Montag, 21.01.2019

Mit einer Spende zum Lebensretter werden

Leserbrief

Goslar. „Mund auf, Stäbchen rein, Spender sein“, diesen Werbeslogan für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) hat wohl jeder schon einmal gehört. Dieser Satz erklärt, wie einfach es ist, sich als Stammzellen-Spender registrieren zu lassen. Aber es ist nicht nur einfach, sondern auch wichtig. Mit Stammzellen kann das Leben von Menschen gerettet werden, die an Blutkrebs erkrankt sind.

„Alle 15 Minuten erkrankt ein Mensch an Blutkrebs“, war ein Fakt, den die Schüler der Berufsbildenden Schulen (BBS) Am Stadtgarten wohl so schnell nicht vergessen. Zum zweiten Mal hat die Schülervertretung eine Typisierungsaktion organisiert. Nicole Ruf von der DKMS und die 26-jährige Katharina Meyer, die selbst Stammzellen gespendet hat, informierten über die Einzelheiten.

Gutes Gefühl

Nachdenklich gestimmt hat die Schüler auch, dass es für jeden zehnten Betroffenen keinen Spender gebe. „Die Suche nach dem genetischen Zwilling ist schwer. Es existieren mehr als 50 Millionen Kombinationsmöglichkeiten der Gewebemerkmale“, erklärte Ruf. Deshalb ermutigte sie die Jugendlichen, sich typisieren zu lassen. Dabei konnten die Schüler selbst herausfinden, wie einfach es ist, sich in der Spenderdatei registrieren zu lassen. Sie mussten einen Fragebogen über sich und ihren Gesundheitszustand ausfüllen sowie mit Wattestäbchen Proben aus ihrer Wangenschleimhaut nehmen.

Wie leicht es ist, seine Stammzellen zu spenden und was für ein gutes Gefühl das hinterlässt, berichtete Katharina Meyer. Sie erhielt ganz unvermittelt eine E-Mail, dass sie als potenzielle Spenderin in Frage komme. Nach einigen Untersuchungen und ihrer Zustimmung ging alles ganz schnell: Im Krankenhaus wurden ihr Stammzellen aus dem Beckenkamm entnommen. „Das war nicht schlimm und tat auch nicht weh“, sagte Meyer.

Ein Routineeingriff

Wer trotzdem Bedenken hatte, den konnte Nicole Ruf beruhigen. „Das ist ein Routineeingriff. Das einzige Risiko stellt die Narkose dar, doch auch das ist ziemlich gering“ erklärte sie. Laut der DKMS-Expertin wird die Entnahme aus dem Beckenkamm in rund 20 Prozent der Fälle vorgenommen. Beim Rest werden die Stammzellen aus dem Blut des Spenders herausgefiltert. Das dauert etwa vier bis acht Stunden.

Bei aller Euphorie betonte Nicole Ruf, dass eine Stammzellenspende keine Garantie sei. „Es ist aber eine Chance auf ein zweites Leben“, sagte sie. Dass es nicht immer gut ausgehen kann, zeigte leider die Gesichte von Katharina Meyer. Sie spendete ihre Zellen an eine 23-jährige Frau aus den USA, der es zwar anfangs besser ging, die nach einigen Monaten aber trotzdem verstorben ist. „Ich würde es aber trotzdem immer wieder tun“, erzählte Meyer.

HINTERGRUND

Bei Blutkrebs ist die normale Blutbildung durch die unkontrollierte Vermehrung von bösartigen Zellen gestört. Stammzellen befinden sich im Knochenmark. Bei einer Spende werden gesunde Stammzellen transplantiert, aus denen sich ein neues blutbildendes System entwickeln kann. Ab 17 Jahren darf sich jeder typisieren lassen, der mehr als 50 Kilogramm wiegt, höchstens einen BMI von 40 hat und gesund ist. Das Höchstalter für die Registrierung ist 55. Weitere Informationen gibt es unter www.dkms.de.  









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