Dienstag, 13.11.2018

Literatur für die Ohren

Sie würden gerne mal wieder ein Buch lesen und finden einfach nicht die Zeit dazu? Kein Problem – lassen Sie sich den Titel Ihrer Wahl doch einfach vorlesen!

Hörbücher sind eine gute Alternative für alle vielbeschäftigten Literaturfreunde. Beim Kartoffelschälen, Hemdenbügeln oder Autofahren erfreuen sie sich ganz nebenbei an Krimi, Klassiker oder Liebesromanze. Die Auswahl an literarischem „Lauschmittel“ ist riesig. Nahezu jede gewinnversprechende Neuerscheinung wird auch in einer Hörbuchfassung angeboten.

Damit die gesprochene Ausgabe ein Erfolg wird, suchen Verlage passende Sprecher sorgfältig aus. Eingesetzt werden ausschließlich Profis: Schauspieler, Rundfunk- oder Synchronsprecher sind in der Lage, einen Text einfühlsam zu gestalten und bis zu 100 Seiten pro Tag „abzuliefern“. Um Debütromane unbekannter Autoren in literarische Ohrwürmer zu verwandeln, werden meist prominente Schauspieler engagiert: Klangvolle Namen wie Iris Berben oder Christoph Maria Herbst garantieren Publicity und Reichweite.

Doch nicht immer sind klingende Namen die beste Voraussetzung für eine erfolgreiche Vertonung: Bei Autobiografien ist häufig eine eher unbekannte Stimme gefragt. Dann soll nämlich die Lebensgeschichte des Verfassers und nicht die Person des Sprechers im Vordergrund stehen. Kontinuität ist bei der Produktion von Fortsetzungsromanen gefragt. So wurden alle Hörbuchfassungen der Harry-Potter-Reihe dank Rufus Beck zu unterhaltsamen Audio-Bestsellern.

Wie sehr die Aura des Vortragenden den Charakter eines Textes beeinflusst, verdeutlicht ein einfaches Beispiel: Wenn Jürgen von der Lippe den Ratgeber „Gelassenheit – Was wir gewinnen, wenn wir älter werden“ des Philosophen Wilhelm Schmidt liest, überzeugt der lebensfrohe Genussmensch mit jedem Wort. Wie anders die Wirkung wäre, wenn „Topmodel“ Heidi Klum das Buch zum „Klingen“ brächte, mag sich der geneigte Leser bitte selbst vorstellen.Elke Brummer