Mittwoch, 06.02.2019

Leidenschaftliche Diskussion über Pflichten und Verantwortung

Leserbrief

Goslar. Der Elternbrief des Ratsgymnasiums (RG) erreicht natürlich nicht nur die Erziehungsberechtigten. Auch auf dem Schulhof sorgt er für Gesprächsstoff. Es gibt viel Verständnis für das Schreiben, aber auch kritische Stimmen unter den Schülern werden laut. Die Elftklässler Jasmin Schulz, Jacob Lucas, Stina Ackermann und Emrah Acar haben sich mit ihrem Schulleiter zusammengesetzt, um über den Brief zu diskutieren.

Jacob Lucas gehört zu den Schülern, die recht schnell das Gespräch mit Hans-Peter Dreß gesucht haben. Der Brief sei teilweise unglücklich formuliert, sagt der 17-Jährige. „Wenn ein Brief aufklären soll, dann müssen alle Problematiken angesprochen werden“, meint Jacob. Damit bezieht er sich auf die Beschreibung des Spieles „Fortnite“. Das Schreiben würde nicht vor dem größten Problem warnen, der Ausbeutung. Das Spiel sei zwar kostenlos, aber dennoch könnte insbesondere jungen Schülern „das Geld aus der Tasche gezogen werden“. In dem Spiel hätten sie die Möglichkeit, das Aussehen ihrer Charaktere zu verändern, indem sie echtes Geld investieren.

Ballerspiel-Debatte

Jacob wollte erst eigentlich nicht die altbekannte Ballerspiel-Debatte anfangen, ob solche Programme gewalttätig machen oder nicht. Aber trotzdem entstand im Schulleiter-Büro eine leidenschaftliche Diskussion zwischen ihm und Dreß. Der Schüler findet, dass das Spielziel in dem Elternbrief zu einseitig dargestellt werde. „Der Fokus liegt nicht auf dem Töten. Es geht darum, taktisch zu gewinnen und eine Strategie zu entwickeln, mit der man sich den verschiedenen Situationen anpasst“, sagt er. Außerdem würde es in fast jedem anderen Spiel ja auch darum gehen, den Gegner zu besiegen oder zu töten. Jacob will aber noch einmal betonen, dass er und sein Freund Emrah selbst keine „Fortnite“-Fans sind.

Jasmin Schulz, die seit drei Jahren in der Schülervertretung (SV) ist, findet den Brief trotz der kleinen Fehler gut. So würden Eltern aufgeklärt werden, was ihre Kinder im Internet treiben und könnten mehr darauf achten. „Manche Eltern ruhen sich aus und sehen die Schule in der Pflicht, Aufklärungs- und Erziehungsarbeit zu leisten“, sagt die 17-Jährige. Das sei aber ein ziemlich wichtiger Teil, der zu Hause geleistet werden müsse, auch wenn es für die Eltern unangenehm und ernst werden könnte.

WhatsApp auch zum kontaktieren der Lehrer

Ihre Freundin Stina Ackermann, ebenfalls Mitglied der SV, geht noch einmal auf „WhatsApp“ ein, nachdem viel über „Fortnite“ diskutiert wurde. Früher hätten sie oft über den Messenger mit ihren Lehrern kommuniziert, beispielsweise, wenn sie auf Klassenfahrt waren. Nach den neuen Datenschutzrichtlinien sei das aber nicht mehr erlaubt. Die 16-Jährige erzählt, dass auch bei ihr im Klassenchat nicht nur über Hausaufgaben gesprochen wurde. „Es wurde viel Schwachsinn verbreitet. In unteren Klassen kommt das jetzt bestimmt öfter vor, weil „WhatsApp“ noch beliebter ist“, vermutet sie. Deswegen findet sie es gut, dass in dem Brief explizit auf den Messenger eingegangen werde, damit die Eltern das Gespräch mit ihren Kindern suchen. Emrah Acar ist sich aber unsicher, ob ein Elternbrief daran viel ändern könne. „Oft geben Kinder den Brief ab und Eltern unterschreiben nur schnell. Die Wenigsten lesen ihn richtig“, glaubt der 16-Jährige. Sein Freund Jacob stellt daraufhin die Frage, ob es notwendig sei, solch einen Brief auch noch in höheren Klassen zu verteilen. Er und seine Mutter sind der Ansicht, dass es ab etwa 14 Jahren selbstverständlich sein sollte, sich den Gefahren des Internets bewusst zu sein. „Mit einem Elternbrief ist nicht die Welt geändert, aber ein Schritt in die richtige Richtung ist er auf jeden Fall“, sagt er abschließend. Diesen Satz können auch die anderen drei Schüler so unterschreiben.








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