Dienstag, 14.08.2018

Kino für den Kopf

Die rundum geglückte Verfilmung einer Romanvorlage ist ein schwieriges Unterfangen und gelingt leider selten so, wie es sich der Literaturfreund wünscht. Verkürzte Handlungsstränge, ungeeignete Hauptdarsteller, ein verändertes Ende – beim Vergleich zwischen Kintopp und individuellem Kopfkino schneidet Letzteres meist besser ab.

Dennoch sind Literaturverfilmungen für die Filmindustrie lukrativer denn je. Nach einer im Magazin „The Bookseller“ veröffentlichten Untersuchung des britischen Verlegerverbandes spielten in den letzten Jahren Filme nach Buchvorlagen an den Kinokassen weltweit91 Millionen Dollar mehr ein als solche, die nach Originaldrehbüchern entstanden. Diese Tatsache ist nicht sonderlich überraschend – Streifen wie „Fifty Shades of Grey“, „Harry Potter“ oder „Der Herr der Ringe“ profitierten von der Popularität ihres „Zwillings“ in Druckbuchstaben. Was schon mal auf einer Bestsellerliste ganz weit oben stand, verkauft sich eben auch als Leinwand-Variante gut.

Einen vergleichbaren Trend zur Verwandlung von Druckerschwärze in Zelluloid gibt es übrigens auch in Deutschland: „Ich und Kaminski“ (Daniel Kehlmann), „Tschick“ (Wolfgang Herrndorf) oder „Transit“ (Anna Seghers) haben zwar ein anderes Publikum als beispielsweise der nach einem Originaldrehbuch produzierte Blockbuster „Fack Ju Göhte“, füllten aber dennoch Kinosäle. Und die Filmadaptionen von Kinderbuch-Klassikern wie „Die kleine Hexe“ oder „Jim Knopf“ sind Selbstläufer, die von Jung und Alt gleichermaßen gern gesehen werden.

Bei der Qualitätsbeurteilung von Literaturverfilmungen sollte der Bücherfreund allerdings am besten Milde walten und sich von einer Erkenntnis leiten lassen, die Bestsellerautor John Le Carré geprägt haben soll: „Ein Buch in einen Film zu verwandeln, ist so ähnlich, wie aus einer Kuh einen Brühwürfel zu machen.“ Und eine schmackhafteBrühe kann bekanntlich bekömmlicher sein, als so manches zähe Steak.Elke Brummer