Freitag, 13.10.2017

Normale Sprache ist wohl ziemlich unfly

Leserbrief
Kommentieren

Habt ihr diese Woche auch schon „genapflixt“? Oder euch darüber aufgeregt, was manche Politiker wieder „rumtrumpeten“? Habt ihr jetzt gerade nur noch Bahnhof verstanden? Dann seid ihr anscheinend ziemlich „unfly“, da ihr diese Vorschläge für das Jugendwort des Jahres nicht kennt.

Ab sofort können Internetnutzer wieder für ihren Favoriten abstimmen. Seit 2008 befragt der Langenscheidt Verlag im Oktober Internetnutzer zu dem Phänomen Jugendsprache. 30 Vorschläge stehen dabei zur Auswahl, 30 Wörter oder Ausdrücke, die die Sprache der Jugendlichen in Deutschland repräsentieren sollen.

Die jährliche Abstimmung macht deutlich: Jugendsprache ist kurzlebig und von aktuellen Trends inspiriert, lange im Gedächtnis bleiben nur die wenigstens Ausdrücke. Falls euch der letztjährige Sieger schon wieder entfallen ist, er lautete „fly sein“. Damit sollte ausgedrückt werden, dass jemand oder etwas besonders abgeht. Ob das aber wirklich dem realistischen Sprachgebrauch der Jugendlichen entspricht, ist immer wieder fraglich.

Zudem wird auch die Abstimmung selbst kritisiert: Nicht nur die Zielgruppe, sondern alle Internetuser können ihre Stimme abgeben. Damit ihr auch wisst, was dieses Jahr in der Abstimmung „fly ist“, stellt euch die Junge Szene einige Vorschläge vor – mit Übersetzung, selbstverständlich.

looten: Gamer verdrehen an dieser Stelle sicher die Augen, immerhin sprechen sie schon seit Jahren vom looten, also vom Beute machen. Für alle Nicht-Zocker ist damit aber nur das Einkaufen im Supermarkt gemeint. Doch wer ist dort der Endgegner, den es zu besiegen gilt – die Kassiererin?

Teilzeittarzan: Diesen Titel für sich zu beanspruchen ist nicht sehr schwer: An einer Liane durch die Gegend schwingen ist dafür doch schon mal ein guter Anfang. Ein Teilzeittarzan beweist mit seinem Verhalten nämlich, dass wir wirklich mit den Affen verwandt sind.

trumpeten: Töröh! Moment, das ist gar nicht Benjamin Blümchen, der da lautstark etwas von sich gibt, obwohl das Wort trumpeten schon irgendwie an einen Elefanten erinnert. Stattdessen handelt es sich um einen Wichtigtuer, der große Versprechen gibt, ohne an die Folgen zu denken. Wer bei diesem Begriff wohl der Namenspate war?

schatzlos: Ein Schicksal, das nicht nur Gollum zeitweise erleiden musste. Denn viele haben keinen Schatz – oder einfacher gesagt, sie sind Single. Da können wir nur hoffen, dass die Suche nach einem Partner nicht so wahnsinnig verläuft wie die von Gollum nach dem einen Ring.

vong/ bims: Diese beiden Vorschläge kann man gleich in einen Topf schmeißen. Niemand, der in diesem Jahr auch nur eine Sekunde versehentlich im Internet unterwegs war, kam an dieser mittlerweile ziemlich anstrengend gewordenen Verballhornung unserer Sprache vorbei. „Hallo, I bims – ein Verderber vong Spaßigkeit her.“

napflixen: Gehört ihr auch zu den Menschen, die gerne während des Nickerchens einen Film laufen lassen? Napflixen ist aber auch einfach so entspannend. „Netflix and Chill“ ist wohl out, jetzt ist „Netflix and Sleep“ angesagt. Der gemütlichste Kuschelpartner ist doch immer noch das eigene Bett.

unfly: Anscheinend wirft 2016 doch noch seinen Schatten über uns. Ob es etwas zu sagen hat, dass vergangenes Jahr noch alles „fly“ war, 2017 aber das genaue Gegenteil als Vorschlag im Rennen um das Jugendwort des Jahres gelandet ist?



Weitere Topthemen aus der Region:
  • Archiv
    Interesse der Öffentlichkeit ist gering
    Mehr
  • Archiv
    Ein weißes Wochenende – und dann?
    Mehr
  • Archiv
    Feuerwehr-Übung stellt schwierige Aufgaben
    Mehr
  • Archiv
    Feierlicher Advent mit den Service-Clubs
    Mehr
  • Archiv
    Zehn neue Schilder
    Mehr
  • Archiv
    Besinnlichkeit trifft Temperament
    Mehr
  • Archiv
    Harzklub bittet zum Basteln und Backen
    Mehr
  • Archiv
    Neue Mitte wird erstmals zum Treffpunkt
    Mehr
  • Archiv
    Preis für Clausthaler Forscher
    Mehr
  • Archiv
    Selten waren so viele Sternsinger im Einsatz
    Mehr