Montag, 20.07.2020

Mönchehaus: „Kunst ist für alle da“

Leserbrief

Goslar. Unter Kultur- und Kunstliebhabern gilt das Mönchehaus Museum als eine Perle Goslars. Für andere hingegen sind die Ausstellungen im Fachwerkhaus in der Mönchestraße 1 immer noch Neuland. Mira Rotermund und Leonie Landfeld sind entschlossen, das zu ändern. Die beiden sind für den Online-Auftritt des Kunstmuseums verantwortlich und möchten auch denjenigen, die bisher keine Berührungspunkte mit Kunst hatten, zu einem Besuch im Mönchehaus ermutigen.

Geschichte und Ästhetik

Den Account des Goslarer Museums gibt es schon seit November 2019. Seit Anfang Mai verpassen Mira und Leonie ihm einen Neuanstrich. Dafür brauche es vor allem eins: ein gut durchdachtes Konzept, wie Leonie betont. So wird man als Abonnent zunächst langsam an das Leben im Mönchehaus herangeführt. „Wir haben gezeigt, was das Mönchehaus macht und haben zum Beispiel das Team vorgestellt, um das Ganze persönlicher zu machen“, konkretisiert Leonie. „Wöchentlich stellen wir ein Thema vor. Dazu gibt es dann auch Künstlervideos, die sich die Leute anschauen können. Außerdem haben wir Highlights erstellt, in denen wir die Kaiserringträger vorstellen.“ „Die haben das Mönchehaus Museum schließlich erst so groß gemacht“, ergänzt Mira.

„Online geht es für Unternehmen und Institutionen darum, um ihre Marke herum eine Geschichte zu erzählen“, fährt Mira fort. Die 24-Jährige hat ihren Bachelor in Kommunikationsdesign erworben und kennt sich mit Marketing aus. Was darüber hinaus nicht vernachlässigt werden dürfe, sei selbstverständlich die Ästhetik des Accounts. So einigten sich die beiden drauf, den Verlauf des Accounts schachbrettartig aufzubauen. Was gleich beim ersten Blick auf den Account ins Auge springt, sind knackige Zitate vor rotem Hintergrund: „Wir wollten einen Eyecatcher haben“, sagt Leonie.

Follower-Zahl erhöhen

Ihre neue Tätigkeit hat die Social-Media-Managerinnen zunächst vor ungeahnte Herausforderungen gestellt: Aus kurzen Absprachen seien schnell dreistündige Sitzungen geworden, weil es doch nicht so einfach gewesen sei, ein passendes Konzept zu erstellen, wie gedacht. „Viele denken, dass man nur ab und zu mal ein Foto posten muss und es damit getan sei“, sagt Mira. „aber man muss ja auf die Qualität achten und die visuelle Konsistenz halten. Da reicht es nicht, irgendwelche Bilder hochzuladen.“

Seit Anfang Mai sei die Followerzahl des Instagram-Accounts von 225 Abonnenten auf 447 gestiegen und habe sich somit fast verdoppelt – ein erster Erfolg für die beiden. „Natürlich möchten wir gerne mehr Follower haben, aber es läuft ja auch gerade erst an“, sagt Leonie optimistisch.

Ästhetik ist den Social-Media-Managerinnen wichtig: Der Verlauf des Accounts des Museums ist schachbrettartig angeordnet. Screenshot: Dämgen

Die meisten ihrer Abonnenten seien zwischen 25 und 30 Jahre alt. Darunter: Institutionen, viele Kunstbegeisterte und Künstler selbst. Zukünftig hoffen Mira und Leonie, durch ihre Onlinepräsenz auch jüngere Menschen zu erreichen. „‚Kunst ist langweilig‘ ist ein Vorurteil, das in vielen Köpfen unserer Generation verankert ist,“ erklärt Leonie und gesteht, dass sie vor nicht allzu langer Zeit ebenfalls von dieser Annahme überzeugt gewesen sei. Auch Mira erinnert sich: „Meine Mutter hat mich früher immer mit in Kunstmuseen geschleppt, und ich habe es gehasst.“ Seit mehreren Jahren trage der Zwang aber seine Früchte: Kunst sei ein Hobby von Mira geworden, das sie nie mehr missen wolle. Umso mehr genieße sie ihren neuen Job und insbesondere die Atmosphäre der Kunstszene, wie sie verrät. Auch Leonie hat ihre damalige Abneigung zur Kunst gänzlich abgelegt: „Kunst ist etwas, das sich stetig ändert. Jeder kann seine Berührungspunkte damit finden, solang man dem Ganzen eine Chance gibt und sich drauf einlässt“, schwärmt sie. Unerfahrenen rät sie, sich vor Museumsgängen über die jeweiligen Künstler schlau zu machen. Außerdem seien Ausstellungseröffnungen eine gute Gelegenheit, den Künstler selbst zu erleben.

Mit etwas Vorbereitung gelingt es bald vielleicht auch Kunstmuffeln, einen gewissen Sinn in ausgestellten Gemälden zu erkennen und sich an dem „Erfolgserlebnis“, wie es Mira beschreibt, zu freuen.









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