Dienstag, 12.05.2020

Kopfhörer auf, Podcast ein, Welt aus

Leserbrief

Ein Nischenmedium sind sie schon lange nicht mehr: Podcasts gibt es mittlerweile fast zu jedem Thema. Im März wurde zudem erstmals der „Deutsche Podcast Preis“ verliehen – aufgrund der Corona-Krise stilecht im Rahmen eines Podcast. Im Gegensatz zum klassischen Radiobeitrag sind die Produktionen nahbarer: Beim Zuhörer entsteht das Gefühl, guten Freunden beim Gespräch zu lauschen. Für die Junge Szene empfehlen GZ-Volontärin Sarah Franke und Praktikantin Lea Dämgen diese Woche ihre Lieblingsformate – der Infokasten zeigt außerdem, was deutschlandweit angesagt ist.

Sarahs Tipps

Volontärin Sarah nutzt Podcasts, um sich die Zeit zu vertreiben – und ganz nebenbei Neues zu lernen. Mit Kopfhörern und geschlossenen Augen kann sie außerdem wunderbar entspannen. Welche fünf Podcasts Sarah momentan am liebsten lauscht, verrät sie euch hier:

Die eigenen Finanzen in den Griff zu kriegen: Gerade für Frauen ist das eine Aufgabe, die die meisten lieber verschieben. Für Unternehmerin und Bloggerin Natascha Wegelin war das nicht anders. Erst, als sie begann, sich mit Aktien und Zinseszins zu beschäftigen, merkte sie: Beim Thema Geld reden und schreiben vor allem männliche Experten für ihre Geschlechtsgenossen. So kam Wegelin die Idee zu ihrem Blog und später auch Podcast „Madame Moneypenny". Damit will sie Frauen begreiflich machen, dass Finanzen keineswegs „Männersache“ sind – und ihnen beibringen, wie sie richtig mit Geld umgehen und es vermehren. Anhören lohnt sich, denn selbst, wer alles rund um den eigenen Kontostand sonst für eher dröge hält, wird sich von Wegelins Begeisterung für Bares schnell anstecken lassen.

Stuntfrau, Tatortreinigerin und Versicherungskaufmann: Wir haben eine grobe Vorstellung, womit solche Menschen ihren Tag verbringen, aber genau wissen wir es nicht. Deshalb fragen Sarah Klößer und Carolina Torres, Redakteurinnen beim Spiegel-Jugendmagazin Bento, in ihrem Podcast „Und was machst du so?“ Menschen mit verschiedenen Jobs nach ihrem Berufsalltag. Denn auch die langweiligste aller Smalltagfragen kann spannende Antworten liefern – wenn man nur richtig zuhört.

Noch immer gibt es Menschen, die das Konzept der Achtsamkeit für esoterisch halten. Diesen sei der Podcast „Verstehen, fühlen, glücklich sein“ empfohlen. Darin unterhalten sich Sinja Schütte, Chefredakteurin der Zeitschrift Flow, und Neurologe sowie Meditationsforscher Dr. Boris Bornemann über die verschiedenen Facetten von Achtsamkeit – mit jeder Menge wissenschaftlichem Input. Besonders angenehm bei diesem Podcast sind die unaufgeregten, freundlichen Stimmen der beiden Sprecher. Es reicht schon, Schütte und Bornemann zuzuhören, wenn sie sich über Grenzen setzen, Freude oder Introversion austauschen, um selbst ruhiger zu werden.



Den Orgasmus optimieren, Verlegenheitssex oder aktuelle politische Hintergründe wie das Informationsverbot zu Schwangerschaftsabbrüchen: In „Eine Stunde Liebe“ von Deutschlandfunk Nova werden zum Teil noch immer schambesetzte Themen rund um Sex, Liebe und Partnerschaft aufgegriffen, die so manch einer nicht mal mit den engsten Freunden bespricht. Besonders hörenswert sind dabei die Interviews mit wechselnden Experten und der Pragmatismus, mit dem sich die Moderatoren Themen widmen, bei denen so mancher in der Kneipenrunde rot anläuft.
Ein Nine-to-five-Job, der doch eher zehn Stunden am Tag in Anspruch nimmt, Texte am Fließband produzieren und jegliche Kreativität der Jagd nach Klickzahlen opfern: Als angestellte Journalistin war Bianca Jankovska unzufrieden. Mittlerweile ist sie freie Autorin, finanziert sich durch Crowdfunding und arbeitet daran, selber eine Medienmarke zu werden. Ihr Ziel hinter all dem: Wirklich unabhängig publizieren. In ihrem Podcast "Tired Women" spricht sie über ihren Weg dorthin, teilt eigene Erfahrungen und die anderer Frauen. Dabei zeigt die Autorin aus feministischer sowie kapitalismuskritischer Perspektive, wie New Work und Selbstverwirklichung funktionieren können.

Leas Tipps

GZ-Praktikantin Lea hat erst kürzlich angefangen, Podcasts zu hören, sie aber mindestens genauso schnell lieben gelernt. Welche Formate sie bisher überzeugt haben, verrät sie euch hier:

Hast du es satt, dich im Seriendschungel von Netflix, Amazon und Co. zu verlaufen und weißt vor lauter Angebot nicht, was du als Nächstes schauen sollst? In diesem Fall verschafft der Podcast „Skip Intro“ den rettenden Überblick! Hier zeigt Moderatorin – und Serienjunkie – Vanessa Schneider, welche Shows wirklich sehenswert sind und was dich dabei erwartet. Pluspunkt für alle, denen beim Binge-Watching gerne mal die Augen zufallen: Die junge Podcasterin deckt versteckte Botschaften aus den aktuellsten Staffeln auf – und diskutiert mit Experten kritisch über Inhalte. Etwa über die Romantisierung von Stalking in der Erfolgsserie „You“.
„Es gibt nicht die Lösung. Jeder strauchelt, so gut er kann“, stellen Puls-Moderatorin Verena Fiebing und Diplom-Psychologin Lena Schiestel klar. Ansätze und Wege, um zumindest weniger zu stolpern, gibt es trotzdem. Wie diese aussehen können, stellt das Frauenduo in seinem psychologischen Podcast „Die Lösung“ vor. Er ist genau die richtige Wahl für alle, die sich besser verstehen und fühlen möchten. „Wie bekomme ich meine Eifersucht unter Kontrolle?“ „Was hilft bei Wutausbrüchen?“ – Moderatorin Verena Fiebing führt ihre Zuhörer wortgewandt aber lässig durch eine bunte Vielfalt von Themen. Die Autorinnen lassen aber auch ernste oder kontroverse Lebensfragen, etwa rund um Polyamorie oder Tod, nicht aus. Ein besonderer Pluspunkt: die Mitmach-Coachings. Hier könnt ihr ganz entspannt psychotherapeutische Methoden für den Alltag kennen lernen.
Lockere Unterhaltung, leichte Kost: Das erwarten die meisten von uns, wenn sie an Podcasts denken. Die Redaktion der Zeit allerdings bietet ein Format, wie es gegensätzlicher nicht sein könnte: Im Podcast „Verbrechen“ wird sich den Biografien von Verbrechern, Taten von Kinderschändern oder Serienmördern gewidmet. Für schwache Nerven ist der Podcast nicht geeignet: Beim Zuhören bleibt ein beklemmendes Gefühl nicht aus – obwohl der Fokus auf den Beweggründen hinter den Morden liegt. Aufbereitet werden die Themen von Sabine Rückert, stellvertretende Chefredakteurin der Zeit. Die Journalistin hat Erfahrung auf dem Gebiet der Kriminalberichterstattung: Im Laufe ihrer Karriere ging sie unzähligen Fällen nach und wurde für ihre Recherchen mehrfach ausgezeichnet. An ihrer Seite hat sie Andreas Sentker, Leiter des Ressorts Wissen der Zeit. „True Crime“-Formate sind seit jeher ein Publikumsmagnet: Kein Wunder, dass auch der Kriminalpodcast der Zeit konstant in den oberen Charträngen zu finden ist.
Wer sich für Kriminalfälle interessiert, dabei aber lieber etwas zum Lachen hat, der sollte den kuriosen Geschichten im Kurzgeschichtenpodcast von Comedian Willy Nachdenklich lauschen. „Betrunkener klaut Kuh“, „Schimmelbrot löst Großeinsatz aus“ – In seinem Podcast „True Klein Crime“ strickt der Moderator fiktive Vorgeschichten zu sonderbaren Fällen aus der Lokalpresse. Besonders unterhaltsam ist dabei die Mischung aus poetischer Erzählweise und absurden Taten. Moderatorin Anna Bühler schafft mit passender Musik und Effekten, stets die passende Atmosphäre.

Vor allem auf den Plattformen Spotify und Apple Podcasts hören viele Menschen die Beiträge. Folgende Podcasts sind dort am beliebtesten (Stand: 11. Mai):
Spotify-Charts
1. Gemischtes Hack (Felix Lobrecht und Tommi Schmidt)
2. Fest und Flauschig (Jan Böhmermann und Olli Schulz)
3. Dick & Doof (laserluca)
Apple-Charts
1. Das Coronavirus-Update mit Christian Drosten (NDR Info)
2. Dick & Doof (laserluca)
3. Steingarts Morning Briefing – der Podcast (Gabor Steingart)








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