Montag, 20.01.2020

Jogginghosen an Harzer Schulen erlaubt

Leserbrief

Harz. Sie ist so bequem, dass wir sie längst nicht mehr nur beim Sport anhaben: die Jogginghose. Dienstag ist der Ehrentag der schlabbrigen Beinbekleidung. Doch nicht überall sind die gemütlichen Hosen gern gesehen. An einem Hannoverschen Privat-Gymnasium entschied sich die Schulleitung jüngst sogar dazu, Jogginghosen zu verbieten. Wer sich nicht dran hält, könne zum Hofdienst verdonnert werden. Die Junge Szene hat an Harzer Gymnasien nachgefragt, wie dort mit Schülern und Schülerinnen im Schlabberlook umgegangen wird.

Keine Kleiderregeln

Jogginghosen sind am Bad Harzburger Werner-von-Siemens-Gymnasium gar kein Thema. „Das Selbstverständnis unserer Schüler und Schülerinnen ist so, dass sie angemessen gekleidet zur Schule erscheinen. Das begrüße ich auch“, sagt Schulleiterin Inga Rau. Sie hat sogar eine Stilkritik parat: „Schön und ansehnlich“ seien die Jugendlichen angezogen. „Ich denke, es ist klar, dass die Schule ein sachlicher Kontext ist“, fügt Rau hinzu – und welche Klamotten dementsprechend angebracht seien oder eben nicht.

Am Goslarer Ratsgymnasium tragen die Schüler und Schülerinnen meist nur Jogginghosen, wenn sie zum Sport gehen. „Bei uns gibt es keine Kleiderregeln“, sagt Schulleiter Hans-Peter Dreß. Die seien nämlich überhaupt nicht nötig, denn die Jugendlichen kleideten sich sehr modebewusst. „So top gestylt waren wir früher mit unseren Parkas, selbst gestrickten Rollkragenpullis und braunen Boots nicht“, meint Dreß, der im Jahr 1979 seine Abiturprüfung bestanden hat, und lacht.

Vor allem Jeans und Anorak tragen die Jugendlichen während der Pause am Christian-von-Dohm-Gymnasium. „Im Schulzentrum bitten wir unsere Schüler und Schülerinnen um angemessene Kleidung“, sagt Schulleiterin Barbara Reichert. Dass, überspitzt gesagt, ein Bikini an den Strand und nicht in die Schule gehört, sei jedem klar. In Anzug und Schlips brauche aber ebenfalls niemand erscheinen. In der älteren Generation hätten diese Kleidungsstücke für Lehrkräfte noch zur Grundausstattung gehört. „Heute kleiden sich die Lehrenden etwas casualer“, berichtet die Schulleiterin. Von Verboten hält Reichert, die selbst übrigens nicht in Jogginghose zur Schule kommen würde, nichts.

„Ein Modetrend“

Das sieht Stefan Bungert ebenso. Zu legere Kleidung sei an seiner Schule kein Problem, sagt der Leiter des Jacobson-Gymnasiums in Seesen. „Wenn doch mal jemand auffällt, klären wir das auf kurzem Dienstweg. Eine Lehrkraft spricht den entsprechenden Schüler oder die Schülerin an. Meistens gibt es Einsicht“, erzählt er. Auch bei den Mottowochen, während der sich die Abiturienten verkleiden, achtet Bungert darauf, dass die Outfits nicht anstößig aussehen.

„Jogginghosen sind bei uns bis zur achten Klasse wohl ein Modetrend“, sagt Jutta Reusing, Leiterin der Robert-Koch-Schule in Clausthal-Zellerfeld. Schmunzelt zitiert sie eine Kollegin: „ein Trend, der mit der Zeit zum Glück wieder aufhört.“ Als Problem sieht Reusing Jogginghosen nicht. Es gebe aber Situationen, in denen sie unangebracht seien. „Der Bruder eines Abiturienten kam zur Abi-Entlassung in Jogginghose. Nach dem humorvollen Hinweis einer Kollegin, dass er sich wohl besonders schick gemacht habe, präsentierte er sich beim Abiball stolz in einem Anzug.“









Weitere Topthemen aus der Region:
  • Goslar
    Kehrrad-Reparatur:Vergabe demnächst
    Mehr
  • Bad Harzburg
    Würdige Bestattungszeremonien?
    Mehr
  • Goslar
    Fußboden, Bahngleise und Stromkästen
    Mehr
  • Goslar
    Auch ein Fahrstuhl muss zum TÜV
    Mehr
  • Region
    Erster Corona-Toter in Goslar
    Mehr