Freitag, 20.03.2020

Keine Schule, Abstand halten und nun?

Leserbrief

Harz. „Ich habe keine Angst vor dem Virus, eher Respekt“, sagt der20-jährige Miles Luft. Das Thema Corona macht ihn genau wie viele andere junge Menschen in seinem Alter sehr nachdenklich. Kein Wunder: Viele Menschen tätigen Hamsterkäufe und scheinen sich selbst erst mal der Nächste zu sein. Mehr Zeit zum Nachdenken gibt es auch: Schließlich sind die Schulen, Unis und Kitas seit Montag dicht.

Harz. „Ich habe keine Angst vor dem Virus, eher Respekt“, sagt der20-jährige Miles Luft. Das Thema Corona macht ihn genau wie viele andere junge Menschen in seinem Alter sehr nachdenklich. Kein Wunder: Viele Menschen tätigen Hamsterkäufe und scheinen sich selbst erst mal der Nächste zu sein. Mehr Zeit zum Nachdenken gibt es auch: Schließlich sind die Schulen, Unis und Kitas seit Montag dicht.

Miles Luft

Über die Hamsterkäufe ist auch die 7-jährige Lena Köthschockiert: „Als ich vor ein paar Tagen mit Mama einkaufen war, stand eine Frau an der Kasse, die geweint hat, weil sie kein Toilettenpapier mehr bekommen hat.“

Lena Köth
So etwas habe sie noch nie erlebt. Und damit steht sie nicht alleine da. Es ist wohl für uns alle eine merkwürdige und irgendwie irreal wirkende Zeit: leere Regale in Supermärkten, ein begrenztes Angebot an Milch und anderen Produkten, viele öffentliche Einrichtungen bleiben vorerst geschlossen. Doch wie funktioniert das jetzt eigentlich alles?

„Schon am Freitag vor den Schulschließungen haben unsere Lehrer uns vorgewarnt, dass die Schule ab Montag eventuell schließen würde. Sie haben uns Aufgaben für die Zeit mitgegeben, um uns zum Beispiel trotzdem für Klausuren nach dieser Zeit vorbereiten zu können“, erklärt die 15-jährige Aleyna Dorul.

Aleyna Dorul
Dass sie mit den Aufgaben auf sich alleine gestellt ist, stört die Schülerin der Realschule Goldene Aue in Goslar nicht. „Ich kann alleine gut arbeiten und lernen.“ An anderen Schulen wie zum Beispiel der Adolf-Grimme-Gesamtschule in Oker findet die Aufgabenverteilung und Besprechung komplett online statt.

Die 7-jährige Lena Köth findet es sehr schade, dass sie keine Schule mehr hat. Die Grundschülerin hat zwar auch eine Menge Aufgaben für die Zeit zu Hause mitbekommen, aber sie vermisst ihre Freunde. Da sie noch kein eigenes Handy hat, ist es für sie schwerer, regelmäßig Kontakt mit ihren Freunden zu haben.

Das ist für Aleyna Dorul und die meisten anderen Jugendlichen deutlich einfacher: Sie hat regelmäßig Kontakt mit Freunden überWhatsApp und andere soziale Netzwerke. Kimberly Kalischko hatte am Freitag ihren 18. Geburtstag. „Da bin ich jetzt natürlich schon sehr eingeschränkt und muss das Ganze sehr klein halten.“ Eigentlich wäre ihre Oma, wie jedes Jahr, zu Kaffee und Kuchen vorbeigekommen, aber das habe sie besser abgesagt. Selbst die kleine Lena hat mit ihren sieben Jahren verstanden, wie wichtig es in diesen Zeiten ist Abstand zu anderen und besonders zu den geliebten Großeltern zu halten: „Wir hatten eigentlich eine Radtour mit Omi geplant, aber die muss jetzt leider ausfallen, weil Omis können ja ganz schnell krank werden von Corona“, sagt sie.

Dass Leute sich trotzdem in großen Gruppen treffen und „Corona-Partys“ feiern, kann auch der 19-jährige Valerio Conti überhaupt nicht nachvollziehen. Der angehende Abiturient hat Verwandte in Italien und bekommt schon seit einiger Zeit den Ernst der Lage mit. Ob und wie die Abiturprüfungen dieses Jahr stattfinden, weiß er noch nicht genau. „Bisher stehen die Termine für die Abiturprüfungen noch.“ Bis dahin nutzt er die Zeit, um sich auf die Klausuren vorzubereiten. Ansonsten spielt er gerne mit Freunden Playstation in seiner Freizeit. Genau wie Miles: „Fifa und Fortnite en masse!“ Langweilen tun sie sich bisher noch nicht. Aleyna nutzt die Zeit für Sport und zum Zeichnen. Lena ist erstaunt, wie wenig Fernsehen sie bisher geguckt hat. Sie nutzt die Zeit lieber, um mit ihrer kleinen Schwester und ihrer Mama an die frische Luft zu gehen, solange das noch möglich ist.

Auf das Rausgehen allgemein wollen alle ungerne verzichten. „Frische Luft brauche ich auf alle Fälle, zumindest im Garten“, sagt Valerio.









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