Montag, 03.08.2020

Lebenshilfe Goslar hat noch Plätze für Freiwilligendienste zu vergeben

Leserbrief

Goslar. Im Normalfall wären die meisten Bewerber Anfang August längst in ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bei der Lebenshilfe in Goslar gestartet. Hinsichtlich der Unruhe, die die Pandemie bei jungen Erwachsenen säte und den vielen ausgebliebenen Abiturjahrgängen durch den Wechsel der Schulform G8 zu G9 blieb eine Bewerberflut bislang aus. Nun hofft das Team der Lebenshilfe auf spontane Einsteiger, die motiviert sind, freie Plätze zu füllen.

Nina Paulmann und Ravza Yakisam haben ihr FSJ bei der Lebenshilfe nun fast hinter sich. Die anfängliche Motivation hinter dem FSJ war für beide 19-Jährige die Ratlosigkeit darüber, welcher Beruf der richtige für sie ist: Unsicherheit, die bei Bewerbungsgesprächen in der Regel nicht gut ankommt. Anders aber bei der Lebenshilfe. „Das FSJ ist ja dafür da, um sich auszuprobieren. Die Bewerber kommen aus der Schule und stehen an einem Wendepunkt. Sie befinden sich in einer Findungsphase“, unterstreicht Claudia Rothe, Personalreferentin für die Aus- und Weiterbildung bei der Lebenshilfe Goslar.

Sozialer geht es kaum

Nach fast einem Jahr bei der Lebenshilfe können Nina und Ravza ihre Mission als erfolgreich einstufen. Die anfängliche Unschlüssigkeit ist beseitigt: Nina, die in der Werkstatt Menschen mit Beeinträchtigung bei Montagearbeiten und anderen werklichen Aufgaben unterstützt, ist klar geworden, dass soziale Arbeit nichts für sie ist. Verschenkte Zeit sei das FSJ für sie aber keinesfalls. „Es hat viel Spaß gemacht“, rekapituliert sie. Außerdem habe sie in dieser Zeit viele Erfahrungen sammeln können. „Durch die Abwicklung zum Beispiel auch im kaufmännischen Bereich“, wirft Dominik Wolf, Leiter der Werkstatt (Halle 5) der Lebenshilfe ein.

Ravza, die nun fast ein Jahr lang in der Wohngruppe Kattenberg hospitierte, hat die Arbeit in ihrem Berufswunsch bestärkt: Arbeit mit Menschen mit Beeinträchtigung liegt ihr absolut. „FSJler können sich in der Wohnstätte gut einbringen. Es geht darum, die Bewohner im Alltag zu begleiten. Das umfasst zum Beispiel die Hilfe beim Wäschewaschen, bei der Geldverwaltung oder beim Einkaufen“, erklärt Jana Hiller, Teamleiterin der Wohngruppe Kattenberg.

Zeit ins Herz geschlossen

Was Ravza besonders schätzt, ist die menschliche Individualität, die bei ihrer Arbeit im Mittelpunkt steht. Die Klienten, die sie betreut, hat sie über die Zeit tief ins Herz geschlossen. „Persönlichkeiten haben hier Raum“, erklärt Hiller. Auch Wolf betont: „Es ist schön, wie sich die Leute freuen, dich zu sehen. Sie haben meist sehr viel Respekt vor einem, sind herzlich und ehrlich: Sie sagen dir, wenn sie dich mögen, sagen es dir aber auch direkt, wenn sie dich nicht mögen.“

Dass ihr FSJ bald zu Ende geht, hinterlässt bei Ravza gemischte Gefühle: „Es ist einerseits schade, nicht mehr dort zu sein, weil man ein eingespieltes Team ist. Wir sind wie eine Familie geworden. Andererseits freue ich mich auch auf etwas Neues“, sagt die 19-Jährige.

Interesse geweckt?

Wer Lust auf ein FSJ bei der Lebenshilfe in Goslar hat, kann sich mit einem klassischen Anschreiben, dem letzten Zeugnis und Lebenslauf bewerben. Einen guten Eindruck hinterlasse derjenige, aus dessen Zeilen man die Motivation für die Bewerbung heraus liest, betont Rothe. Auf die Noten käme es primär nicht an. Vielmehr sei wichtig, Empathie und Freude am Umgang mit Menschen mit Beeinträchtigung mitzubringen.

Die Arbeitszeit beträgt knapp 170 Stunden im Monat. Jeder FSJler bekommt ein Taschen- und Verpflegungsgeld, dass je nach Wohnsituation berechnet wird. Aktuell sind sowohl Plätze in der Wohngruppe als auch in der Werkstadt frei. Wer nicht weiß, welcher Fachbereich zu ihm passt, kann sich per Telefon beraten lassen oder sich auf mehrere Bereiche gleichzeitig bewerben.









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