Sonntag, 22.03.2020

Jörg Ciszewski: Keine Waffen, dafür Zellstoff

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GZ-Redakteure erzählen von ihren täglichen Erlebnissen mit der aktuellen Corona-Krise: Wie sich Redakteur Jörg Ciszewski beim Klopapier-Kauf gefühlt hat, erzählt er im aktuellen Beitrag.

Nein, es hat nichts Würdevolles mit einem mächtigen Zehnerpack „Sanft & Sicher“-Klopapier morgens durch die Goslarer Innenstadt in Richtung Pressehaus zu laufen. Aber was will man machen – und ich bin nicht allein in der Fischemäkerstraße. Mir begegnet noch jemand, der für das Wochenende vorsorglich auf Nummer (Sanft und) Sicher geht, man nickt sich achselzuckend zu. Jeder hat eben sein Päckchen zu tragen, wir gehören aber offenbar beide nicht zur Spezies der Hamsterer und Horter. Ich verfahre nicht nur aus ökonomischen Gründen eher nach dem Prinzip „just in time“ und vermeide zu Hause Konserventürme und Klorollenstapel. Schließlich wollen die Räume in der Altstadtwohnung klug genutzt und wohnlich gestaltet sein. Nervig ist es trotzdem, wenn man auf dem Transportband an der Supermarktkasse sieht, dass einige Leute bei bestimmten Artikeln zu Panikkäufen neigen. „Endlich mal ein normaler Einkauf“, raunte mir kürzlich eine Kassiererin mit Blick auf meine spärlichen Waren – wohl als Lob gemeint – zu. Ich zuckte kurz zusammen und überlegte tatsächlich, ob ich nicht doch nochmal schnell zurückgehe, um nach Mehl und Toilettenpapier zu schauen. Ich hab’s gelassen.

Dass wir in Deutschland in Krisenzeiten haufenweise Zellstoff und Fast Food hamstern, um uns irgendwie sicher und gewappnet zu fühlen, hat eigentlich auch etwas Beruhigendes. In den USA bilden sich Schlangen vor den Waffengeschäften und in Frankreich soll angeblich Rotwein zur Mangelware geworden sein. - Jörg Ciszewski









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