Montag, 25.03.2019

Lena Meyer-Landrut hat ihre Mitte gefunden

Leserbrief

Die Krise ist Geschichte. Nach einem für sie unschönen Jahr 2018 – Lena und ihr Freund Max trennten sich nach acht Jahren Beziehung, ein erster Albumentwurf landete in der Tonne, zweimal musste sie ihre Tournee verschieben – hat die gebürtige Hannoveranerin, die mittlerweile in Berlin lebt, die Kurve gekriegt und mit „Only Love, L“ ein Album aufgenommen, das ihr bislang Persönlichstes ist.

Amerikanisch geprägten R&B – Lena hat die Platte teils in Los Angeles aufgenommen, das hört man – mischt sie mit zugänglichem Pop und Songtexten, die von dem langen, nicht immer unbeschwerlichen und noch längst nicht beendeten Weg der 27-jährigen Ex-ESC-Gewinnerin („Satellite“, 2010) zu sich selbst handeln.

Lena, worum geht es in deiner neuen Single „Don’t Lie To Me“?

Ums Lügen. Mir selbst ist eine Situation passiert, in der ich mich mit einer Freundin belogen habe. Zwischen uns hat es richtig gekracht deswegen. Gottseidank haben wir uns jetzt wieder versöhnt.

Was war denn der Auslöser?

Wir haben uns einfach nicht getraut, ehrlich zueinander zu sein. Weil wir uns nicht wehtun wollten. Ich lüge am ehesten, wenn ich jemanden nicht verletzten möchte oder wenn ich die Person beschützen möchte – vor sich selbst, aber auch vor anderen. Ansonsten kennen wir ja alle die kleinen Notlügen des Alltags. Ich glaube, wenn man sich vornehmen würde, einen Tag komplett ehrlich zu sein, dann würde man sich erschrecken, wie viel man doch flunkert, verdreht oder weglässt.

Musikalisch klingt „Don’t Lie To Me“ allerdings sehr fröhlich und fetzig.

Ja, das ist ein totaler Popsong. Ein schneller Song, der trotz der ernsten Worte Spaß machen soll.

Würdest du „Only Love, L“ insgesamt als Popalbum bezeichnen?

Ja, absolut. Es gibt auch ein wenig Soul und amerikanisch inspirierten R&B wie in „Sex In The Morning“ oder „Private Thoughts“, und auch die eine oder andere Ballade. Doch im Grunde bin ich froh, eine Pop-Lena zu sein und meine Präferenzen auf der Platte ausleben zu können.

Du hattest zuletzt einen kleinen Hänger. Das Album und die Tournee wurden zweimal verschoben, dazu kam die Trennung von deinem langjährigen Freund. Ist „Only Love, L“ ein Neustart für dich?

Ja! Es gab diese Phase der „Krise“, wo ich was geschrieben hatte und dann im Auto saß und mich plötzlich fragte „Warum mache ich das eigentlich?“ Die Songs, an denen ich arbeitete, hatten keinen Inhalt, keinen roten Faden, und ich entschied mich schließlich, alles in die Tonne zu schmeißen und noch mal anzufangen. Ich machte die Schotten dicht, blendete alles aus, hörte auch mit der ganzen Ablenkung wie Events, Beautykram und Basketballspielbesuche auf. Ich stellte fest: Vieles, womit ich meine Zeit verbrachte, machte ich nur, damit ich mich nicht mit mir selbst beschäftigen musste. Irgendwann fing ich dann an, dieses Album zu schreiben.

Was hast du in dieser Phase über dich selbst herausgefunden?

So ganz in die Tiefe zu gehen, das wäre mir jetzt zu privat. Ich kann sagen: Ich habe meine Mitte gesucht und auch gefunden. Ich habe mehr innere Ruhe, mehr Vertrauen in mich selber, mehr, im wörtlichen Sinne, Selbstbewusstsein. Das bedeutet nicht, dass ich mich jetzt total geil finde, sondern dass ich nicht mehr so abhängig bin von den Einschätzungen anderer Menschen mir selbst gegenüber. Ich bin unabhängiger geworden, emotional wie beruflich. Und ich denke, ich habe Klarheit und Stärke dazugewonnen.

Du hast zweieinhalb Millionen Follower auf Instagram. Was ist das Internet für dich – Spaß, Sucht oder Job?

Da sind die Grenzen fließend. Die Follower muss man bespaßen, klar, und ich mache das grundsätzlich auch gerne. Aber es ist auch Teil meiner Arbeit. Ich mache die Beiträge auf Instagram alle selbst und versuche, so locker und authentisch wie möglich sein. Ich passe auf, dass ich nicht zu sehr in diese Influencer-Rolle rutsche, sondern in den sozialen Medien das begleite, was ich sowieso tagtäglich mache.

Die Reaktionen auf deine Beiträge im Netz wirken immer besonders extrem, praktisch jeder Post wird in den Medien bewertet. Mal heißt es „Fans schockiert“, am nächsten Tag „Fans begeistert“, oder es heißt, du seist wahlweise zu dünn, zu nackt, zu traurig. Wie kommt das bei dir an?

Irgendwelche Leute stören sich immer an dir. Auch da bin ich dabei, eine Gelassenheit zu entwickeln und zu verstehen, dass ich nicht persönlich angegriffen werde, sondern eine Projektionsfläche bin. Die Leute, die mich angreifen, haben wahrscheinlich selbst ein Problem und suchen dafür ein Ventil. Spurlos geht das nicht an mir vorüber, aber unnötig zu Herzen nehme ich mir diese Dinge auch nicht. Am Ende ist für mich wichtig, womit ich mich wohl und glücklich fühle.

Deinen Nachfolgerinnen bei ESC, dem Duo S!sters, drückst du wahrscheinlich beide Daumen, oder?

Natürlich. Ich kenne Laura schon ganz lange, sie ist meine Backgroundsängerin. Ich werde den ESC aufmerksam verfolgen, stehe, wenn die beiden das möchten, auch mit Rat und Tat zur Seite und bin mir sicher, dass die Mädels das super wuppen werden.







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