Mittwoch, 05.02.2020

Kurzweilig und unterhaltsam

Leserbrief
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In der Grand Central Station von New York City sind alle Züge gestrichen. Alle Tunnel und die 21 Brücken, die über den Hudson River, den East River und den Harlem River nach Manhattan führen, wurden gesperrt. Polizeiboote patrouillieren. Während der öffentliche Verkehr zum Erliegen kommt, werden auf den riesigen Bildschirmen am Times Square die Eilmeldungen eingeblendet: Manhattan ist komplett abgeriegelt. In diesem Szenario des Thrillers „21 Bridges“ hat ein Polizist nur eine Nacht Zeit, um zwei Mörder zu fassen.

Als Kind verlor Polizistensohn Andre Davis seinen Vater, der von drei Gangstern umgebracht wurde. Rund 20 Jahre später ist Andre selbst ein Cop in New York und unter Kollegen bekannt dafür, Polizistenmörder zu jagen. Marvel-Star Chadwick Boseman („Black Panther“) spielt den ruhigen Ermittler, der nicht unbedingt wie Clint Eastwoods „Dirty Harry“ wirkt, sich aber internen Untersuchungen stellen muss, weil er im Dienst auffällig viele tödliche Schüsse abgegeben hat. Als zwei Räuber (Taylor Kitsch und Stephan James) bei einem Einbruch in ein Restaurant mehrere Polizisten erschießen, wird Detective Davis auf den Fall angesetzt. Da alles auf einen Raub unter Drogenhändlern hindeutet, soll er mit der Rauschgiftfahnderin Frankie Burns (Sienna Miller) zusammenarbeiten. Und sogar das FBI zeigt Interesse an dem Fall, bei dem Davis bald einige Ungereimtheiten entdeckt.

Damit die Täter nicht aus der Stadt fliehen können, lässt Davis bis zum nächsten Morgen ganz Manhattan abriegeln. Auf seiner nächtlichen Suche nach dem kriminellen Duo stellt er fest, dass er sich in einem Wettlauf mit seinen wütenden und rachsüchtigen Kollegen befindet. Die wollen die Täter gar nicht fassen, sondern eigentlich lieber schnell töten.

Die beste Idee des Films lässt Regisseur Brian Kirk praktisch ungenutzt. Dass die 21 Brücken von Manhattan gesperrt sind, sieht man nur in einer kurzen Szene. Auf die weitere Handlung und das Verhalten der flüchtigen Verbrecher hat die massive Polizeiaktion keinen sichtbaren Einfluss. Chadwick Boseman macht als aufrichtiger Cop eine hervorragende Figur. Die vielseitige Sienna Miller kommt in dem Film hingegen zu kurz, weil ihre Rolle schlicht überflüssig ist. Oscar-Gewinner J. K. Simmons spricht nur klischeehafte Phrasen, die man unzählige Male in Polizei-Thrillern gehört hat. Genau genommen hat man vieles, was in dem Film passiert, schon irgendwo gesehen. Und oft ahnt man, was als nächstes kommt.

Wirklich mitreißend ist „21Bridges“ nicht. Aber trotz seiner Makel ist der Film kurzweilig und unterhaltsam. Das liegt an seinem Erzähltempo und daran, dass alles innerhalb einer Nacht spielt. Vor allem aber liegt es am sympathischen Hauptdarsteller. Von Chadwick Boseman als aufrichtigem Polizisten hätte man gern noch mehr gesehen. Von Philip Dethlefs, dpa