Freitag, 28.02.2020

Keine Panik - aber bitte Information

Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen – das berühmte Bild der drei Affen kann dieser Tage symbolisch auch für zahlreiche Netzwerker stehen, die sich in den digitalen Medien tummeln. Die Information über einen ersten Verdachtsfall auf Infektion mit dem Coronavirus ließen diese Woche etliche Nörgler auf der GZ-Facebookseite jedenfalls nicht unkommentiert. Devise: Warum verbreitet die Zeitung Panik? Warum schreibt ihr nicht erst, wenn sich ein Verdacht erhärtet hat? Und habt ihr sonst nichts weiter zu berichten?

Die Gründe für eine Haltung wie im Bild der drei Affen sind die ewig gleichen. Tenor: Im Straßenverkehr kommen viel mehr Menschen zu Tode. Oder: Andere Grippewellen fordern jedes Jahr viel mehr Todesopfer, aber über die schreibt keiner. Und so weiter und so weiter.

„Geht‘s noch?“, möchte man da einfach antworten. Denn zwischen Straßenverkehr, alljährlichen Grippewellen und dem neuartigen Coronavirus gibt es einen feinen Unterschied: Gegen die neuartige Infektion, die derzeit von China aus über die ganze Welt schwappt, ist noch kein Kraut gewachsen. Es gibt weder Impfstoff noch Medizin, keine Erfahrungen, nicht einmal über Inkubationszeit und Ansteckungsgefahr sind sich die Experten einig. Genau deshalb war es richtig, dass sich der junge Student der TU Clausthal nach einer Reise in die italienische Lombardei vorsorglich gemeldet hat, genau deshalb hat der Kreis darüber informiert – und genau deshalb sieht es die GZ-Redaktion als ihre Pflicht an, über die Lage in Sachen Coronavirus auch hierzulande zu berichten. Nicht um Panik zu verbreiten, sondern um über eine Entwicklung zu informieren, die sich nicht in einer fernen Galaxie abspielt, sondern auch für die Menschen im Harz immer näher rückt.

Nicht nur in China, auch in Italien stehen inzwischen ganze Gebiete unter Quarantäne. In mehreren deutschen Bundesländern sind mittlerweile Infektionen registriert, selbst im fernen Island gibt es den ersten Corona-Fall. Viele dieser Infizierten hatten zuvor Reisen nach Italien unternommen oder waren mit Reisenden von dort in Berührung gekommen. Derweil steigt die Zahl der Todesfälle in Italien deutlich. Die italienische Regierung ruft andere europäische Länder schon nach Hilfe, um überhaupt noch Schutzmasken ins Land zu bekommen. So braucht es wahrlich keinen Propheten, um ein ganz reales Risiko zu erkennen, dass auch in den anderen deutschen Bundesländern alsbald Corona-Infektionen nachgewiesen werden.

Der Krisenstab der Bundesregierung tagt bereits, die ersten Einschnitte im öffentlichen Leben werden spürbar. So ist die Internationale Tourismus-Börse (ITB) in der kommenden Woche als weltweit wichtige Messe schon abgesagt worden, weitere Großveranstaltungen in ganz Deutschland werden voraussichtlich folgen. Die Lufthansa kündigte an, bis zu einem Viertel der Kurzstreckenflüge zu streichen, die Bahn rüstet sich für Ernstfälle, auch im Harz gibt es sicher erste Unternehmen, die sich Gedanken machen, falls durch das Coronavirus der Betrieb lahmgelegt werden sollte. Und ich wage die Prognose, dass auch über die Olympischen Sommerspiele in Tokio noch einmal diskutiert wird.

Alles nur Panikmache? Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen? Ich bin jedenfalls froh, dass Behörden und Regierung in Alarmbereitschaft sind, auch wenn sie nicht jeden einzelnen vor einer Infektion mit dem Virus bewahren können. Und ich möchte mir gar nicht ausmalen, was genau die Nörgler zum Besten geben würden, wären sie nicht frühzeitig über die Entwicklung informiert worden.

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