Montag, 14.09.2020

Mittwoch, Schabernack und Köftespieß

Leserbrief

Maulpesto, I bims, Tindergarten, Snackosaurus: Jedes Jahr überrascht der Langenscheidt Verlag mit neuen, teils einfallsreichen, teils sonderlichen, Wortschöpfungen, die es in die engere Auswahl zum Jugendwort des Jahres schaffen. Auch dieses Mal reichte die Internet-Community ihre Vorschläge ein: Anders als sonst greift sie 2020 vermehrt auf Bekanntes zurück – vielleicht der Tatsache geschuldet, dass im vergangenen Jahr kein Jugendwort gewählt wurde und jetzt Nachholbedarf herrscht. Bekannte Wörter in den Top 10 wiederzufinden ist aber gar kein Problem: Retro liegt ohnehin im Trend. Die Junge Szene stellt die heißesten und absurdesten Anwärter für das Siegertreppchen vor.

Mittwoch

Was wäre das Internet ohne seine Memes? Bei so vielen negativen Nachrichten aus aller Welt hat sich seine Community auf Seiten wie 9gag, Reddit, Twitter, Instagram und Co. nahezu auferlegt, die trübe Stimmung mit banalen Witzen zu erhellen. Auch der Mittwochsfrosch, wie sie ihn liebevoll nennt, gehört dazu. „Es ist Mittwoch, meine Kerle“, begrüßt er die Nutzer, die ihn mittels Photoshop jeden Mittwoch neu in Szene setzen: mal mit Bierkrug und Lederhose, mal mit Diadem und silberner Halskette und an anderen Tagen als Influencer mit Calvin Klein Unterwäsche und Smartphone.

Cringe

Diesen Ausdruck kennen wir schon seit mehreren Jahren. Doch er hat sich bewehrt: Vielleicht, weil es einfach kein anderes Wort als „Cringe“ gibt, mit dem man seinen Fremdscham besser ausdrücken könnte. Ein unangefochtener Liebling, der aus dem Wortschatz Jugendlicher nicht mehr wegzudenken ist.

Schabernack

Nach Begriffen wie Snackosaurier und Vollpfostenantenne plötzlich Schabernack, ein Wort, das der Ausdrucksweise Jugendlicher ferner kaum sein könnte, in den Top 10 zu sehen, hat viele irritiert. Wer die Vorgeschichte nicht kennt, mag hinter der Platzierung vielleicht sogar einen Schabernack im wahrsten Sinne des Wortes vermuten. Verantwortlich für den neusten Ruhm des Wortes ist jedoch CDU-Politiker Philipp Amthor.

Nachdem das Video „Die Zerstörung der CDU“ von Youtuber Rezo 2019 auf allen medialen Kanälen durch die Decke schoss, kündigte die kritisierte Partei schneller Hand an, ein Antwortvideo zu veröffentlichen – nur, um den Entschluss wenige Stunden später zu wiederrufen. Als hätte sich die Partei bei der Jugend damit nicht schon unbeliebt genug gemacht, setzte Philipp Amthor auf Social-Media noch einen oben drauf.

„Hi, Rezo, du alter Zerstörer“, beginnt der Politiker sein Instagram-Video. Plötzlich eine Unterbrechung. „So. Genug, Schabernack“, witzelt er. „Ihr habt doch nicht ernsthaft geglaubt, dass ich hier mein Rezo-Antwortvideo poste.“ Kommentare wie „Ein Wurm hat mehr Rückrad“, „Cringe“ und „Peinlich“ fassen gut zusammen, was die Jugend davon hält. Zu einem gehassten Gesicht ist Amthor aber nicht geworden. Schließlich bringt das Meme „Genug Schabernack“ die Internet-Community immer noch zum Lachen – wenn auch nicht in einem für den Politiker schmeichelhaften Sinne.

Lost

„Lost, lost, lost, lost, lost. Sie ist lost“, singt Rapper Ufo361 – wer hätte es gedacht – in seinem Song „Lost“, der dem englischen Wort maßgeblich zu seinem Ruhm unter Jugendlichen in Deutschland verhalf. Wer jetzt völlig auf dem Schlauch steht, gilt genau als das, was das Wort beschreibt: „verloren“ beziehungsweise ahnungslos oder verunsichert.

Köftespieß

Schon wieder stoßen wir auf ein Meme – dieses Mal zeigt es Rapper Xatar, der nach seiner Haftentlassung in einem Interview sagte, er wolle erst einmal einen Köftespieß essen. Das Interview wurde 2013 veröffentlicht, 2020 aber von Rapper Lil Lightzkin in einem Scherz-Lied erneut aufgegriffen. Seit dem gelten Köftespieße unter Jugendlichen als Symbol für die einfachen Dinge im Leben, die glücklich machen.

No front

„No front“ ist ein Ausdruck, den der Langenscheidt Verlag wahrscheinlich öfter zu lesen bekommen würde, wenn sich seine Kritiker in jugendlicher Sprache an ihn wenden würden. Nämlich soll er negative Äußerungen entschärfen und verdeutlichen, dass etwas nicht verletzend gemeint ist.

Das wäre vielleicht hilfreich gewesen, wenn man bedenkt, dass der Verlag die Wahl zum Jugendwort 2019 wegen starker Kritik einstellte. Häufigster Kritikpunkt: Die ausgewählten Wörter würden die Jugendsprache nicht tatsächlich abbilden.

So wird der Jugend nun erstmalig überlassen, das Jugendwort aus den Top 3 per Online-Voting selbst zu küren. Vorab stellte eine Jury jedoch die Top 10 aus Online-Vorschlägen zusammen.

Für die Top 3 könnt ihr bis heute Abend auf www.langenscheidt.com abstimmen. Am Sonntag startet dann das Voting zum Siegerwort.









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