sei auch das bekannte Hamburger Versandhaus mit von der Partie gewesen. Und wer im Internet googelt, erfährt von Abertausenden, die mit ähnlichen Problemen durch Datenmissbrauch hadern, denn die sogenannte Cyberkriminalität ist im Vormarsch. Kühlschränke oder Unterhosen sind dabei nur die sprichwörtlichen Peanuts.

Manche betrügerischen Online-Shops existieren nur wenige Stunden, um mit bunten Bildchen äußerst begehrter Produkte umso mehr Geld per Mausklick einzutreiben. Matthias Eichler, Sprecher des Landkriminalamts Niedersachsen bestätigt die wachsende Gefahr – die sich in handfesten statistischen Zahlen aber nur unzureichend widerspiegele. Die Dunkelziffer sei hoch. „Deshalb ist unser Appell, in solchen Fälle auch Anzeige zu erstatten“, betont der LKA-Sprecher. Dafür müssen Cyber-Opfer im digitalen Zeitalter nicht einmal analog zur nächsten Polizeiwache marschieren, sondern können sich zu Hause am PC an die Online-Wache wenden. Dahinter sitzen bei der Polizei dann Experten, die sich speziell mit Maschen von Online-Räubern auseinandersetzen.

Derweil kann guter Rat billiger sein als schmerzhafte Erfahrung mit Online-Betrügern: Verbringen Sie einfach weniger Zeit beim Shopping vorm Monitor. Kaufen Sie am besten wieder häufiger ganz persönlich in den Geschäften vor der eigenen Haustür. Da kommt man mal wieder raus, bummelt durch die Fußgängerzonen, durch die Warenhäuser oder zum kleinen Händler des Vertrauens, kann die Ware sogar fühlen, riechen und ausprobieren – und nimmt sie gleich mit nach Hause.

So stärkt die analoge Shopping-Tour nicht nur heimische Arbeitsplätze, sondern erweist sich am Ende auch noch als ökologisch wertvoll: weniger Paketversand, weniger Verpackungsmüll, weniger Lkw-Abgase in den Innenstädten, weniger Schäden und Staus auf den Autobahnen.

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