Montag, 04.11.2019

"Isola": Mit Scheuklappen dem Tiger hinterher

Leserbrief

Isola, die geheimnisvolle Insel, das Land der Toten – das ist die letzte Hoffnung für Olwyn. Die Königin von Maar wurde mit einem Fluch belegt, sodass die Herrscherin nun im Körper eines Tigers steckt. Geleitet von Rook, Captain ihrer königlichen Garde, macht sie sich auf den Weg zu diesem sagenumwobenen Ort. Doch der Weg dorthin ist nicht leicht: Dunkle Mächte wie auch ganz irdische Kräfte drohen, das Vorhaben scheitern zu lassen. Und als Rook auch noch von ihrer Königin getrennt wird, scheint die Lage noch aussichtsloser.

Eine fantastische Welt

Captain Rook will die in einen Tiger verwandelte Königin Olwyn auf die geheimnisvolle Insel Isola bringen. Bilder: Cross Cult Verlag
Es ist eine fantastische aber auch bedrohliche Welt, in die man von Brendan Fletcher, Karl Kerschl und Msassyk hineingeworfen wird: Magier, merkwürdige Tierwesen und ein Konflikt, der irgendwo im Hintergrund schwelt, von dem der Leser aber noch nicht viel mitbekommt, prägen den Comic. Die Grafiken schaffen eine beängstigende und teilweise sogar schreckliche Atmosphäre, die aber auch auf eine merkwürdige Art und Weise voller Schönheit steckt. Gut und Böse können nicht ohne einander existieren, scheinen sich auszubalancieren.

All das wird durch das faszinierende und umwerfende Artwork zum Ausdruck gebracht, das den Leser schon auf der ersten Seite einfängt. Viele Seiten des Comics kommen wunderbar ohne Dialoge aus, statt lange Gespräche in kleine Sprechblasen zu quetschen, erzählen die einzelnen Szenen die Story weiter.

Das funktioniert allerdings nicht immer: So faszinierend diese fremde Welt auch wirkt, viel wird über sie nicht verraten. Gerade als Auftakt der Reihe hätte an der einen oder anderen Stelle eine Erklärung dem Comic gut getan, entweder durch einen ausführlicheren Prolog oder auch ein paar Szenenerläuterungen. Denn der Wechsel zwischen verschiedenen Orten und Perspektiven, der vor allem in der Mitte der Geschichte erfolgt, wird nur durch die unterschiedliche Färbung der einzelnen Umgebungen deutlich gemacht. Das funktioniert nur so lange gut, bis es actionreicher wird und man schon bald nicht mehr weiß, ob man sich gerade hier oder dort befindet.

Viel Erklärungsbedarf

Logischerweise verraten die Autoren am Anfang noch nicht alles. Das würde schließlich die Spannung aus der Geschichte nehmen. Doch leider bleibt diese den kompletten ersten Band durchweg so unerklärlich und voller Geheimnisse, dass es ab und zu richtig frustrierend ist. Fast schon, als würde man mit Scheuklappen durch diese Welt stolpern, und nicht verstehen, was links oder rechts neben einem passiert. Dabei gibt es genug offene Fragen, die man sich trotz ein paar mehr Erklärungen für die nächsten Bände hätte aufsparen können. Was haben die mysteriösen Tierwesen zu bedeuten, die immer wieder auftauchen, und in welcher Verbindung stehen sie zueinander? Was ist das für ein Krieg, der anscheinend kurz vor dem Ausbruch steht? Warum wurde die Königin in einen Tiger verwandelt? Und welche Beziehung haben Olwyn und Captain Rook zueinander, die doch anscheinend deutlich über die einer Königin und der Anführerin ihrer königlichen Garde hinausgeht?


Die Autoren machen sich am Ende die Mühe, die komplette Entstehungsgeschichte des Comics aufzuschreiben – warum also nicht etwas mehr über das Königreich Maar verraten? Zugegeben, es ist der erste Band einer Reihe. Bleibt also zu hoffen, dass die folgenden Comics etwas mehr Licht ins Dunkel bringen.

„Isola“ von Brendan Fletcher, Karl Kerschl uns Msassyk, 168 Seiten, ab 16 Jahren, Cross Cult Verlag, 16 Euro.









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