Montag, 27.04.2020

"Küss-deinen-Partner-Tag": Was im Körper passiert, wenn man das erste Mal verliebt ist

Leserbrief

Goslar. Am 28. April ist der „Küss-Deinen-Partner-Tag“. Deshalb hat Junge-Szene-Mitarbeiterin Nathalie Schlie mit Diplom-Psychologin Claudia Brümmer darüber gesprochen, wie Beziehungen halten können und was die (erste) Liebe eigentlich biochemisch im Körper verursacht. Brümmer arbeitet in der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche des Landkreises.

Frau Brümmer, was bedeutet für Sie persönlich Liebe?

Ein schönes Gefühl, was man auch als Geschenk sehen sollte. Die Liebe beziehungsweise eine Beziehung ist wie eine Pflanze, die wächst und die immer wieder gepflegt werden muss, damit sie nicht verkümmert. Man sollte seinen Partner und die Beziehung niemals als selbstverständlich nehmen.

Wie kann man die Liebe am Laufen halten und Konflikte innerhalb einer Beziehung vermeiden?

Im Grunde fängt das schon beim Kennenlernen an. Also wenn man da nicht sich selbst treu bleibt und so ist, wie man ist, und dem anderen meint etwas vorspielen zu müssen, um ihm zu gefallen, dann wird die Beziehung dauerhaft nicht funktionieren. Man sollte sich selber nicht aufgeben und so sein, wie man ist.

Claudia Brümmer
Hat sich in den letzten Jahren etwas verändert bei dem, was Jugendliche beim Thema Liebe beschäftigt?

Das Thema gleichgeschlechtliche Beziehungen ist in den letzten Jahren mehr aufgekommen. Die Gesellschaft hat sich verändert, was die Offenheit von Sexualität und Neigungen betrifft. Dadurch fragen sich auch viele Jugendliche, ob sie sich eher zu Frauen oder Männern hingezogen fühlen. Sie kommen auch zu uns in die Beratung und suchen hier eine Art „Sortierungshilfe“: Ist das normal oder unnormal, darf ich mich outen? Wie wirkt das auf Andere, wenn ich mich weiblicher kleide, wenn ich ein Junge bin oder andersherum? Das sind Fragen, die die Jugendlichen häufig beschäftigen.

Erinnern Sie sich noch an Ihre erste Liebe?

Allgemein, unabhängig von meiner Person, denke ich, dass die erste Liebe für die meisten unvergesslich ist. Dieses intensive Erlebnis, das mit vielen starken Emotionen verbunden ist, prägt sich auch ganz besonders in unserem Gehirn ein. Da gibt es Untersuchungen zu, dass die erste Liebe in den Gehirnarealen entsprechend abgespeichert ist. Denn durch diese neuen, intensiven Gefühle werden entsprechenden Gehirnzentren aktiviert.

Inwiefern lässt sich Liebe als biochemischer Prozess erklären?

Es gibt ja verschiedene Hormone, die ausgeschüttet werden, und wenn man verliebt ist, dann wird ein bestimmter Gehirnbereich im limbischen System angeregt. Dieses beinhaltet auch das Belohnungssystem. Wenn wir verliebt sind, wird Dopamin ausgeschüttet, ein Glückshormon, was dann eben zu diesen Zuständen führt, dass wir dieses positive Gefühl der Verliebtheit erleben. Gleichzeitig wird die Tätigkeit in bestimmten Arealen im Gehirn nach unten gefahren. Zum Beispiel der Bereich, wo das rationale Denken abläuft. Das ist eben auch der Grund, dass besonders am Anfang vieles ausgeblendet wird und man den Partner durch die „rosarote Brille“ sieht.

Was denken Sie über Dating-Apps?

Ich denke in Zeiten von Corona, wo die sozialen Kontakte sehr eingeschränkt sind, suchen viele Menschen eben auf diesem Wege die Kontakte und brauchen diese auch letztendlich.

Glauben Sie, dass Dating-Apps in der heutigen Zeit häufig dafür verantwortlich sind, dass Konflikte in einer Beziehung entstehen und diese sogar zum Scheitern der Beziehung führen können?

Ich denke, wenn eine Beziehung stabil ist, wird sie nicht wegen so etwas scheitern. Ich denke, dann muss vorher schon etwas schwierig sein, wenn dadurch eine Beziehung in die Brüche geht. Aber natürlich bieten Dating-Apps in der heutigen Zeit viele Möglichkeiten und man kann auf schnellem und einfachem Weg neue Leute kennenlernen. Und das kann natürlich dazu führen, dass schneller neue Beziehungen angefangen werden und alte auch schneller beendet werden. Ich denke, viele Menschen benutzen diese Apps auch einfach um ein Feedback zu ihrer Person zu bekommen und ein Stück weit Anerkennung und Bestätigung zu erlangen, die ihnen vielleicht innerhalb ihrer Beziehung oder auch als Single fehlt.









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