Montag, 05.11.2018

Jugendliche haben zehn Jahre lang eine Großbaustelle im Gehirn

Leserbrief

Pubertät: Das ist die Zeit, wenn die Eltern schwierig werden. So empfinden es zumindest viele Jugendlichen. Trotzige Sätze wie: „Ihr seid peinlich, habt doch alle keine Ahnung oder lasst mich einfach in Ruhe“, stehen an der Tagesordnung.

Silvia Berghoff und Heike Bormann, Psychologinnen der Beratungsstelle des Landkreises, erklären anschaulich, was im Gehirn während der Pubertät passiert, wieso es oft zu Machtkämpfen mit den Eltern kommt und was Jugendliche tun können, um es Mama und Papa nicht allzu schwer zu machen.

Jeder der denkt, dass er mit18 Jahren aus der Pubertät raus ist, kann sich irren. „Das kann bis zum 25. Lebensjahr andauern“, sagt Berghoff. Und während dieser Zeit gehen im Gehirn viele Dinge vor. „Es ist, als würde die Küche mehr als zehn Jahre lang renoviert werden“, vergleicht Silvia Berghoff. Im Gehirn könne nicht überall zur gleichen Zeit gebaut werden.

Der Bereich hinter der Stirn, der mit für die Gefühlswelt zuständig ist, sei als Letztes dran, erklären die Expertinnen. „Ihnen kann es in dieser Zeit schwer fallen, Entscheidungen zu treffen, Situationen zu durchblicken und ihre Gefühle richtig einzuordnen“, sagt Silvia Berghoff. Das heißt, Stress mit den Eltern sei abzusehen.

„Dieses innerliche Chaos tragen Jugendliche häufig mit nach außen“, berichtet Heike Bormann. Deshalb würde das Jugendzimmer auch dementsprechend aussehen, ganz zum Ärger der Eltern. Doch die Expertinnen raten, dass diese manchmal darüber hinweg sehen sollten, „solange die Jugendlichen dort keine Schimmelpilze züchten“.

Leistungsfähigkeit sinkt

Die Eltern treibt ebenfalls zur Weißglut, dass die Jugendlichen morgens nicht aus dem Bett kommen. Durch das Schlafhormon Melatonin sei der Tag-Nacht-Rhythmus in der Pubertät verschoben, sagen die Psychologinnen. Der Schlafmangel hat heftige Auswirkungen auf den Körper: Die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit sinkt und Jugendliche werden emotional instabil, was wiederum zu weiteren Streits mit den Eltern führt. Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, rät Berghoff feste Einschlaf- und Aufstehzeiten einzurichten, ab Nachmittag koffeinhaltige Getränke zu vermeiden und das Handy etwa 30 Minuten vor dem Schlafengehen wegzulegen.

Freunde an erster Stelle

In der Pubertät verändern sich auch die Interessen der Jugendlichen: Die Familie wird oft zweitrangig, die Freunde stehen meist an erster Stelle. Trotzdem freuen sich die Eltern, wenn sie die Freunde ihrer Kinder kennenlernen können, damit sie wissen, mit wem sie sich so rumtreiben.

Auch wenn Mama und Papa oft nerven, peinlich und uncool sind, haben sie meistens ein offenes Ohr für die Sorgen ihrer Kinder und wollen nur das Beste für sie. Manchmal ist es für Jugendliche aber einfacher, sich an eine unabhängige Beratungsstelle zu wenden. Die Psychologen des Landkreises helfen bei jeglichen Problemen weiter. Die Beratungsgespräche sind kostenlos – es wird keine Krankenkassenkarte verlangt – und vertraulich. Weitere Informationen dazu gibt es unter: www.landkreis-goslar.decok







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