Freitag, 21.02.2020

Jack-London-Klassiker "Ruf der Wildnis" kommt wieder ins Kino

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Ein Hund, eine Reise und eine faszinierende und bedrohliche Wildnis: Der Jack-London-Klassiker „Ruf der Wildnis“ kommt wieder ins Kino. 85 Jahre nach der Schwarz-Weiß-Version mit Clark Gable und Loretta Young zeigt sich vor allem, wie eklatant sich die Filmtechnik seither verändert hat.

Hauptfigur Buck ist in der modernen Version ein weitgehend computeranimierter Riesen-Hund, der ziemlich menschliches Verhalten an den Tag legen kann. Der Bernhardiner-Schäferhund-Mischling führt ein glückliches Leben als Hund einer wohlhabenden Familie – bis Buck einmal zu weit geht und beim Familienfest die reich gedeckte Tafel zerlegt. Dafür bekommt er die Quittung: Er muss die Nacht auf der Veranda verbringen und gerät in die Fänge eines skrupellosen Hundefängers, der ihn als Schlittenhund in den hohen Norden verkauft, in eine Region im Goldrausch des späten 19. Jahrhunderts.

Eine schicksalhafte Begegnung

Dort läuft Buck zum ersten Mal John Thornton (Harrison Ford) über den Weg. Eine schicksalhafte Begegnung, wie sich später herausstellen soll. Aber vorher wird Buck noch Teil der Schlittenhund-Gang des Postboten Perrault (Omar Sy, „Ziemlich beste Freunde“). Nach Schwierigkeiten mit dem bisherigen Rudelführer Spitz übernimmt Buck schließlich das Kommando, rettet Frauchen aus einem vereisten See, die ganze Bande vor einer Lawine und sorgt dafür, dass die Post zum allerersten Mal pünktlich ist.

Doch auch dieses Leben endet für ihn abrupt: Als Perrault seinen Dienst einstellen muss, fallen Buck und seine Hundefreunde in die Hände des skrupellosen und vom Goldfieber ergriffenen Hal (Dan Stevens), der bereit ist, die Hunde für seinen Reichtum zu opfern, dabei die Rechnung aber ohne Thornton gemacht hat. Denn ihm ist Buck bei der kurzen Zufallsbegegnungen ans Herz gewachsen. Und so wird Thornton dann das neue Herrchen von Buck und bricht mit ihm zu einem großen Abenteuer auf, das er eigentlich mit seinem verstorbenen Sohn bestreiten wollte, ein Abenteuer abseits aller bekannten Wege.

Pathetisch, kitschig, altbacken

Um diese Geschichte zu erzählen, begibt Regisseur Chris Sanders sich leider auf sehr ausgetretene Pfade. Denn bis auf die Technik ist an diesem Film nichts modern. So pathetisch, kitschig und altbacken kommt er daher, dass er eher in die 1940er Jahre passen würde als in die beginnenden 20er des neuen Jahrtausends. Sanders‘ Disney-Herkunft merkt man dem Film an, nur leider nicht auf die beste Weise. Selbst dann, wenn der Film humorvoll sein will, zeigt er einen Humor aus einer zum Glück vergangenen Zeit – oder aus Kinderfilmen. Leider funktioniert die zeichentrickfilm-typische Art des Erzählens in dieser Literaturverfilmung nicht, wirkt streckenweise sogar unfreiwillig komisch.

Und so ist Sanders‘ Filmheld Buck „Ein Hund namens Beethoven“ – nur etwas wilder. Und die menschlichen Charaktere um ihn herum so lieb- und charakterlos, dass es manchmal quälend ist. Der einzige Lichtblick sind die spektakulären Landschaftsaufnahmen .

Britta Schultejans, dpa