Montag, 24.06.2019

Melancholische Klänge zum Tanzen

Leserbrief

Als Mark Ronson, der Mann hinter „Uptown Funk“, Amy Winehouse‘ „Back To Black“-Album und „Shallow“ von Lady Gaga und Bradley Cooper, sein neues Album „Late Night Feelings“ schrieb, ging es ihm beziehungsbedingt beschissen. Ein starkes und für seine Verhältnisse ungewöhnlich modern klingendes Popmusik-Album ist ihm trotzdem gelungen. Wir sprachen mit Mark Ronson in Berlin.

Er guckt aber auch schon so traurig. Vielleicht ist er auch nur müde vom langen Flug. Wenn man Mark Ronson eines abnimmt, dann: Ein Album voll mit traurigen, tieftraurigen und todtraurigen Liebeskummerliedern, von dem er behauptet, es sei sein bisher persönlichstes und bestes. Ein Album also wie „Late Night Feelings“. Grund für Mark Ronsons Schaumbad in der Melancholie ist vor allem: Seine Scheidung von der Französin Josephine de La Baume, Schauspielerin und Model von Beruf, nach sechs Jahren Ehe. „Ich habe das nicht richtig kommen sehen“, blickt Mark auf die Trennung Anfang 2017 zurück, für die er sich übrigens selbst die Hauptverantwortung zugesteht. „Eigentlich arbeitete ich an einem ganz anderen Album, aber als sich unsere Ehe aufgelöst hatte, kamen nur noch diese traurigen, desillusionierten Songs dabei heraus, sobald ich mich ans Klavier setzte oder die Gitarre nahm.“

Zum Tanzen geeignet

Nicht, dass die Musik selbst einen niederschlägt. „Late Night Feelings“ ist bei weitem nicht frei von Upbeat-Stücken, man kann absolut dazu tanzen. Auch sind die neuen Songs die modernsten, will sagen: un-retrohaftesten, die Ronson wohl je aufgenommen hat, was auch an seiner Zusammenarbeit mit Diplo – gemeinsam nennen sie sich Silk City – zusammenhängt. „Ich wollte mich einem zeitgemäßeren Sound nicht verschließen. Meine Musik ist halt beeinflusst von den 23 Jahren, die ich schon in Nachtclubs auflege“, sagt der in London geborene, in New York in jeder Hinsicht großgewordene und seit drei Jahren wegen der Arbeit (unter anderem mit Bruno Mars oder den Queens Of The Stone Age) in Los Angeles lebende Ronson.

Mit dem dort dominierenden Gesundheitskult und dem von „Grünkohl sowie gesunden Säften“ geprägten Lebensstil hat sich der Produzent übrigens im Laufe der Zeit angefreundet. Aber die Texte, etwa der von „Spinning“, der von „Don’tLeave Me Lonely“ oder auch jener, der vorab schon erfolgreichen Country-nahen Single „Nothing Breaks Like A Heart“, gesungen von Miley Cyrus, offenbaren tiefe Verzweiflung, Einsamkeit und Unsicherheit. Dabei ist es nicht Marks Stimme, die man hört, sondern unter anderem die von den Sängerinnen Yebba, Lykke Li oder Alicia Keys. Dass ausnahmslos Frauen auf „Late Night Feelings“ singen, ist freilich ein weiterer Zufall. „Weibliche Künstlerinnen haben in meinem Leben traditionell eine hohe Präsenz. Ich fühle mich Frauen einfach zugeneigt. Ich kann gut mit Frauen. Meine Mutter, eine wunderbar exzentrische, grandiose, gefühlsmäßig komplizierte Person, ist bis heute ein sehr wichtiger Mensch in meinem Leben.“

Ronson produzierte bekanntlich „Back To Black“ von Amy Winehouse, sowie die „Shallow“-Single von Lady Gaga.

Niemals richtig glücklich

Nun erzählt Mark Ronson ausführlich, wie sehr er sich immer über alles sorge und nie richtig glücklich sei, zumindest nicht dauerhaft. Nach dem Monsterfolg mit „Uptown Funk“ mit Bruno Mars? Dem Grammy für „Shallow“? „Habe ich vielleicht mal eine Nacht Champagner getrunken und gefeiert. Am nächsten Tag war die Realität wieder da.“ Vielleicht sei seine Musik deshalb so gut, weil er immer so viel hadere und grüble, dennoch hat sich Mark seit einiger Zeit einem Hobby zur Lebenslagenaufhellung verschrieben. Eigentlich zwei. Er meditiert fast jeden Morgen. „Und ich habe zwei mittelgroße und wirklich von Natur aus ulkige Hunde adoptiert.“ Auch eine Freundin hat er wieder, und wer weiß, vielleicht ist auf dem nächsten Album das Discokugelherz ja nicht mehr zerbrochen.








Weitere Topthemen aus der Region:
  • Archiv
    Feuerwehr kehrt von Großeinsatz zurück
    Mehr
  • Oberharz
    Heimat durchs Schlüsselloch entdecken
    Mehr
  • Braunlage
    Der steinige Weg des Welterbes Grube Samson
    Mehr
  • Langelsheim
    Freibadfans haben Qual der Wahl
    Mehr
  • Schladen
    „Im tollen Sommer trägt sich das Bad selbst“
    Mehr