Freitag, 01.12.2017

Mehr Zeitvertreib als echte Wissenschaft

Leserbrief
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Goslar. Sie gehören in Jugend-Zeitschriften wie Star-Poster, Kummerkasten-Seiten und die Foto-Love-Story: Psychotests. Diese Fragebögen sollen uns dabei helfen, unserer eigenen Persönlichkeit auf den Grund zu gehen.

Dabei sollen wir einfach nur bei ein paar Fragen die Antworten ankreuzen, der wir am ehesten zustimmen, und schon wissen wir mehr über uns selbst und unsere Umwelt: Wie eifersüchtig bist du? Steht dein Schwarm wirklich auf dich? Welche Frucht bist du?

All das sind reale Psychotests, die wir in Zeitschriften oder im Internet absolvieren können, die allerdings manchmal mehr, manchmal weniger ernst genommen werden sollten. Betrachten wir das Ganze doch mal nüchtern: Was steckt wirklich hinter den Psychotests? Können uns die Fragebögen tatsächlich weiterhelfen, uns und unsere Umwelt zu analysieren? Oder ist es einfach nur ein sinnloser Spaß?

Tendenzen entdecken

Claudia Brümmer versteht, warum so viele Jugendliche Spaß an Psychotests haben. Laut der Psychologin der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche des Landkreises Goslar üben sie vor allem auf Heranwachsende einen gewissen Reiz aus, da diese sich gerade noch in der Phase der Identitätsfindung befinden.

Aus Sicht einer Psychologin sind die Ergebnisse aber nicht wissenschaftlich haltbar: „Man kann vielleicht eine Tendenz entdecken, Hinweise auf bestimmte Persönlichkeitsmerkmale“, meint Brümmer. Die Tests, die wir aus Zeitschriften kennen, könnten zwar eine Orientierungshilfe sein und ein Anlass, die eigene Persönlichkeit zu reflektieren und zu beobachten. Allerdings sollten sich Jugendliche nicht auf die Ergebnisse versteifen: „Die Persönlichkeitsentwicklung ist bei ihnen noch gar nicht abgeschlossen. Bis sie 25 oder sogar 26 Jahre alt sind, kann da noch sehr viel passieren“, erklärt die Psychologin. Zudem sind die meisten Tests auch sehr allgemein ausgelegt, sodass sich möglichst viele Leser darin wiederfinden. „Oft durchschaut man sie zudem und weiß, zu welchem Ergebnis die Antworten im Endeffekt führen“, meint Brümmer.

Spaß daran behalten

Den Spaß daran will sie aber gar nicht leugnen. Ihrer Meinung nach sind Psychotests in Zeitschriften ähnlich wie Horoskope: Sie sollen vor allem der Unterhaltung und als Zeitvertreib dienen und uns durch ihre Art amüsieren. Eine tatsächliche psychologische Diagnose unserer Persönlichkeit liefern sie allerdings nicht. Das können nur Tests mit einem standardisierten Verfahren, hinter denen sehr viel mehr Wissenschaft steckt und die Fachwissen über unsere Psyche aufgreifen.



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