Montag, 17.09.2018

Jugendforum Goslar will neue Projekte starten

Leserbrief

Goslar. Freitagnachmittag im Jugendzentrum B6: Während zwei Jungs an einem großen Flachbildschirm das Videospiel Fifa zocken, schauen Philipp Krüger, Milena Lorenz und Kilian Grabow konzentriert auf den kleinen Bildschirm eines Laptops.

„Ein interkultureller Kochabend vielleicht oder eine Mauer zum legalen Graffiti-Sprayen“, überlegt Milena. Das sind nur zwei von ganz vielfältigen Ideen, die sie in die Tat umsetzen könnten.

Die beiden 18-Jährigen und die19-Jährige engagieren sich im Jugendforum Goslar, einer Organisation von jungen Menschen für junge Menschen. Es setzt sich im Landkreis für Vielfalt, Integration und gegen Rechtsextremismus ein. Das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ fördert das Jugendforum deshalb. „Die Bundesregierung unterstützt Initiativen, die sich für ziviles Engagement, demokratisches Verhalten und Vielfalt in der Gesellschaft einsetzen“, steht auf der Webseite von „Demokratie leben!“.

Alles selbst gestalten

Durch die Förderung hat das Jugendforum Goslar in diesem Jahr 7000 Euro zur Verfügung. „Wir dürfen alles selbst planen, aber auch selbst scheitern“, erklärt Milena, die bald in Braunschweig Kunst auf Lehramt studieren wird. Einzige Bedingung: Projekte und Veranstaltungen müssen mit den Zielen des Bundesprogramms vereinbar sein, also zum Beispiel Vielfalt und Integration fördern. Beratend zur Seite steht ihnen Kreisjugendpfleger Holger Fenker. „Ich mache keine Vorschriften und finde es gut, wenn Jugendliche sich für ihre eigene Sache einsetzen“, sagt er.

Momentan engagieren sich knapp zehn junge Menschen im Jugendforum Goslar. Beim Start im Dezember 2015 waren es 40. „Viele sind für die Ausbildung oder das Studium weggezogen“, erklärt Abiturient Kilian den Schwund. Das Potenzial für neue Mitglieder ist aber da: Knapp 19.000 Kinder und Jugendliche im Alter von 0 bis 17 Jahren leben im Landkreis Goslar. Mehr als 10.500 Einwohner sind zwischen 18 und 24 Jahre alt. Doch vernetzt sind laut Philipp die wenigsten von ihnen. „Unsere Generation ist total globalisiert. Ich kann mit jemanden aus Indien telefonieren, aber finde kaum Kontakt zu Gleichaltrigen in Vienenburg“, sagt der Abiturient, der in Hahndorf wohnt.

Jugendliche besser vernetzen

Die Mitglieder des Jugendforums wollen erreichen, dass sich junge Menschen aus dem Landkreis besser kennenlernen. „Das Jugendforum könnte zum Beispiel Fahrtkosten übernehmen oder Fahrgemeinschaften organisieren“, sagt Milena. Denn besonders häufig würden Busse ja nicht fahren. Außerdem plant das Forum noch für dieses Jahr eine Fahrt nach Berlin (siehe Infokasten). Mitmachen und -fahren darf jeder. Und Möglichkeiten, sich einzubringen, gebe es genug.

„Viele Jugendliche sind in Goslar unzufrieden“, sagt Kilian. Man solle sich nur einmal die Altstadt angucken. Für Touristen sei sie attraktiv – aber Läden, in denen man zu taschengeldfreundlichen Preisen eine Limo trinken kann, gebe es zu wenige. „Da ist zwar das Jugendzentrum B6, aber das ist echt weit ab vom Schuss“, sagt Kilian. Es sei wichtig, Raum und Räume für junge Menschen zu schaffen. „Sonst treffen sich Jugendliche wie in Vienenburg am Bahnhof“, so Kilian, der selbst in dem Ortsteil wohnt und sich außerdem als stellvertretender Vorsitzender der Goslarer Jungsozialisten (Jusos) engagiert.

Miteinander reden

Kilian, Philipp und Milena betonen aber, dass das Jugendforum eine parteiunabhängige Organisation ist. Trotzdem spielt Politik eine Rolle, alleine schon, weil sich das Jugendforum aktiv gegen rechtsextremes Gedankengut positioniert. Bei einer vom Forum organisierten Lesung im B6 Ende Mai verwiesen die Organisatoren den AfD-Kreisvorsitzenden Frank Schmidt des Saals, was die Kreisverwaltung im Nachhinein aber als Fehler bezeichnete.

Generell sei es wichtig, miteinander zu reden – egal, ob mit jemanden aus dem Nachbardorf oder jemanden, der eine andere politische Meinung vertritt. „Einige Ängste sind vielleicht irrational, aber trotzdem real in den Menschen vorhanden. Ignorieren geht nicht“, sagt Milena im Bezug auf Ausländerfeindlichkeit und Kilian fügt hinzu: „Man sollte sich respektieren.“








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