Montag, 23.09.2019

Neue Stadt, Studium und Selbstfindung

Leserbrief

Goslar. Ein Gap Year machen, ein Jahr lang in den Bundesfreiwilligendienst gehen oder ein Studium beginnen: Die Möglichkeiten für Jugendliche nach ihrem Schulabschluss sind vielfältig. Und während einige sich schon zur Schulzeit sicher sind, was sie mal machen wollen, kann diese Entscheidung bei anderen länger dauern, wie unsere Gespräche mit zwei Abiturienten zeigen.

Fürs Studium wegziehen

Julia Notthoff hat ihr Abitur im Bereich Gesundheit absolviert. Die ursprünglich aus Jerstedt kommende 19-Jährige ist für ein Studium des Medizinischen Informationsmanagements nach Stralsund in Mecklenburg-Vorpommern gezogen. Sie hat sich nach ihrem Abitur teilweise entspannt. „Ich habe die Zeit genutzt und viel mit meinen Freunden und mit meiner Familie gemacht, und mich auch von allen verabschiedet“, sagt Julia. Die letzten zwei Wochen vor Beginn ihrer Vorkurse hat sie mit dem Umzug in ihre neue Wohnung verbracht, die sie seit Mai bereits sicher hatte.

Ihren Alltag an der Fachhochschule Stralsund stellt sie sich anspruchsvoller als in der Schule vor: „Man muss selbstständig arbeiten und dazu kommt ein komplett neues Umfeld.“ Sie habe Respekt vor dem Ungewissen, freue sich aber auch auf den neuen Lebensabschnitt, erzählt Julia.

Der ebenfalls 19-jährige Robin Hübsch aus Goslar hat sein Abitur mit dem Schwerpunkt Wirtschaft gemacht. Ein Studium wolle er erst im nächsten Jahr angehen.

„Ich nutze dieses Jahr zur Selbstfindung und jobbe nebenbei“, sagt der Goslarer. Er habe sich in der vielen Freizeit irgendwann die Frage gestellt, was er denn mal machen möchte. „Ich habe bei meinen Träumen angefangen“, sagt er. Einer dieser Träume sei es, einmal Lehrer zu werden. Deshalb versucht Robin, viel im Bereich Pädagogik zu lernen. „Ich biete mich unter anderem bei der Schülerhilfe als Nachhilfelehrer an.“

Für ein späteres Studium will Robin in Niedersachsen bleiben. In welchem Fach genau, wisse er noch nicht. „Es gibt drei Optionen für mich: das Mathelehrer-, das Musik- oder das Kunst-Paket.“

Robin habe außerdem die vergangenen Monate gemerkt, dass das „Erwachsenwerden“ langsam anfange. „Man ist aus der Routine aus 13 Jahren Schule raus. Zusätzlich muss man mehr Eigenverantwortung zeigen, in dem man sich beispielsweise um seine Bewerbungen selbst kümmert“, erklärt der 19-Jährige. Die Studienzeit stelle er sich komplexer, zeitaufwendiger und mit mehr Druck vor als die Schulzeit, da der Leistungsdruck höher sei als früher.

Laut Stefan Freydank, Pressesprecher der Bundesagentur für Arbeit Braunschweig-Goslar, steige im Landkreis Goslar die Anzahl der unter 25-jährigen Nebenberufler in der Zeit zwischen Abitur und Wintersemester nicht viel mehr als im Rest des Jahres an.

„Im März 2018 lag die Anzahl bei 1781, im Juni bei 1908 und im September bei 1879 Arbeitnehmern“, sagt Freydank. Außerdem sei der Anstieg im Juni auch durch die Tourismusbranche und Gastronomie zu erklären, erläutert der 38-Jährige. „Die Studenten suchen sich dann eher Jobs in typischen Studentenstädten, wie Braunschweig“, fügt Freydank hinzu.

Grundschulen beliebt

Marcel Weißenborn, Personalsachbearbeiter beim Bundesfreiwilligendienst der Stadt Goslar, sagt, dass viele Abiturienten Arbeit dort suchen. „Viele Abiturienten wollen einen Einblick in die soziale Arbeit bekommen. Einige machen das aufgrund eines Wartesemesters, andere um ihren Zivildienst abzuleisten“, sagt der 28-Jährige aus Goslar.

Zu den städtischen Bundesfreiwilligenstellen sagt Weißenborn, dass Kitas mal sehr beliebt waren. Inzwischen seien Grundschulen gefragt. Diese werden seit etwa zwei Jahren als Arbeitsstellen angeboten. „In den Grundschulen zählt dann zu den Aufgaben, den Lehrern und bei den Hausaufgaben und bei der Integration von Schülern, die beispielsweise einen Migrationshintergrund haben, zu helfen“, sagt Weißenborn zu den Tätigkeiten eines Bundesfreiwilligenjahres.







Weitere Topthemen aus der Region:
  • Braunlage
    Linie immer noch nicht ausgeschildert
    Mehr
  • Lokal-Sport
    Nur die B-Junioren des GSC 08 punkten
    Mehr
  • Bad Harzburg
    Der Verkehrsverein rollt auf die „70“ zu
    Mehr
  • Lokal-Sport
    Vermeintlicher Spieler-Rauswurf führt zu Diffamierungskampagne im Netz
    Mehr
  • Lokal-Sport
    Neues Pferd für Baumgarten
    Mehr