Freitag, 02.11.2018

(Kür-)Bis die Muskeln schmerzen

Leserbrief
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Mittwochmorgen, kurz vor 11 Uhr, am Vienenburger See: Während andere den Feiertag genießen, stehe ich in Sportklamotten und mit einem Kürbis in der Hand auf der großen Wiese. Gott sei Dank regnet es nicht so wie die vergangenen Tage. Und kalt ist es glücklicherweise auch nicht.

Doch was tue ich hier? So genau weiß ich das auch nicht. Ich weiß nur, dass die kommenden eineinhalb Stunden kein Zuckerschlecken werden. Ich habe mich zur Halloween-Edition des Harzer Bootcamps angemeldet und werde mich von Drillsergeant Stefanie Holzbach, besser bekannt als „Luzie“, ordentlich quälen lassen.

„Go hard or go home“

Lange stehe ich nicht allein da, etwa 30 Sportverrückte – die sogenannten Booties – kommen mit Kürbis und sogar in Grusel-Kostümen motiviert angelaufen. Es wird nicht lange geredet, denn dafür sind wir schließlich auch nicht da. „Go hard or go home“, ruft Luzie in die Runde. Ziemlich eingeschüchtert folge ich den anderen.

Dabei hatte sie mir vorher eigentlich zugesichert, dass es bei einer solchen Spezial-Einheit mehr um den Spaßfaktor geht – im Vergleich zu den wöchentlichen Trainingseinheiten, bei denen nicht so viele Teilnehmer dabei sind. Seit fünf Jahren organisiert die Personal-Trainerin das Bootcamp. Sie leitet drei Gruppen: zwei abends, eine um 5.30 Uhr.

Blutige Nonnen, klapprige Skelette: Die Booties verkleiden sich passend zu Halloween. Bei ihrer Kostümwahl lassen sie ihrer Kreativität freien Lauf.

Die ersten Übungen zum Warmwerden finden noch ohne Kürbis statt. Von Klassikern wie Hampelmännern oder Kniebeugen lasse ich mich nicht aus der Reserve locken. Gar nicht so anstrengend wie erwartet, denke ich stolz. Beim Staffellauf komme ich auch noch gut mit, doch dann wendet sich das Blatt: In Gruppen absolvieren wir weitere Kraft- und Ausdauerübungen, um uns Puzzle-Teile zu verdienen, aus denen wir ein Skelett basteln.

Mein Kopf will noch weiter machen, es kann doch nicht so schwer sein, ein paar Liegestützen und Sit-ups zu machen. Nein, das ist es auch nicht, doch bei ein paar Einheiten bleibt es auch nicht. Einige Übungen müssen wir 50 bis 100 Mal wiederholen. Die Kraft in meinen Armen und Beinen lässt langsam nach und dabei haben wir noch nicht einmal zu unserem Kürbis gegriffen.

Diese Übung hat es ganz schön in sich. Meine Beinmuskeln spüre ich noch heute.

Luzie legt viel Wert darauf, dass die Booties mit ihrem Körpergewicht trainieren. „Da braucht man keine teuren Fitnessgeräte“, sagt die 52-Jährige. Außerdem sei das Training an der frischen Luft angenehmer als im Fitnessstudio. Und was ist bei Regen? „Natürlich trainieren wir auch dann. Es kann regnen, stürmen und schneien. Wir haben schon bei Minus 13 Grad Celsius trainiert“, erzählt Luzie.

Grenzen überwinden

Weiter geht es mit den Kürbissen: Warum habe ich nicht eine kleinere Grusel-Frucht mitgebracht? Klingt nicht so schwer, doch damit zu laufen, Kniebeugen zu machen, über den Boden zu krabbeln und umher zu springen, ist durchaus nicht ohne. Die Booties, die mit den Übungen schneller fertig sind, feuern alle anderen kräftig an, weswegen es auch für mich nicht schwer ist, über meine Grenzen hinaus zu wachsen.




Teamwork wird bei Luzie groß geschrieben. Dem Coach ist es wichtig, dass sich die Booties gegenseitig helfen, weswegen sie Gruppen nicht nach Leistung zusammenstellt. Diese Dynamik ist es auch, die die Teilnehmer motiviert, morgens so früh aufzustehen. „Es macht Spaß, mit anderen Sport zu treiben. Im Fitnessstudio findet man oft Ausreden, warum man nicht hingeht“, sagt die 29-jährige Lene Jelitto. Milena Lipp kann dem Training ebenfalls einen positiven Nebeneffekt abgewinnen. „Ich war schon lange nicht mehr krank“, erzählt die21-Jährige, die seit Anfang des Jahres im Bootcamp dabei ist.

Das klingt vielversprechend, aber morgens vor 5 Uhr aufstehen und Sport treiben, vor allem in der kalten Jahreszeit? Das ist nichts für mich. Da drehe ich mich lieber noch einmal im Bett um. Mein Respekt vor den Booties und ihrem eisernen Willen ist riesig. Den Muskelkater spüre ich heute noch...








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