Freitag, 24.07.2020

Jugendliche halten Shishas oft fälschlicherweise für unbedenklich

Leserbrief

Goslar. Das Rauchen der klassischen Zigarette ist für junge Menschen seit langer Zeit unattraktiv geworden. Einem Zug an der E-Zigarette oder der Wasserpfeife hingegen sind die meisten von ihnen nicht abgeneigt.

Nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ist die Zahl der Raucher im Jahr 2019 auf ein Rekordtief gesunken: Mit 45,9 Prozent der befragten über 18-Jährigen und 85,1 Prozent der 12- bis 17-Jährigen liege die Nichtraucherquote auf dem höchsten Stand seit 1973. Rückgänge bei E-Produkten und Wasserpfeifen hätten nicht verzeichnet werden können.

„Die Ideologie ist: Es ist ja nicht so gefährlich“, erklärt Anna-Lena Maier-Niehoff, Sozialpädagogin am Lukas-Werk Goslar. „Bei der Shisha ist es so, dass viele denken: ‚Es ziehen schließlich mehrere dran und der Rauch wird zusätzlich abgekühlt.‘ Andere glauben, dass es ungefährlich sei, E-Zigaretten mit nikotinfreien Liquids zu rauchen. So leicht wie gedacht ist es allerdings nicht“, sagt die Beraterin.

„Bei Kindern und Jugendlichen wird die Benutzung von E-Zigaretten und Shishas gar nicht als Rauchen im klassischen Sinn angesehen“, erklärt Maier-Niehoff weiter. Somit sei das Risiko, das sie dabei eingehen, gar nicht in ihren Köpfen verankert.

Unter anderem hänge das mit fehlender Aufklärung zusammen. „Die Problematik ist erst spät erkannt worden“, sagt die Sozialpädagogin. Präventionskampagnen an Schulen und öffentlichen Einrichtungen kämen erst jetzt ins Rollen. „Viele Schulen sind damit zum Beispiel überfordert, weil sie gar nicht wissen, was das genau ist“, unterstreicht sie.

Mango, Kirsche, Traube

„Die Packungen sind total ansprechend gestaltet und sehr bunt“, erklärt Maier-Niehoff die Vermarktung von Liquids für E-Zigaretten und Shisha-Tabak. „Der Rauch sieht cool aus, der Tabak und die Liquids schmecken fruchtig“, betont sie. So würde den Jugendlichen ein „Live-Style-Effekt“ vorgetäuscht, der das Rauchen verharmlose. Die Auswahl der verschiedenen Geschmäcker ist mehr als groß: Neben klassischen Fruchtsorten wie Kirsche, Apfel oder Traube stehen auch exotischere Geschmacksrichtungen wie Mango, Ananas oder Drachenfrucht zur Auswahl. „Darüber vergisst man schnell, wie bedenklich es eigentlich ist“, sagt Maier-Niehoff.

Was den Konsum von E-Zigaretten zudem attraktiv mache: Zum Rauchen müsse man nicht nach draußen gehen, die Produkte seien handlich und billiger als Zigaretten.

„Für ehemalige Zigarettenraucher können sie eine Hilfe zur Abgewöhnung darstellen. Das heißt aber nicht, dass die nikotinfreien Liquids unschädlich sind.“

Eines steht fest: „Es gibt keine Langzeitstudien zum Thema. Das ist problematisch,“ betont Maier-Niehoff.

Konsumenten rät sie, sich ausreichend über entsprechende Risiken zu informieren und befürwortende Argumente zum Rauchen von anderen zu hinterfragen.

SO SCHÄDLICH SIND E-ZIGARETTEN UND SHISHAS

  • Shisha zu rauchen sei unbedenklich, da der Tabak nicht direkt verbrannt und durch das Wasser in der Shisha abgekühlt wird, bevor man ihn einatmet: Diese Fehlannahme ist unter jungen Leuten weit verbreitet. Zwar kühlt das Wasser den Rauch in der Tat ab, jedoch nicht genug, um den verbrannten Tabak unschädlich zu machen. Die giftigen und krebserregenden Verbrennungsprodukte gelangen komplett ungefiltert in die Lunge. Das Rauchvolumen ist so stark vergrößert, dass man als Konsument sogar mehr Schadstoffe aufnimmt, als beim Rauchen einer Zigarette – selbst, wenn man mit mehreren Leuten zusammen raucht. Mittlerweile haben zahlreiche Wissenschaftler diese Risiken bestätigt.
  • E-Zigaretten enthalten einen elektrischen Vernebler, der mit einer Kartusche verbunden ist. Darin befindet sich eine Flüssigkeit, die beim Ziehen verdampft. Die sogenannten Liquids sind mit als auch ohne Nikotin erhältlich. Weil beim Rauchen einer E-Zigarette kein Tabak verbrennt, ist ihr Konsum mutmaßlich weniger schädlich als der einer normalen Zigarette. Über die Langzeitfolgen des Konsums liegen noch keine genauen Daten vor. Wie fälschlicherweise von vielen angenommen, sind die nikotinfreien Liquids aber nicht unschädlich: Verbrennungsstoffe wie Propylenglykol, Glycerin, Schwermetalle oder Metallnanopartikel schaden der Lunge eindeutig, wie mehrere Studien belegen.








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